14.10.2010, 14:18 Uhr
Seit 70 Tagen sitzen die 33 chilenischen Bergleute unter Tage fest - doch ihre nahende Rückkehr ans Tageslicht ist auch mit Ängsten verbunden (Foto: dpa)
Die historische Rettungsaktion in Chiles San-José-Bergwerk hat ein Happy End - vorerst. Für die 33 Kumpel ist zwar ein zehn Wochen langes Leiden beendet, aber die Spätfolgen seien enorm und würden meist unterschätzt, sagte Professor Wolfram Schüffel. Der Marburger Psychosomatiker hat die verschütteten Bergleute des Unglücks in Borken 1988 nach ihrer Rettung betreut und weiß, was die chilenischen Kumpel nun erwartet.
Was sind die gesundheitlichen Folgen einer derart traumatischen Erfahrung?
Schüffel: Wir müssen davon ausgehen, dass die Menschen erstarrt sind unter der Erde. Sie wissen nicht, ob sie wieder hochkommen. Wie es in diesem Fall war, waren sie praktisch abgeschrieben. Es kommt aus der Erstarrung heraus zu Krankheiten, die wir üblicherweise gar nicht erwarten: Hochdruck, Infarkte, chronische Infektionskrankheiten, Krebs bis zu chromosomalen Anomalien.
Daneben gibt es die typischen traumatischen Krankheitsfolgen wie die Posttraumatische Belastungsstörung mit Schlaf- und Herzrhythmusstörungen verbunden mit Abhängigkeitserkrankungen wie Alkohol- und Medikamentenmissbrauch und verschleierten Depressionen. Wir müssen wissen, dass diese Betroffenen in den nächsten drei bis fünf Jahren wegen solcher Krankheiten zu behandeln sind.
Die eingeschlossenen Kumpel in Chile hatten ja auch positive Gemeinschaftserlebnisse miteinander und auch Zuspruch von außen. Kann sich das positiv auf ihre Gesundheit auswirken?
Dabei ist entscheidend, dass man mit ihnen darüber spricht, was ist unten abgelaufen. Wie haben sie es zum Beispiel erlebt, dass die Fernsehkamera 600 oder 700 Meter unter der Erde dann plötzlich auftauchte und sie auf diese Weise sinnlich-visuell regelrecht Kontakt mit der Oberwelt bekamen?
Die Kumpel sind praktisch zu Volkshelden geworden, kann ihnen das auch helfen, ihr Trauma zu überwinden?
Sie kommen jetzt in eine Welt zurück, die sich unbändig freut. Aber der Alltag fängt heute schon praktisch an. Sie müssen sich zurecht finden. Da werden enorme Anpassungsforderungen an den einzelnen Organismus gestellt, denen es nur allmählich zu entsprechen gilt.
Und wie soll das vor sich gehen?
Wir müssen eine ungeheure Erinnerungsarbeit aufbringen. Diejenigen, die hier überlebt haben und diejenigen, die geholfen haben, sind ganz normale Menschen und sind nicht die Helden. Sie müssen aus dieser Heldenfunktion herauskommen. Das gilt für die Betroffenen und das gilt für den chilenischen Staatspräsidenten gleichermaßen. Das ist die zentrale Aufgabe verbunden mit erinnern, erinnern und noch mal erinnern.
Quelle: dpa
anja schrieb:
am 14. Oktober 2010 um 15:59:11
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bergleute
Spätfolgen sind zu erwarten, wenn sie sich in die Hände der Psychofreaks begeben, so siehts aus.
Ein normaler Umgang mit Familie
und Freunden hilft am besten, das Ganze zu überwinden.
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