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Guttenberg besucht erstmals Kampfgebiet in Afghanistan

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Guttenberg besucht erstmals Kampfgebiet in Afghanistan

30.08.2010, 09:05 Uhr

Cool wie ein Westernheld: Guttenberg stapft nach seiner Ankunft im "OP North" durch den afghanischen Staub. (Foto: dpa)

Cool wie ein Westernheld: Guttenberg stapft nach seiner Ankunft im "OP North" durch den afghanischen Staub. (Foto: dpa)

Als erster hochrangiger Politiker hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) deutsche Soldaten im Kampfgebiet in Afghanistan besucht. Vom Bundeswehrfeldlager im nordafghanischen Kundus aus flog er am Sonntag mit einem Hubschrauber zu dem 70 Kilometer entfernten Außenposten "OP North" in der Unruheprovinz Baghlan.

Dort ist die "schnelle Eingreiftruppe" (Quick Reaction Force) stationiert, die in der Region auch gemeinsam mit der afghanischen Armee operiert. 15 Kilometer von dem auf einer Anhöhe gelegenen Stützpunkt entfernt waren im April vier deutsche Soldaten bei einem Taliban-Angriff getötet worden.

Gefecht verhinderte früheren Besuch

Guttenberg bedankte sich bei den Soldaten für ihren Einsatz. "Es ist ganz wichtig, dass man die Realitäten nicht nur vom Schreibtisch aus beurteilt, sondern sich die Realitäten auch dort ansieht, wo die Gefechte stattfinden", sagte der Minister. Der Besuch der Truppe im Kampfgebiet sei schon lange sein Wunsch gewesen. "Ich glaube, dass es sich gehört, dass sich der Minister bei seinen Soldaten auch mal blicken lässt, die hier über Wochen unter widrigen Bedingungen ihren Dienst tun".

Guttenberg wollte den Stützpunkt in Baghlan bereits bei seiner letzen Afghanistan-Reise Mitte Juli besuchen. Damals musste er allerdings wegen eines Gefechts auf halben Weg umkehren.

Gedenken an getötete deutsche Soldaten

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der Guttenberg nach Afghanistan begleitete, traf am Sonntag in Kabul in getrennten Gesprächen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und US- Oberbefehlshaber David Petraeus zusammen. Dabei ging es um die aktuelle sicherheitspolitische Situation in Afghanistan. Karsai habe den afghanischen Wunsch nach einer Verstärkung des deutschen Engagements unterstrichen, hieß es aus dem Büro des Präsidenten. Es war die erste Afghanistan-Reise Lammerts seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren. Guttenberg besuchte das Land bereits zum fünften Mal in zehn Monaten.

Am Morgen hatten Lammert und Guttenberg am Ehrenhain der Bundeswehr in Kundus der gefallenen deutschen Soldaten gedacht. Zuletzt waren im April insgesamt sieben deutsche Soldaten bei zwei Angriffen der Taliban getötet worden, drei von ihnen waren in Kundus stationiert. Für die internationale Schutztruppe ISAF ist 2010 das bisher verlustreichste Jahr. Mit 465 Soldaten wurden in den ersten acht Monaten bereits fast genauso viele Soldaten getötet wie im gesamten Vorjahr.

Lammert und Guttenberg informierten sich in Kundus auch über das neue Ausbildungs- und Schutzbataillon mit 650 Soldaten, das Anfang September komplett einsatzbereit ist. Es soll gemeinsame Operationen mit den afghanischen Streitkräften planen, durchführen und nachbereiten. Mit dieser neuen Strategie soll die Ausbildung der afghanischen Soldaten verbessert und beschleunigt werden. Ein zweites Bataillon soll im Herbst folgen.

Bundeswehr soll "stärker und besser" werden

Die beiden deutschen Politiker waren bereits am Samstagabend im regionalen ISAF-Hauptquartier für Nordafghanistan in Masar-i-Scharif eingetroffen. Der Bundestagspräsident hatte der Truppe dort die Rückendeckung des Parlaments zugesichert. "Der Bundestag weiß, dass er sich auf die Bundeswehr verlassen kann, und Sie sollten wissen, dass Sie sich auf den Deutschen Bundestag verlassen können", sagte er vor mehreren hundert Soldaten.

Der Verteidigungsminister mahnte erneut eine realistische Betrachtung des Einsatzes und mehr Aufmerksamkeit für die gefährliche Aufgabe der Soldaten an. Im Sommer habe er das Gefühl gewonnen, dass es in Deutschland wieder "etwas ruhiger in der Betrachtung Afghanistans" geworden sei. Guttenberg warb bei den Soldaten auch um Verständnis für die von ihm geplante Reform der Streitkräfte.

Die Bundeswehr werde künftig "stärker und besser" sein, sagte er. Er verwies darauf, dass heute bei einer Truppenstärke von rund 250.000 Soldaten nur 7000 gleichzeitig im Einsatz sein können. Diese Zahl will der Minister trotz einer drastischen Verkleinerung der Truppe deutlich erhöhen.


Quelle: AFP , dpa

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