17.10.2011, 10:07 Uhr
Gilad Schalit war 2006 in den Gaza-Streifen verschleppt worden (Quelle: dapd)
Der von der Hamas entführte israelische Soldat Gilad Schalit soll nach fünf Jahren Gefangenschaft frei kommen. Im Gegenzug will Israel gut 1000 palästinensische Häftlinge freilassen. Der Handel solle in den kommenden Tagen umgesetzt werden, bestätigte ein Sprecher des militärischen Arms der Hamas in Gaza.
Die israelische Regierung billigte in der Nacht zum Mittwoch den umstrittenen Gefangenaustausch mit großer Mehrheit. Nach stundenlangen Debatten stimmten 26 der Minister für die Vereinbarung und drei dagegen berichteten israelische Medien. "Es ist das beste Abkommen, das wir in diesen stürmischen Zeiten im Nahen Osten erzielen konnten", sagte Netanjahu.
Nach Angaben des israelischen Fernsehens soll der Austausch in mehreren Schritten erfolgen. Zunächst sollten 300 Palästinenser freikommen, die an tödlichen Anschlägen beteiligt waren. Danach solle Schalit an Ägypten übergeben werden. Israel werde daraufhin weitere 150 Palästinenser freilassen, die wegen Mordes verurteilt wurden. Anschließend solle Schalit nach Israel gebracht werden. In einem letzten Schritt werde Israel 550 weitere Häftlinge freilassen, überwiegend Frauen und Kinder.
Die Einzelheiten seien zuletzt in Kairo unter ägyptischer Vermittlung vereinbart worden, sagte Netanjahu. "Ich übermittle meinen besonderen Dank an die ägyptische Regierung und ihren Geheimdienst, die sehr geholfen haben." Er dankte ausdrücklich auch dem deutschen Unterhändler sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Unterstützung. Deutschland hatte in den letzten Jahren immer wieder zwischen beiden Seiten vermittelt.
Israelische Medien berichteten, Netanjahu habe sich am Dienstagmittag mit Noam Schalit, Vater des entführten Soldaten, getroffen. Bei dem sehr emotionalen Gespräch habe er Schalit über den geplanten Tauschhandel informiert.
Gilad Schalit war am 25. Juni 2006 von militanten Palästinensern in den Gazastreifen verschleppt worden. Während seiner Gefangenschaft durfte er nur drei Briefe, eine Audio- und eine Videobotschaft an seine Familie übermitteln. Seit Anfang Oktober 2009 fehlt jedes Lebenszeichen.
Der Aufenthaltsort Schalits ist unbekannt. Die Hamas verweigerte selbst Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) den Zugang. Sie befürchtete, dass Israel mit Hilfe der IKRK-Mitarbeiter den Aufenthaltsort Schalits ermitteln und ihn dann befreien könnte.
Quelle: dapd , dpa
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