21.11.2010, 12:14 Uhr
Angehörige der verschütteten Bergleute in Neuseeland warten verzweifelt auf Lebenszeichen aus der Mine (Foto: AP)
In Neuseeland wächst die Sorge um die 29 verschütteten Bergleute. Frühestens am Sonntag werden Einsatzkräfte einen Rettungsversuch starten. Luftproben zeigten, dass es nach der Explosion weiterhin zu unsicher sei, die Mine zu betreten, sagte der örtliche Polizeichef Gary Knowles. "Leider können wir nicht einfach Masken und Schutzkleidung anziehen und reinlaufen."
Die Helfer befürchten gefährliche Gase in der Grube und eine zweite Explosion. Es gibt keine Verbindung zu den Kumpeln. Ob die Bergleute im Alter zwischen 17 und 62 Jahren noch leben, ist unklar. Knowles zeigte sich dennoch zuversichtlich, die Männer lebend zu bergen. "Dies ist eine Such- und Rettungsoperation, und wir werden diese Jungs nach Hause holen", sagte er.
Bei der Methangas-Explosion in der abgelegenen Pike-River-Mine nördlich von Greymouth auf der Südinsel waren am Freitag der Strom und die Belüftung ausgefallen. Nur zwei Bergleute hatten es geschafft, mit leichten Verletzungen aus dem Stollen zu kommen.
Alle Männer waren nach Angaben des Bergbauunternehmens mit Notfallausrüstungen und Sauerstoffflaschen ausgestattet. Die Polizei "bleibe positiv", dass die Verunglückten lebend gefunden werden, hieß es in einem Bericht der britischen BBC. Wann die Rettungskräfte wirklich ins Bergwerk können, ist weiter unklar. Ein 16 Mann starkes Team stehe bereit.
Vertreter der Bergwerksfirma sagten Radio New Zealand, sie warteten darauf, dass sich die Konzentration an giftigem Kohlenmonoxid verringere. Weiter hieß es in der Meldung, die Polizei habe von steigenden Gaskonzentrationen erfahren, so dass auch die Tests unterbrochen worden seien.
Das Unternehmen gab dem Bericht zufolge an, in das Bergwerk werde komprimierte Luft gepumpt. Allerdings sei die Leitung nach dem Unglück beschädigt, so dass unbekannt sei, wie sich die Luft in der Mine verteile. "Es ist möglich, dass die Männer am Ende der Tunnelröhre sitzen und warten und sich fragen, warum wir uns so lange Zeit lassen", erklärte Peter Whittall, Chef der Betreiberfirma Pike River Coal.
Whittall sagte, es handele sich um eine Tunnel-Mine, nicht um einen Grubenschacht - die Retter müssten also nicht wie bei dem Bergbau-Drama in Chile große Tiefen überwinden. Die Kumpel in Neuseeland sollen in etwa 120 Meter Tiefe sein. Auch Knowles sagte: "Das hier ist nicht Chile. Es ist eine ganz andere Art von Mine."
Die Angehörigen der Männer warten verzweifelt auf gute Nachrichten. Der Bürgermeister von Greymouth, Tony Kokshoorn, sprach von einer frustrierenden Situation und herzzerreißenden Szenen. "Die ganze Stadt steht still. Wir versuchen, damit fertig zu werden. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie emotional das alles ist."
Unter den Angehörigen macht sich derweil Ungeduld breit. "Wenn es nach mir ginge, dann wäre ich schon längst dort unten", sagte Laurie Drew, dessen 21-jähriger Sohn vermisst wurde. Er trug die Jacke seines Sohnes, "damit ich sie ihm geben kann, wenn er rauskommt".
Die neuseeländischen Bergwerke gelten generell als sicher. In den vergangenen 114 Jahren kamen in den Minen 181 Menschen ums Leben. Das schwerste Unglück ereignete sich im März 1896, als 65 Arbeiter bei einer Gasexplosion getötet wurden. Ort des Unglücks war damals die Pike-River-Mine.
Quelle: dpa , dapd
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