19.01.2011, 09:27 Uhr
Ein haitianischer Richter hat am Dienstag den früheren Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier vernommen. Nach dem Verhör wurde Duvalier wieder freigelassen. Dutzende seiner Anhänger randalierten derweil.
Dem am Sonntag nach fast 25-jährigem Exil in seine Heimat zurückgekehrten ehemaligen Staatschef werden Korruption und Unterschlagung vorgeworfen, wie Duvaliers Anwalt erklärte. Die haitianische Justiz leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Die Vernehmung hinter verschlossenen Türen dauerte rund eine Stunde.
Duvalier war zuvor von der Polizei aus dem Hotel abgeführt worden, in dem er sich seit seiner überraschenden Rückkehr aufgehalten hatte. Allerdings trug er dabei keine Handschellen. Später verließ er das Gerichtsgebäude wieder. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International zeigte sich in einer Erklärung zufrieden mit der "Festnahme" des Exdiktators.
Nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (UNHCHR) könnte Duvalier wegen der brutalen Verbrechen belangt werden, die während seiner 15-jährigen Amtszeit verübt wurden. Es sei weitaus einfacher, Verbrechen in dem Land zu ahnden, in dem sie begangen wurden, sagte Sprecher Rupert Colville in Genf.
Auch Amnesty International und Human Rights Watch forderten, Duvalier müsse wegen den von seiner Geheimpolizei, der "Tonton Macoute", verübten Gewalt zur Verantwortung gezogen werden. Ihr wird vorgeworfen, Oppositionelle gefoltert und ermordet haben.
Duvalier soll sich zudem zugunsten seiner Familie an Haiti schwer bereichert haben, bis er durch einen Volksaufstand aus seinem Amt vertrieben wurde - die Rede ist von dreistelligen Millionenbeträgen. Er hatte 1971 - mit 19 Jahren - von seinem Vater François Duvalier, genannt "Papa Doc", ein Terrorregime in dem Karibikstaat übernommen. 1986 wurde er mit Hilfe der USA entmachtet und von dem Pastor Jean-Bertrand Aristide ersetzt. Menschenrechtler machen das Regime der Duvaliers wird für den Tod von mindestens 30.000 Menschen verantwortlich.
Offenbar fasst der Staat den Ex-Machtaber aber noch mit Samthandschuhen an: Bevor Duvalier aus seinem Hotel abgeführt wurde, hatten sich zunächst Vertreter der Justiz in sein Hotel bemüht - darunter sogar der leitende Staatsanwalt. Worum es in den Gesprächen ging, wurde nicht bekannt gegeben. Dutzende Polizisten waren im Hotelgebäude und in der Nähe postiert.
Als der Exdiktator zum Gericht gefahren wurde, versuchten Dutzende seiner Anhänger die Straße mit umgeworfenen Mülleimern zu blockieren, außerdem schleuderten sie Steine. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich mehrere Hundert Unterstützer des 59-Jährigen. Sie setzten Reifen in Brand und forderten die Festnahme des derzeitigen Präsident René Préval.
Beobachter vermuten, dass Duvalier versuchen könnte, die Instabilität in Haiti rund ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 auszunutzen, um wieder an die Macht zu kommen. Viele fragten sich nach seiner Rückkehr am Sonntag, warum er nicht verhaftet wurde - nachdem Staatschef Préval früher angekündigt hatte, ihn im Fall einer Rückkehr für Verbrechen am haitischen Volk zur Rechenschaft zu ziehen.
Zwar hat "Baby Doc" immer noch Anhänger in Haiti, und Millionen Einwohner sind zu jung, um sich an das Leben unter seinem Diktat zu erinnern. Dennoch sind viele geschockt von seiner Rückkehr und fürchten, dass die extreme Spaltung und politisch motivierte Gewalt von früher wiederkehrt.
Quelle: dpa
Bingo schrieb:
am 19. Januar 2011 um 11:12:25
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Duvalier
Der einstmals von den USA geschasste Regierungsschef wurde geschickt um den Wiederaufbau in Gang zu bringen.
Er muss die
Unfähigkeit der sogenannten demokratischen Regierung beenden.
mehr
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Michiko schrieb:
am 19. Januar 2011 um 10:33:16
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Was tun mit dem Ex-Diktator?
Na was wohl? Lebenslang in den Knast!
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