08.09.2010, 16:30 Uhr
Chile: Die eingeschlossenen Bergleute hoffen weiter auf ihre baldige Rettung. (Foto: AP)
Einen Monat nach dem Minenunglück gibt es für die 33 in Chile verschütteten Bergarbeiter Hoffnung auf eine frühere Rettung als zunächst angenommen. In einem an die Helfer ausgegebenen Papier heißt es, dass mit einem Bohrer im besten Falle bis Anfang November ein Rettungsschacht fertig gestellt werden könne. Angehörige erinnerten am Sonntag mit Gesängen an das Minenunglück in der Atacama-Wüste vor einem Monat.
Laut einem Papier für die Rettungskräfte, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag, verspricht "Plan C" die früheste Rettung der eingeschlossenen Bergleute in Copiapo. Dabei soll nach Vorarbeiten ab dem 18. September ein riesiger Ölbohrer zum Einsatz kommen, für den eine Ausgangsfläche von der Größe eines Fußballplatzes benötigt wird. Im besten Fall könnte der Rettungsschacht Anfang November fertig sein, heißt es in dem Papier. Bei Problemen könne es bis Anfang Dezember dauern.
Insgesamt veranschlagte der chilenische Bergwerksminister Laurence Golborne die Kosten für die Rettungsaktion auf "mehrere Millionen US-Dollar". Die chilenische Presse berichtete in der vergangenen Woche von schätzungsweise zehn Millionen US-Dollar.
Mittlerweile hat die Bohrung eines zweiten Rettungsschachtes begonnen. Der Bohrer vom Typ Schramm T 130 XT erweitert eine der engen Versorgungsröhren, berichteten chilenische Medien am Montag. Die erste Bohrung läuft seit einer Woche. Der Bohrer vom Typ Strata 950 sei inzwischen in 70 Metern Tiefe angelangt. In den kommenden Tage werde ein drittes Bohrgerät an der Kupfer- und Goldmine San José erwartet.
Dieser Bohrer ist wesentlich größer und stärker als die beiden anderen Bohrer. Um alle Teile zu der Mine zu bringen, seien 42 Lastwagen notwendig, berichtete das chilenische Fernsehen. Auch der Aufbau werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenn der Bohrer aber erst einmal einsatzbereit sei, könne er viel schneller als die anderen beiden Geräte vorankommen.
Sobald einer der Rettungsschächte auf etwa 60 bis 70 Zentimeter erweitert ist, sollen die Kumpel in einer Kapsel an die Oberfläche gezogen werden. Da jede Kapsel zwischen einer halben und einer Stunde für die 700 Meter brauchen wird, soll sie mit Sauerstoff, Wasser, Lebensmitteln, Licht und einer Gegensprechanlage ausgestattet werden.
Ganz Chile verfolgt gebannt das Schicksal der Bergleute. Nach dem Einsturz ihrer Mine am 5. August hatten sie sich in eine Rettungskammer in etwa 700 Meter Tiefe geflüchtet. Erst zweieinhalb Wochen später wurden sie dort geortet. Mittlerweile werden "die 33", wie die chilenischen Medien die Männer nennen, als Helden verehrt.
Die Angehörigen der Bergarbeiter erinnerten am Sonntag mit Gesängen und aufmunternden Sprechchören an das Minenunglück vor einem Monat. Mit Golborne hissten sie auf einem Hügel in der Nähe der Mine zu Ehren der verschütteten Bergleute entsprechend ihrer Nationalitäten 32 chilenische Flaggen und eine bolivianische. Der Minister verlas begleitet von "Viva"-Rufen der Angehörigen die Namen der Kumpel.
Einige Angehörige brachen angesichts der schwierigen Lebensbedingungen der Verschütteten in Tränen aus. "Es ist schwer für mich, weil sie nicht seit einem Monat dort unten in der Mine sein sollten", sagte María Segovia, deren Bruder Darío Segovia zu den eingeschlossenen Bergarbeitern gehört. Ihm gehe es gut, "das einzige, was er will, ist so bald wie möglich herauskommen".
Zuletzt hatten sich die Kumpel darüber beklagt, dass Briefe von Angehörigen nicht zu ihnen heruntergelassen würden. Der zuständige Psychologe Alberto Iturra erklärte, es seien einfach zu viele Briefe. Den Zustand der Verschütteten bezeichnete er angesichts der schwierigen Situation als "ziemlich gut".
Quelle: dpa , AFP
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Die Aufnahmen der verschütteten Kumpel in Chile zeigen die Männer gesund und munter. zum Video