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Guantánamo: Sanitäter halfen CIA beim Foltern

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Sanitäter halfen CIA beim Foltern

08.04.2009, 08:46 Uhr | Von E. Wiemann & M. Göbel, Spiegel Online

Häftling in Guantanamo Bay: Medizinisches Personal hat bei CIA-Verhören "Misshandlungen geduldet und an ihnen teilgenommen"  (Foto: AP) Häftling in Guantanamo Bay: Medizinisches Personal hat bei CIA-Verhören "Misshandlungen geduldet und an ihnen teilgenommen" (Foto: AP)

An der Folter von mutmaßlichen Terroristen durch den US-Geheimdienst CIA war auch medizinisches Personal beteiligt. In New York wurde jetzt ein Rot-Kreuz-Geheimreport veröffentlicht, der dokumentiert, wie die Helfer in Weiß für einen reibungslosen Ablauf der Misshandlung sorgten.

Eigentlich sollen sie Leiden lindern - doch bei den Verhören der CIA fungierten Sanitäter und medizinisches Personal offenbar als Folterhelfer. Nach einem Bericht des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) haben sie dem Geheimdienst dabei assistiert, Informationen aus mutmaßlichen Qaida-Terroristen herauszupressen. Der Geheimreport wurde schon im Februar 2007 erstellt, ist aber erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangt.

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Streng vertraulicher Folterbericht

Der Report basiert auf Interviews mit 14 mutmaßlichen Qaida-Terroristen, die im September 2006 nach Guantanamo Bay gebracht wurden. Dort wurden sie unabhängig voneinander von Mitarbeitern des Roten Kreuzes befragt. Der 40-seitige Report ist als "streng vertraulich" eingestuft, aber der amerikanische Journalist Mark Danner hat ihn auf der Website des "New York Review of Books" veröffentlicht, wo er in voller Länge abrufbar ist. Teile des Berichts waren bereits Mitte März bekannt geworden: Die CIA benutzte Prügel, Schlafentzug und Waterboarding, also simuliertes Ertrinken, um die mutmaßlichen Terroristen zum Reden zu bringen. Neu sind Details bezüglich der Rolle des medizinischen Personals, das bei der Folter anwesend war, und die Einschätzung des Roten Kreuzes, dass die Tätigkeit der medizinischen Mitarbeiter als Mitwirkung an der Misshandlung zu werten ist.

Sanitäter duldeten Misshandlungen

Nach dem Report stellt jegliche Unterstützung der Folterpraktiken eine Verletzung der medizinischen Ethik dar, selbst wenn sie darauf ausgerichtet ist, Tod oder schwere Verletzungen zu vermeiden. "Ärzte und medizinisches Personal haben explizit die Aufgabe, Gefangene vor Misshandlung zu bewahren", heißt es im Bericht. Dieser Aufgabe seien sie nicht nachgekommen. Das medizinische Personal habe im Gegenteil "Misshandlungen geduldet und an ihnen teilgenommen". Nach Berichten der Gefangenen hätten die anwesenden Sanitäter "Instruktionen gegeben, bestimmte Methoden fortzusetzen, anzupassen oder zu stoppen".

Keine Stütze für Gefangene

Und genau das habe die Folter erst ermöglicht, sagt auch Frank Ulrich Montgomery "Spiegel Online". Der Menschenrechtsbeauftragte und Vizepräsident der Bundesärztekammer weiter: "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man als Arzt eine Stütze des Gefolterten sein kann. Der Folterer verlässt sich darauf, dass der Gefangene nicht stirbt."

"Ärzte waren höchstens sporadisch beteiligt"

Chalid Scheich Mohammed, Chefplaner der Attacken des 11. Septembers 2001, sagte gegenüber Mitarbeitern des Roten Kreuzes aus, dass er während eines Verhörs mit Waterboarding ständig unter Beobachtung gestanden habe. Sein Puls und die Sauerstoffsättigung seines Blutes seien überwacht worden. Der medizinische Mitarbeiter habe die Prozedur mehrere Male gestoppt. Der Bericht spricht nicht ausdrücklich von Ärzten, die an den Verhören teilgenommen hätten. Nach Informationen der "New York Times" waren Ärzte höchstens sporadisch beteiligt, hauptsächlich seien Arztassistenten und ehemalige Militärsanitäter dabei gewesen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein in Amerika voll approbierter Arzt daran beteiligt war", sagt auch Montgomery. "Die Standesrechtsorganisation der American Medical Association lehnt Folter ab. Sie verweigert sogar die Beteiligung an gerichtlich angeordneten Hinrichtungen." Allerdings gelte das ärztliche Standesrecht nur für Ärzte und nicht für medizinisches Personal.

Rotes Kreuz hält sich bedeckt

Der Bericht des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes ist streng vertraulich. Deswegen war dessen Sprecher Bernard Barrett nach amerikanischen Medienberichten auch nicht bereit, den Report zu kommentieren. "Wir missbilligen, dass vertrauliche Berichte des IKRK veröffentlicht wurden", wird er zitiert. Auch die CIA verweigerte US-Zeitungen zufolge eine Stellungnahme zu dem Report. Sprecher Mark Mansfield wies allerdings darauf hin, dass die CIA sich an die Verordnungen des amerikanischen Präsidenten Obama halte. Der hatte an seinem ersten Tag im Amt den Einsatz aller Foltertechniken inklusive Waterboarding beendet.


Von E. Wiemann & M. Göbel, Spiegel Online  

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