01.12.2011, 16:35 Uhr
Darf seinen Doktortitel behalten: der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (Quelle: dapd)
Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann darf seinen Doktortitel behalten. Die Plagiatsvorwürfe gegen den CDU-Politiker seien nicht belegt, teilte die Universität Potsdam mit. Das Verfahren werde deshalb eingestellt. Eine Untersuchungskommission der Uni hatte sich monatelang mit der umstrittenen Dissertation des 44-Jährigen beschäftigt, der derzeit Präsident der Kultusministerkonferenz ist.
Zwar enthalte die Arbeit eine Vielzahl formaler Mängel, eine Täuschung sei dem Kultusminister aber nicht vorzuwerfen, erklärte Tobias Lettl, Vorsitzender der Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens. So habe Althusmann nicht gegen das Urheberrecht verstoßen. Den Beschluss fasste das Expertengremium einstimmig.
Althusmann hatte seine 2007 eingereichte Dissertation über Prozesse in der öffentlichen Verwaltung neben seiner politischen Arbeit als Landtagsabgeordneter verfasst. Die Arbeit war mit der schlechtesten Note "rite" (genügend) bewertet worden. Anders als andere ranghohe Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die als Abschreiber überführt wurden, übersteht Althusmann die Affäre damit unbeschadet.
Der Schummel-Verdacht gegen den Minister war im Juli durch einen Zeitungsbericht öffentlich geworden. Anonyme Plagiatsjäger warfen Althusmann vor, in der Arbeit fremde Gedanken als eigene ausgegeben zu haben. Der CDU-Politiker und Betriebswirt räumte daraufhin handwerkliche Fehler beim Zitieren ein, bestritt aber stets eine bewusste Täuschung.
Die Uni Potsdam übte auch Selbstkritik. Zu den Schwächen der Arbeit sagte der Vorsitzende der Kommission: "Insgesamt handelt es sich um Mängel von erheblichen Gewicht. Zu ihrer Vermeidung hätten die Gutachter die Dissertation genauer prüfen und weitere Maßnahmen ergreifen müssen, zumal diese Verstöße zumindest teilweise ohne weiteres erkennbar waren." Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Hochschule will aus der Affäre lernen und Doktoranwärter bei der Promotion künftig besser betreuen.
Der Chef des Experten-Gremiums informierte Althusmann erst am Donnerstag telefonisch über die Ergebnisse. Die CDU- und FDP-Fraktionen im niedersächsischen Landtag forderten daraufhin eine Entschuldigung der Opposition. SPD, Grüne und Linke sehen aber immer noch den Ruf des Ministers beschädigt. Er gebe ein schlechtes Vorbild für Lehrer und Schüler ab.
Für die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt, bleibt auch nach Einstellung der Plagiat-Affäre gegen Althusmann "ein mulmiges Gefühl zurück". Die Erklärung der Promotionskommission der Universität Potsdam lese sich "wie ein Freispruch zweiter Klasse", erklärte die SPD-Politikerin.
"Ein Regierungsmitglied, das es nicht so genau nimmt mit den Qualitätsstandards wissenschaftlichen Arbeitens, ist und bleibt ein schlechtes Vorbild für die Gesellschaft und öffnet Vorurteilen gegen Wissenschaft und Politiker Tür und Tor", schreibt Burchardt. Auch habe Althusmann mit seiner Weigerung, sein Amt als Chef der Kultusministerkonferenz während des Prüfverfahrens ruhen zu lassen, das Vertrauen der Wissenschaft in eines der höchsten Gremien der deutschen Bildungspolitik leichtfertig aufs Spiel gesetzt.
Quelle: dpa
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