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Gilad Schalit: Die Rückkehr eines Unbekannten

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Gilad Schalit: Die Rückkehr eines Unbekannten

17.10.2011, 10:06 Uhr | Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa

Gilad Schalit: Doppeltes Wandgemälde des israelischen Soldaten, der über fünf Jahre lang von der Hamas gefangen gehalten wurde. Wie sieht es in ihm aus? Das weiß niemand (Quelle: dpa)

Gilad Schalit: Doppeltes Wandgemälde des israelischen Soldaten, der über fünf Jahre lang von der Hamas gefangen gehalten wurde. Wie sieht es in ihm aus? Das weiß niemand (Quelle: dpa)

In Kürze, nämlich am Dienstag, soll das Martyrium zu Ende gehen. Der seit mehr als fünf Jahren bei der palästinensischen Hamas in Geiselhaft sitzende israelische Soldat Gilad Schalit darf nach Hause. Seine Familie ist überglücklich. Aber in die Freude mischt sich auch Angst - vor dem unbekannten Sohn.

"Die Freude ist unbeschreiblich", war eine der ersten Reaktionen von Aviva Schalit auf die Nachricht von der bevorstehenden Freilassung ihres Sohnes Gilad. Hunderte spontan herbeigeeilte Israelis drängelten sich um das Zelt, in dem sie und ihr Mann seit mehr als einem Jahr vor dem Amtssitz des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem ausgeharrt hatten. Tränen der Rührung und Erleichterung flossen, Unbekannte fielen sich in die Arme.

"1934" steht auf einem Plakat am Zelt. So viele Tage sind vergangen, seit ihr damals 19-jähriger Sohn am 25. Juni 2006 von militanten Palästinensern gefangen genommen und in den Gazastreifen verschleppt wurde. Aber die Vorfreude wird auch von Sorgen überschattet: Welche Scharten werden die Jahre der Gefangenschaft und ständigen Angst auf der Seele des jungen Mannes hinterlassen haben? "In meine Freude mischt sich eine gehörige Portion Angst. Es ist klar, dass er nicht mehr derselbe Junge sein wird, den wir losgeschickt haben", gibt Mama Aviva zu.

Ein bemühtes Lächeln

Diese Sorge ist mehr als berechtigt. Wie es dem als eher schüchtern und introvertiert beschriebenen Schalit in der Geiselhaft ergangen ist, weiß außer seinen Bewachern niemand. Das letzte Lebenszeichen war ein Video vom September 2009. Blass und hager mit dunklen Augenringen saß er da auf einem Stuhl und las einen vorgefertigten Text ab: "Ich habe schon seit langer Zeit auf meine Freilassung gehofft und gewartet", sagt er emotionslos. Seine Mine verzieht sich ein paar mal kurz zu einem bemühten Lächeln. "Ich grüße meine Familie und möchte ihnen sagen, dass ich sie liebe und den Tag herbeisehne, an dem ich sie wiedersehe", geht es monoton weiter. Zum Schluss versichert Schalit, dass ihn seine Bewacher gut behandeln würden. Wer weiß. Seither schickten die Entführer kein Lebenszeichen mehr.

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In den Medien tauchten immer mal wieder Berichte mit angeblichen Details über seine Geiselhaft auf. Er werde im Keller eines mit Sprengfallen gespickten Hauses in der Nähe des Grenzüberganges Rafah zu Ägypten festgehalten, hieß es etwa vor einigen Jahren. Zwei Bewacher seien für ihn zuständig, zu denen er eine freundliche Beziehung aufgebaut habe. Ob diese Berichte etwas mit der Wahrheit zu tun hatten, wird sich erst zeigen, wenn Schalit frei ist.

Ungewissheit und Angst

Andere Langzeitgeiseln wie die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt berichteten von den Qualen ihrer Gefangenschaft. Am schlimmsten sei die Ungewissheit und Angst, umgebracht zu werden, sagte die 2008 nach mehr als sechs Jahren aus der Gewalt der marxistischen FARC-Rebellen befreite Frau. Auch andere FARC-Geiseln berichteten von Phasen tiefer Depressionen, wenn sie sich von Gott und der Welt verlassen wähnten. Aus diesem Gefühl größter Einsamkeit und der Abhängigkeit vom Wohlwollen der Bewacher entwickelt sich bei manchen Geiseln eine Sympathie mit den Peinigern.

Auch der Weg zurück in das normale Leben ist für viele Ex-Geiseln sehr schwer. Ehen und Freundschaften zerbrechen, dem anfänglichen Medienrummel folgt eine zweite Einsamkeit, nun in Freiheit. Gilad Schalits Familie will versuchen, ihrem Sohn wieder Mut und Freude am Leben zu geben. Ihr Haus in dem malerischen Dorf Mitzpe Hila im Norden Israels haben die Eltern nach den langen Jahren des Kampfes um ihren Sohn wieder hergerichtet. Sie haben geputzt, gemalt, den Rasen gemäht und die wuchernden Bäume beschnitten - ein kleines Paradies nach mehr als fünf Jahren im Keller.


Quelle: dpa

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