11.01.2006, 08:25 Uhr
Aus Protest gegen die geplante EU-Hafenrichtlinie haben Arbeiter die Schiffsabfertigung in norddeutschen Häfen lahm gelegt. Im Hamburger Hafen - dem zweitgrößten in Europa - legten mehrere hundert Beschäftigte die Arbeit nieder. Ihre Kollegen aus Bremerhaven schlossen sich den Protesten an.
EU will mehr Wettbewerb
Bei den Protesten handelt es sich nach Angaben der Arbeitnehmer nicht um Streiks, sondern um Demonstrationen und Proteste. Mit der Richtlinie Port Package II will die EU-Kommission für mehr Wettbewerb zwischen den Häfen sorgen. Gewerkschaften befürchten dagegen den Verlust von Arbeitsplätzen. Das Europäische Parlament in Straßburg berät am 17. Januar über die Richtlinie.
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50.000 Arbeiter wollen demonstrieren
Im Laufe des Tages wollen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auch die Hafenarbeiter in Lübeck, Rostock, Nordenham, Brake und Emden demonstrieren. Europaweit würden sich rund 50.000 Arbeiter beteiligen.
Zeitlich befristete Konzessionen
"Diese Richtlinie ist nicht nur überflüssig, sondern gefährdet die Leistungsfähigkeit der deutschen Häfen", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Jan Kahmann. Die Richtlinie sieht vor, dass Lotsendienste, Schleppdienste oder das Löschen von Ladung an zeitlich befristete Konzessionen gebunden wird. Reedereien soll das Be- und Entladen von Schiffen erlaubt werden, was bisher nur von den in den Häfen ansässigen Unternehmen geleistet wurde.
Tiefensee befürchtet Entlassungen
Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sieht in der Richtlinie eine Gefahr für viele Arbeitsplätze in Deutschland. Sie führe nicht wie von der Europäischen Kommission geplant zu mehr Wettbewerb und höherer Qualität der Seehäfen, sagte der Minister der "Nordsee-Zeitung". "Wir befürchten, dass es dann in den Häfen zu Entlassungen in größerem Umfang kommen wird." "Die Hafenrichtlinie würde die maritime Wirtschaft und unsere Seehäfen schwächen", so Tiefensee. Dabei sei es gerade diesem Wirtschaftszweig zu verdanken, dass Deutschland Exportweltmeister sei.
Quelle: dpa
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