14.03.2011, 08:58 Uhr | Von Amy Treibel und Ian Deitch, AP
Schock in der jüdischen Siedlung Itamar: Ein Polizist trägt die verhüllte Leiche eines ermordeten Kindes vom Tatort weg. (Foto: AP)
Nach der Ermordung einer fünfköpfigen Familie in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland haben sich die Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern am Wochenende deutlich erhöht. Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erteilte am Sonntag die Genehmigung zum Bau von hunderten neuen Häusern in palästinensischen Gebieten.
Der palästinensische Unterhändler Saeb Erekat verurteilte den Schritt und forderte die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf, um "einen Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt zu verhindern".
Die Genehmigung für das Bauprojekt wurde in einer nächtlichen Sitzung des Ministerkomitees für Siedlungsfragen beschlossen. Nach Angaben aus Regierungskreisen handelt es sich um insgesamt 300 bis 500 Häuser und Wohnungen. Siedlerführer Dani Dayan bezeichnete die Genehmigung als einen "sehr kleinen Schritt in die richtige Richtung".
In der jüdischen Siedlung Itamar, rund 70 Kilometer nördlich von Jerusalem, waren in der Nacht zum Samstag drei Kinder und ihre Eltern im Schlaf von einem oder mehreren Unbekannten mit einem Messer erstochen worden. Bilder im israelischen Fernsehen zeigten blutüberströmte Spielsachen im Haus der Familie. Die getöteten Kinder waren nach offiziellen Angaben elf und drei Jahre alt, eines war erst im Säuglingsalter. Eine zwölfjährige Tochter war Medienberichten zufolge zur Tatzeit nicht im Haus. Demnach hatte sie die Behörden alarmiert, als sie spät von einem Jugendtreffen zurückkam.
Nach Angaben der Behörden wurden inzwischen mehrere Verdächtige festgenommen. Die Sicherheitskräfte sind angesichts möglicher Vergeltungsschläge von jüdischen Siedlern gegen palästinensische Ziele in Alarmbereitschaft. Netanjahu rief am Samstag seine israelischen Mitbürger auf, "sich zurückhaltend zu verhalten und nicht das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen".
Israel verurteilte die Ermordung der jüdischen Siedler scharf. Die Angreifer, die in der Nacht in das Wohnhaus eingedrungen seien, würden "für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen", sagte ein Sprecher der israelischen Streitkräfte. Bei den Tätern handele es sich vermutlich um Palästinenser, die sich in die Siedlung eingeschleust hätten. Die Sicherheitskräfte sperrten den Zufahrtsbereich der Siedlung ab und wiesen Anwohner an, während der Suche nach den Angreifern in ihren Häusern zu bleiben.
"Dies ist ein schrecklicher Terrorangriff, eine gesamte Familie wurde ausgelöscht durch feige und verachtenswerte Mörder", sagte der israelische Kommandeur Avi Misrachi. Er gehe davon aus, dass die Täter schnell gefasst und bald vor Gericht gestellt werden könnten.
Zu dem Angriff bekannten sich die als weitgehend aufgelöst geltenden Al-Aksa-Märtyrerbrigaden. Ob diese tatsächlich hinter der Bluttat standen, war zunächst jedoch unklar. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte den Angriff und kündigt an, die Suche nach den Tätern mit den Sicherheitskräften der Autonomiebehörde zu unterstützen. Vertreter der Behörden des von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gazastreifens hingegen begrüßten die Bluttat.
Die Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern liegen seit Monaten auf Eis. Die Palästinenser machen weitere Verhandlungen von einem Ende des israelischen Siedlungsbaus im Westjordanland und in Ostjerusalem abhängig.
Quelle: dapd
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