05.05.2011, 15:07 Uhr
Ein Gutachter hat die psychische Gesundheit Kachelmanns untersucht (Foto: ddp) (Quelle: ddp)
Jörg Kachelmann leidet nach Auffassung eines Sachverständigen nicht an einer psychischen Störung. Die Lebensgeschichte des Wettermoderators lasse "keinen Hinweis auf gröbere psychische Störungen" erkennen, sagte der psychiatrische Sachverständige Hartmut Pleines vor dem Landgericht Mannheim.
Nach seinem Gutachten sei die Schuldfähigkeit des 52-Jährigen nicht beeinträchtigt. Es gebe zudem keine Hinweise auf Störungen beim Sexualverhalten. Auch bei Varianten im Sexualleben könne nicht von einem Krankheitsbild gesprochen werden. Kachelmann verfolgte die Aussage des Gutachters mit großer Aufmerksamkeit und schrieb auch mit.
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung liege ebenfalls nicht vor, erklärte der Gutachter. "Eigensucht und egozentrisches Verhalten" seien Kachelmann nicht fremd, so Pleines. Aber von einem krankhaften Befund könne nicht gesprochen werden. Kachelmann weiche zwar "ein gutes Stück ab vom Idealbild einer ausgeglichenen Persönlichkeit", aber eine klinische Diagnose sei damit nicht verbunden.
Zum Doppelleben des Moderators bemerkte Pleines, der Angeklagte habe eine Vielzahl von Partnerinnen parallel gehabt, ohne dass die jeweiligen Frauen von den anderen wussten. Dies könne man als Zweigesichtigkeit bezeichnen. Das sei aber weit entfernt von einer Krankheit. Auch andere Menschen hätten Parallelwelten, in denen sie verschiedene Rollen lebten.
Das Leben in verschiedenen Identitäten werde eine Zeit lang als aufregend empfunden, sei aber sehr anstrengend. Auch bei Kachelmann sei es immer wieder zu gesundheitlichen Problemen gekommen. Das hätten die Zeuginnen und Ex-Freundinnen im Prozess berichtet.
Aus der Kindheit Kachelmanns berichtete Pleines, dass er ein herzliches Verhältnis zum früh verstorbenen Vater hatte. Im Verhältnis zur Mutter habe es Verwerfungen gegeben.
Im Laufe des Verfahrens war über eine mögliche narzisstische Persönlichkeitsstörung Kachelmanns spekuliert worden. Der 52-Jährige wollte sich nicht persönlich von einem Psychiater untersuchen lassen. Gutachter Pleines erklärte, auch anhand der Biografie und der Angaben aus seinem Umfeld - insbesondere der Geliebten - sei eine psychiatrische Diagnostik möglich. Kachelmann sei ein "sozial kompetenter, beruflich erfolgreicher Mann", sagte Pleines.
TV-Moderator Kachelmann ist angeklagt, weil er seine frühere Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben soll. Er bestreitet das.
Quelle: dapd , dpa
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