09.05.2011, 17:33 Uhr
Jörg Kachelmann ist frei (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Die Ex-Geliebte von Wettermoderator Jörg Kachelmann könnte nach Einschätzung eines Gutachters die Vergewaltigung erfunden haben. "Die Hypothese einer Falschaussage kann ich nicht zurückweisen", sagte der Psychologe Günter Köhnken vor dem Landgericht Mannheim. Die 38-Jährige wirft dem Schweizer vor, sie zum Sex gezwungen und mit einem Messer bedroht zu haben. Kachelmann bestreitet die Vorwürfe. Sein Verteidiger hatte das Gutachten in Auftrag gegeben.
Die 38-Jährige habe sehr detailliert ihre Beziehung zu Kachelmann geschildert, sagte Köhnken am 40. Verhandlungstag. Als es um die angebliche Vergewaltigung gegangen sei, habe sie sich dagegen an viele Einzelheiten nicht erinnern können. Diese Lücken kann sich der Psychologe nicht erklären. Möglicherweise seien sie vorgetäuscht, um Detailfragen zu vermeiden.
Die Möglichkeit einer Autosuggestion schloss der Kieler Psychologe aus. Hierbei verfälscht eine Person Erlebnisse unbewusst oder schmückt sie aus. Die 38-Jährige habe sich in der Nacht der angeblichen Vergewaltigung sehr rationale Gedanken gemacht. Dies sei schwer vereinbar mit einem emotionalen Zustand, der zu einer Autosuggestion führen könne, sagte Köhnken.
Köhnke übte auch Kritik an der Polizei: Die Beamten hatten die beiden ersten Vernehmungen der 38-Jährigen nicht im Wortlaut protokolliert. Die Protokolle seien deshalb für die psychologische Analyse kaum zu gebrauchen. Spätere Aussagen der Frau könnten von ihrer Therapie beeinflusst worden sein.
Schon die Gutachterin Luise Greuel hatte die Glaubhaftigkeit von Kachelmanns Ex-Geliebter nicht bestätigen können. Greuel hält es dagegen für möglich, dass die Erinnerung der Frau teilweise autosuggestiv verfälscht wurde. Die Psychologin sprach von deutlichen Hinweisen, dass die Frau durch das Gespräch mit Kachelmann über ein Ende der Beziehung emotional erschüttert gewesen sei. Es sei nicht auszuschließen, dass das die Wahrnehmung der späteren Ereignisse beeinflusst habe.
Mit der Befragung von Köhnken dürfte die Vernehmung der Gutachter im Kachelmann-Prozess beendet sein. An diesem Mittwoch will die Kammer über Anträge der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung entscheiden. Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn hatte unter anderem einen Befangenheitsantrag gegen den Heidelberger Rechtsmediziner Rainer Mattern gestellt. Mattern hatte die Ex-Geliebte nach der angeblichen Vergewaltigung untersucht. Das Urteil soll am 27. Mai fallen. Zuvor sind noch zwei weitere Prozesstage angesetzt.
Quelle: dpa
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