Die Reste eines Wohnhauses nach dem schweren Erdrutsch in Nachterstedt (Foto: dpa)
Nach dem gewaltigen Erdrutsch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt, bei dem vermutlich drei Menschen in den Tod gerissen wurden, herrscht weiterhin Unklarheit über die Unglücksursache.
Dazu könne noch keine Aussage getroffen werden, es habe keinerlei Anzeichen für ein bevorstehendes Unglück gegeben, sagte Ulrich Gerstner, der Landrat des Salzlandkreises. "Es wird umfangreicher Gutachten in den nächsten Wochen und Monaten bedürfen", sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretär Detlef Schubert.
Erdrutsch löst Flutwelle aus
Der Erdrutsch hatte am Samstagmorgen ein Doppelhaus und dessen Bewohner in einen Tagebausee gerissen. Ein weiteres Mehrfamilienhaus stürzte zur Hälfte ein und verschwand ebenfalls in dem See. Der Erdrutsch hatte eine Flutwelle ausgelöst, der am gegenüberliegenden Ufer ein Ausflugsschiff an Land spülte.
Ehepaar und ein Mann vermisst
Bei den vermissten Hausbewohnern handelt es sich um ein Ehepaar und einen Mann, dessen Frau zum Unglückszeitpunkt auf Nachtschicht war. Unklar ist, wo sich der 20 Jahre alte Sohn des vermissten Mannes aufhält. Der junge Mann ist zwar in dem Doppelhaus gemeldet, lebt nach Angaben der örtlichen Behörden aber in einer anderen Wohnung.
Suche ohne Erfolg
Die Polizei hat zwei Hubschrauberflüge mit Wärmekamera unternommen, um Anzeichen für Menschen in den Schlamm-Massen zu suchen, aber keine festgestellt, wie Gerstner berichtete. Es sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich, Personen vom Hubschrauber zur Unglücksstelle abzuseilen.
Umliegende Häuser evakuiert
Die Bewohner des Mehrfamilienhauses befinden sich auf Reisen, wie die Sprecherin des Kreises, Ursula Rothe, mitteilte. Das Ehepaar wurde per ADAC-Reiseruf aufgefordert, sich zu melden. Im Lauf des Tages riefen sie tatsächlich aus dem Ausland an. 41 Bewohner aus umliegenden Häusern wurden in Notunterkünfte gebracht.
"Wenn man das sieht, ist man schockiert"
Bei dem Unglück, das sich gegen 5.30 Uhr ereignete, rutschten Erdmassen auf einer Fläche von 350 mal 120 Metern ab. Auch eine Straße und eine Aussichtsplattform versanken in dem See. "Wenn man das sieht, ist man schockiert", sagte eine Sprecherin des Salzlandkreises. Das Gelände wurde wegen der unsicheren Lage weiträumig abgesperrt.
Geflutetes Tagebau-Restloch
Nachterstedt liegt in der Nähe von Quedlinburg südwestlich von Magdeburg. Bei dem Gewässer - dem Concordia-See - handelt es sich um ein für touristische Nutzung geflutetes Tagebau-Restloch. Der Braunkohle-Abbau in der etwa 2000 Einwohner zählenden Gemeinde war 1991 eingestellt worden.
Sicherheitskräfte warnen Schaulustige
Der See ist heute ein beliebtes Ziel von Wassersportlern. Er ist inzwischen bis zu 30 Meter tief. Rund 20 Meter sollte das Wasser in den kommenden Jahren noch steigen. Das verschwundene Haus stand bisher 80 bis 100 Meter vom Seeufer entfernt. Sicherheitskräfte warnen ausdrücklich vor einem Schaulustigen-Tourismus. Jeder, der sich nur ansatzweise in die Nähe der Unglücksstelle begebe, gefährde sich, hieß es.