Ganz schön was los in so einer Sternenfabrik. Dieses Bild hat das Weltraumteleskop "Hubble" 2007 im Carina-Nebel geschossen (Foto: dpa)
Heidelberger Astronomen haben eine gigantische Sternenfabrik im jungen Universum aufgespürt. In dem knapp 13 Milliarden Lichtjahre entfernten kosmischen Kreißsaal werden pro Jahr rund 1000 Sonnen geboren, hat die Gruppe um Fabian Walter vom Max-Planck-Institut für Astronomie herausgefunden und im britischen Fachjournal "Nature" darüber berichtet.
Zum Vergleich: In der gesamten Milchstraße, unserer eigenen Galaxie, entsteht nur etwa eine neue Sonne pro Jahr. Die Entdeckung könnte nach Ansicht der Forscher erklären, wie sich bei Galaxien der zentrale Bauch ausbildet.
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An der Obergrenze des Möglichen
Die Sternproduktion in der fernen, jungen Galaxie läuft nach Angaben der Forscher an der Obergrenze des physikalisch Möglichen. "In unserer Milchstraße finden sich solche extremen Verhältnisse nur in ungleich kleineren Regionen, beispielsweise in Teilen des Orion-Nebels", erläuterte Walter. "Aber was wir beobachtet haben, entspricht einer Ansammlung von 100 Millionen Orion-Regionen."
Aus einer weit entfernten Zeit
Wegen der enormen Entfernung stammt das Licht der fernen Sternenfabrik aus einer Zeit, als das Universum erst ein Sechzehntel seines heutigen Alters hatte - nicht einmal eine Milliarde Jahre. Schon frühere Messungen hatten gezeigt, dass in den jungen Galaxien damals beachtliche Mengen Sterne entstanden sind. Doch mit der neuen Beobachtung konnten die Astronomen erstmals die Größe eines solchen Sternentstehungsgebiets aus der kosmischen Frühzeit vermessen. Das war nicht ganz einfach, denn trotz ihres Durchmessers von 4000 Lichtjahren erscheint die produktive Zentralregion der fernen Galaxie J1148+5251 am irdischen Firmament nur so groß wie eine Ein-Euro-Münze aus 18 Kilometern Entfernung.
Wissenschaftler sind überrascht
Das Ergebnis überraschte die Forscher, denn gemessen an der reichhaltigen Sternproduktion ist das Gebiet recht klein. Sterne entstehen, wenn Gas- und Staubwolken unter der eigenen Schwerkraft zusammenstürzen und sich dabei aufheizen. Doch die dabei entstehende Strahlung treibt die Wolken auseinander und erschwert so die Bildung weiterer Sterne. Daraus ergibt sich eine Obergrenze dafür, wie viele Sterne in einer Raumregion pro Jahr überhaupt entstehen können.
Bedeutung im theoretischen Streit
Das ist für die Theorie der Galaxienentstehung von Bedeutung. Die Astronomen schließen daraus, dass die Sternentstehung bei der beobachteten jungen Galaxie in einem kleinen Kerngebiet begonnen hat und nicht wie alternativ vermutet zugleich in der gesamten Galaxie abgelaufen ist. Die Sternansammlung entsteht bei ihr offensichtlich von innen heraus. Erst im Laufe der Zeit wächst der mit Sternen gefüllte Zentralbereich etwa durch Kollisionen und Verschmelzungen mit anderen Galaxien und erreicht die ungleich größere Ausdehnung, die für ältere Galaxien charakteristisch ist.
Fachartikelnummer DOI: 10.1038/nature07671; "Nature", Bd. 457, S. 699