Türken sind laut einer Studie sozial besser vernetzt und ertragen Armut besser als Deutsche (Foto: ddp)Türken in benachteiligten Stadtteilen kommen einer Studie der Uni Köln zufolge besser mit Armut zurecht als ihre deutschen Nachbarn. Die befragten Deutschen in sozialen Brennpunkten hätten größere Probleme, ihren Alltag zu meistern, ernährten sich schlechter und hielten ihre Wohnungen weniger sauber.
Das ergab eine Befragung von 707 deutschen und 239 türkischen Bewohnern 2004 und 2006 im Kölner Stadtteil Vingst/Höhenberg.
Kleineres soziales Netzwerk, weniger Freunde
Die Untersuchung habe auch ergeben, dass die befragten deutschen Empfänger von Sozialhilfe oder anderen staatlichen Zahlungen über ein kleineres soziales Netzwerk verfügten und weniger Freunde hätten. Bei den türkischen Bürgern habe "die Tatsache, Sozialhilfe zu beziehen, keinen solchen negativen Einfluss auf die Bewältigung ihres Alltags", berichtete er Soziologe Jürgen Friedrichs von der Universität Köln. Es habe sich klar gezeigt, dass man am besten mit mehr Arbeitsplätzen helfen könne. "Arbeit strukturiert auch den Tag und gibt Selbstachtung", sagte der Mitautor der Studie.
Kriminalität und "abweichendes Sozialverhalten" - etwa Prügeleien unter Jugendlichen oder Schläge von Eltern gegen ihre Kinder - werden von deutschen Sozialhilfeempfängern zudem eher akzeptiert als von türkischen. Das habe eine weitere Untersuchung in vier Kölner Brennpunkten ergeben, sagte Friedrichs. Als Grund nannte er eine bei den Türken engere Bindung an die Religion und eine daraus resultierende konservativere Einstellung. Die türkischen Bewohner trügen zur Stabilisierung der Problem-Viertel bei.
Erste Untersuchung dieser Art
Die erste umfassende Untersuchung dieser Art unter zwei Nationalitäten - unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) - lasse Rückschlüsse auch auf andere Städte Deutschlands zu, meinte Friedrichs: "Ich sehe wenig Gründe, warum das in anderen Städten anders sein sollte."