09.12.2010, 11:08 Uhr | Von Nina Jeglinski, dpa
Blonde slawische Zöpfe sind in Westeuropa und den USA sehr begehrt - die Jagd darauf boomt also (Foto: imago)
Das blonde Haar der ukrainischen Politikerin Julia Timoschenko ist ein echter Hingucker. Damit ließe sich ein gutes Geschäft machen. Doch es sind eher die nicht so reichen Frauen aus Osteuropa, die ihre Zöpfe zunehmend in den Westen verkaufen, wo das Geschäft mit der Haarverlängerung boomt.
Natürlich blond muss es sein, sehr lang und glänzend schön - in der Ukraine und Russland hat die Jagd auf slawisches Haar Konjunktur. Allein in der Ukraine durchforsten mehr als drei Dutzend "Haar-Agenten" die Provinz. Sie suchen Frauen, die ihr Haar zu Geld machen wollen - beziehungsweise müssen.
Viele der sogenannten Agenten sind Mitarbeiter des Amerikaners David Elman, der in Kiew einen Haar-Großhandel führt. Der Mann mit osteuropäischen Wurzeln hat früher Perücken in die USA verkauft. Doch seit einigen Jahren handelt er mit blonden echten Zöpfen.
Vor allem Schönheitssalons in Deutschland, anderen westlichen EU-Ländern und den USA bieten ihren Kunden Verlängerungen aus Echthaar an. "Die Nachfrage ist groß, aber ich kann pro Woche nicht mehr als 150 Kilogramm Blondhaar liefern", sagt Elman, Chef von Raw Virgin Hair.
Slawisches Haar ist so gefragt, weil es in Struktur und Farbe dem der westlichen Frauen ähnlich ist. Anders als Haare aus Indien oder China müssen Zöpfe aus dem Osten nicht erst gebleicht werden.
In Strähnen oder auf schmalen Bändern befestigt wird die kostbare Ware in einem speziellen Verfahren an das Haar der Kundin geknüpft oder direkt auf die Kopfhaut geklebt. In westlichen Schönheitssalons bezahlen betuchte Kundinnen mehr als 1000 Euro für eine neue Mähne.
Trotz der oft gesalzenen Preise steigt auch in Deutschland die Zahl jener, die eine Haarverlängerung machen lassen. "Wir haben jedes Jahr mehr Kundinnen, die sich etwas Exklusives wünschen", sagt etwa Volker Wolf-Strahm, Chef des Cuttingclubs in Berlin. Vor allem Luxus-Friseure wie er verlangen nach Zöpfen aus der Ukraine.
Händler wie Elman gibt es auch in Russland - zum Beispiel Alexej Kusnezow. Seine Firma, Belli Capelli (Italienisch für Schöne Haare), machte 2009 einen Umsatz von etwa zwölf Millionen Euro. Kistenweise lagert in einer Niederlassung in der Stadt Mossalsk, südwestlich von Moskau, das "russische Gold", wie Kusnezow das blonde Haar nennt. Russland sei der größte Exporteur dieser feinen Ware in den Westen.
Zu Kusnezows Lieferantinnen gehört Natalia Winokurowa. Nur umgerechnet knapp 300 US-Dollar verdient die 26-Jährige aus Mossalsk in ihrem eigentlichen Job in der Landwirtschaft. Für ihren 40 Zentimeter langen naturblonden Pferdeschwanz bekam sie von Haar-Jäger Kusnezow allein schon 50 US-Dollar.
Vor allem wirtschaftliche Probleme zwingen die Frauen, ihre Haare zu verkaufen - etwa, wenn das Kind eingeschult wird und Bücher und Kleidung bezahlt werden müssen.
An vielen Mauern in der Ukraine kleben Zettel mit den Bedingungen der "Agenten": Gesucht wird blondes oder braunes, mindestens 30 Zentimeter langes Haar. Dann wird in Friseursalons der früheren Sowjetrepublik über den Preis verhandelt und der Zopf abgeschnitten.
Doch nicht nur junge Ukrainerinnen kommen: Immer öfter bringen auch Frauen im Großmutteralter ihre Zöpfe, die sie oft vor Jahrzehnten abgeschnitten haben und als Erinnerung an ihre Jugend in einem Schrank aufbewahrten, erzählt ein Friseur: "Haare haben kein Verfallsdatum." In Weißrussland wäre das undenkbar: In der autoritär regierten Republik ist das Verkaufen von Haaren gesetzlich verboten.
Quelle: dpa
Werner schrieb:
am 8. Dezember 2010 um 17:35:56
(0)
(0)
Blondhaar
Solange unsere Frauen im Westen dafür noch Geld haben, mu0 man sich fragen, ob es bestimmten Schichten immer noch zu gut geht
!!??
Konstruktive Schönheit er, setzt eben trotzem novj nich das Gehirn...
mehr
Kommentar melden
SKORPIO schrieb:
am 8. Dezember 2010 um 17:35:05
(0)
(0)
Handelsware Menschenhaare
Schon im antiken Rom wurde blondes Haar aus Nordeuropa importiert und zu teuren Perücken usw. verarbeitet. Der
entscheidende Unterschied: damals war es ein günstiges Zugeschäft für die Haarlieferanten, also blonde Frauen, heute ist es ein Notverkauf mit allen negativen Begleitumständen! Echt traurig, wie weit wir nach fast 2000 Jahren hinter das antike Rom zurückgefallen sind!
mehr
Kommentar melden
SigiS schrieb:
am 8. Dezember 2010 um 17:24:58
(0)
(0)
Haare
Da mein Haupthaar ein wenig schwindet, wäre das auch was für mich!? grübel
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Tolle Bildqualität & kleiner Preis: 94 cm Grundig-LCD-TV (EEK: C) jetzt nur 555,- €. bei euronics.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Bildschöne Mai-Schnäppchen: Bücher, Tablet-PC, eBook-Reader und mehr. bei Hugendubel.de