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Griechenland-Krise: Zusammenstöße bei Demonstrationen

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Polizei setzt Tränengas gegen griechische Demonstranten ein

07.02.2012, 10:08 Uhr

Bei Demonstrationen in Athen gegen die geplanten Sparmaßnahmen kam es zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und der Polizei (Quelle: Reuters)

Bei Demonstrationen in Athen gegen die geplanten Sparmaßnahmen kam es zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und der Polizei (Quelle: Reuters)

Bis zu 14.000 Menschen haben nach Polizeiangaben in Athen abermals gegen die Sparmaßnahmen der Regierung protestiert. Eine von zwei Demonstrationen mit 6000 Teilnehmern verlief friedlich, bei der zweiten mit bis zu 8000 Teilnehmern kam es vor dem Parlamentsgebäude zu Zusammenstößen mit der Polizei. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen hunderte Demonstranten vor, die die Absperrungen vor dem Gebäude durchbrechen wollten. Festnahmen oder Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.

"Wir sind hier, weil wir von der Entlassung von 15.000 Staatsbediensteten in diesem Jahr als erste betroffen sein werden", sagt der 34-jährige Vassilis Bakalis, Konservator am Byzantinischen Museum in Athen. "Wenn wir alle gefeuert sind, werden sie wahrscheinlich die Museen schließen. Wer weiß, ob sie nicht auch noch die Akropolis verscherbeln", fügt er halb im Scherz, halb im Ernst hinzu.

Rund 200 rechtsorientierte Demonstranten versuchten, den Eingang des Parlaments zu erreichen. Sie forderten mit Sprechchören die Regierung des Finanzexperten Lucas Papademos zum Rücktritt auf, wie im Fernsehen zu sehen war. Zwei der Demonstranten trugen eine deutsche Fahne und eine Fahne mit einem faschistischen Symbol. Eine Gruppe nationalistischer Demonstranten hat schließlich die deutsche Flagge verbrannt. Die Fahne trug die Aufschrift "I tan i epi tas" - eine historische Aufforderung spartanischer Mütter an ihre in den Krieg ziehenden Söhne mit der Bedeutung "Sieg oder Tod".

Während die Demonstranten aus Protest gegen die von der Gläubigertroika verlangten harten Sparmaßnahmen "Räuber, Räuber in Richtung der im Parlament versammelten Abgeordneten riefen, zog einer von ihnen eine schwarzrotgoldene Flagge hervor und setzte sie in Brand. Andere Demonstranten versuchten, eine große Hakenkreuzfahne anzuzünden, wurden daran aber von der Polizei gehindert.

Generalstreik legt öffentliches Leben teilweise lahm

Unterdessen legte ein Generalstreik landesweit den Zug- und Fährverkehr lahm. Viele Schulen und Banken blieben geschlossen, staatliche Krankenhäuser hielten nur einen Notbetrieb aufrecht. Unter dem Motto "Es reicht" riefen die beiden großen Gewerkschaftsverbände für die Privatwirtschaft und den öffentlichen Dienst ihre Mitglieder zu Streiks und Kundgebungen auf. In Athen setzten sich U-Bahnen und Busse mit Verspätung in Bewegung. Die Fährverbindungen wurden durch einen Ausstand der Seeleute behindert. Der Flugverkehr war indes nicht beeinträchtigt, da die Fluglotsen regulär arbeiteten.

Foto-Serie: Demonstration gegen griechische Sparpläne
6 Bilder von 6

Nach Verzögerungen bei den Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und ihren internationalen Gläubigern wollten die Vorsitzenden der Parteien, die die Übergangsregierung stützen, am Dienstag mit Ministerpräsident Lucas Papademos über die von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) geforderten weiteren Einkommenskürzungen und Stellenstreichungen beraten. Dazu zählt auch eine Kürzung des Mindestlohns von bislang 750 Euro. Sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeberverbände haben sich dagegen ausgesprochen. EU-Kommissionssprecher Amadeu Altafaj Tardio sagte am Montag, Griechenland habe die Frist zur Beendigung der Gespräche bereits überschritten.

Bislang stimmte die griechische Regierung den Forderungen von IWF, Europäischer Zentralbank (EZB) und EU zu, in diesem Jahr 15.000 Stellen im öffentlichen Dienst abzubauen, die Ausgaben um 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken, die Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnkürzungen und Senkung der Lohnnebenkosten zu steigern und die Kapitaldecke der griechischen Banken zu erhöhen, ohne sie zu verstaatlichen.

"Dem griechischen Volk wird ein hoher Druck auferlegt", sagte Finanzminister Evangelos Venizelos in einer Pause der Verhandlungen mit den Schuldeninspekteuren am späten Montagabend. "Griechenland zu retten wird hohe soziale Kosten und Opfer mit sich bringen", erklärte er. Sollten die Verhandlungen scheitern, würde ein Staatsbankrott aber zu noch höheren Opfern führen, sagte der Minister.

Austritt aus Eurozone wäre "keine Katastrophe"

EU-Internetkommissarin Neelie Kroes erklärte in der niederländischen Zeitung "De Volkskrant", ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone wäre keine Katastrophe. Es werde immer gesagt, dass beim Austritt eines Landes die gesamte Struktur zusammenbrechen werde. "Aber das ist einfach nicht wahr", sagte sie.

Griechenland nahm unterdessen bei einer Auktion von Staatsanleihen mit 26-wöchiger Laufzeit 812 Millionen Euro ein. Die Zinsen betrugen 4,86 Prozent, etwas weniger als bei einer ähnlichen Auktion vor einem Monat, als der Zinssatz bei 4,90 Prozent lag. Die Auktion war 2,72-fach überzeichnet.

Merkel macht Druck

In deutlichen Worten hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Montag die griechische Regierung und alle Parteien in Athen aufgefordert, die zugesagten Reformen bedingungslos umzusetzen und Forderungen der "Troika"-Kontrolleure nach weiteren Einsparungen zu erfüllen. Ansonsten blieben zusätzliche Milliarden-Hilfen weiter blockiert. "Die Zeit drängt, und deshalb muss schnell etwas geschehen", sagte die Kanzlerin.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung spricht die "Troika" in ihrem jüngsten Griechenland-Bericht von "katastrophalen Zuständen". Die Sparvorgaben seien deutlich verfehlt worden.


Quelle: dpa , AFP , dapd

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Kommentare (151)

zum Forum

Thema: "Griechenland-Krise: Zusammenstöße bei Demonstrationen"

Udo 2012 schrieb: am 7. Februar 2012 um 19:40:03
(56) (3) Griechendemo
Wenn wir eines von den Griechen lernen können, so ist es das Demonstrieren bzw. das aktive Protestieren gegen die verschuldete
Krise von oben. Der deutsche Bürger hat dafür ein zu -dickes- Fell. Wie lange noch ???
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L.L. schrieb: am 7. Februar 2012 um 19:36:51
(68) (4) Die Wirklichkeit, sieht anders aus!
Frau Merkel bläst nur heisse Luft gen Griechenland, schon in ein paar Tagen wird es heißen Griechenland
bemühe sich nun den wichtigsten Forderungen der EU zu erfüllen und, der erneuten Milliarden Hilfe, stehe nun nichts mehr im Wege. Wetten, dass bald Friede Freude Eierkuchen verbreitet wird und Griechenland da schau her, ganz plötzlich als ein zuverläßigen EU Partner hoch gejubelt wird. Verlogen Politik aus Richtung Deutschland, die über wahre EU Probleme nur, hinweg täuschen soll.
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Eduard schrieb: am 7. Februar 2012 um 19:33:44
(28) (2) Deutschland wird auch noch untergehen. Wehren wir uns dann auch
wie die Griechen die nach dieser Götterdämmerung nichts mehr zu verlieren
haben. Griechenland ist erst der Anfang einer Kette. Spanien und Italien sind die nächsten Anwärter. Portugal nicht vergessen. Deutschland soll auch noch Länder wie Polen, Bulgarien, Rumänien, Serbien etc. bedienen ibwohl es da keinen Euro gibt aber so ist das wenn Politiker ein Einig-Europa haben wollen.
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