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Geschichte: Wie Kapitän Burnett die "Sydney" ins Desaster lenkte

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Wie Kapitän Burnett die "Sydney" ins Desaster lenkte

13.08.2009, 19:01 Uhr | mbe/AP, Spiegel Online

Die Schiffsschraube der "Sydney" (Foto: AP) Die Schiffsschraube der "Sydney" (Foto: AP)

Das tragische Ende der "HMAS Sydney" war ein nationales Trauma für Australien. 1941 sank das Schiff nach Beschuss durch die deutsche "Kormoran" - einem Hilfskreuzer, dem sie weit überlegen war. Jetzt kam eine Kommission zu dem Schluss: Die Schuld am Debakel trägt der Kapitän.

169 Meter lang, 32 Knoten schnell, acht 15-Zentimeter-Geschütze als Hauptbewaffnung, 72.000 PS: Die "HMAS Sydney" war eines der schlagkräftigsten Schiffe Australiens im Zweiten Weltkrieg.

Auch die "Kormoran" sank

Umso größer war der Schock in dem Land, als der Kreuzer - der sich zuvor in mehreren Seeschlachten bewährt hatte - am 19. November 1941 versenkt wurde. Und das ausgerechnet von einem deutschen Hilfskreuzer, einem umgebauten Handelsschiff. Alle 645 Besatzungsmitglieder der "Sydney" starben. Von den 397 Seeleuten der "Kormoran", die in dem Gefecht ebenfalls schwer beschädigt wurde und sank, überlebten 316.

Wracks im März entdeckt

Erst im März 2008 hat eine Expedition der "Finding Sydney Foundation" die Wracks der beiden Schiffe entdeckt - in der Zwischenzeit waren wilde Verschwörungstheorien um den Verlauf des Kampfs entstanden. Die australische Regierung beauftragte eine Untersuchungskommission mit der Klärung der "Sydney"-Katastrophe, dem bis heute schlimmsten Schiffsunglück in der Geschichte Australiens. Jetzt hat das Gremium seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Unter falscher Flagge

Der Report bestätigt im Großen und Ganzen, was sich aus der Untersuchung der Wracks und der Berichte der Überlebenden ergeben hatte: Die "Sydney" entdeckte die "Kormoran", die sich als das holländische Handelsschiff "Straat Malakka" getarnt hatte, etwa 800 Kilometer nördlich von Perth. Als sie sich auf rund einen Kilometer genähert hatte, hissten die Deutschen ihre Flagge und eröffneten das Feuer aus sechs 15-Zentimeter-Geschützen. Vermutlich entschied schon die erste Salve die Schlacht: Sie zerstörte die Brücke und den Feuerleitstand der "Sydney". Wenig später hatte es drei der vier Hauptgeschütztürme erwischt.

Besatzung musste Schiff sprengen

Dennoch konnte die "Sydney" das Feuer erwidern. Sie schoss unter anderem den Maschinenraum der "Kormoran" in Brand, wie einer der letzten noch lebenden Seemänner des Hilfskreuzers im vergangenen Jahr auf "Spiegel-Online" bestätigte. Die Besatzung musste das Schiff später aufgeben und sprengen. Die "Sydney" hatte allerdings weit schwerere Schäden davongetragen. Noch stundenlang, so berichteten die Deutschen später in australischer Kriegsgefangenschaft, sei der Feuerschein der brennenden "Sydney" am Horizont zu sehen gewesen.

Warum konnte sich niemand retten?

Es war das erste und es blieb das einzige Mal, dass ein Hilfskreuzer ein reguläres Kriegsschiff versenkte. Die Aussagen der Überlebenden ließen wichtige Fragen offen: Warum konnte sich kein Besatzungsmitglied des leichten Kreuzers retten, obwohl das Schiff noch stundenlang an der Oberfläche trieb? Und warum agierte ein so erfahrener Kommandant wie Captain Joseph Burnett derart unvorsichtig?

Kapitän wandte falsche Vorschrift an

Die Gründe für Burnetts Verhalten konnte auch die Untersuchungskommission unter dem Juristen Terence Cole nicht klären. Die "Sydney" habe sich "in einer Art und Weise verhalten, wie es von einem australischen Kriegsschiff unter einem kompetenten und erfahrenen Offizier nicht zu erwarten war", heißt es in dem Bericht. Burnett habe die Vorteile der überlegenen Feuerkraft und Geschwindigkeit seines Schiffs aufgegeben, indem er sich der "Kormoran" bis auf einen Kilometer genähert habe. Burnett habe damit das Marine-Protokoll angewandt, das für unverdächtige fremde Schiffe gegolten habe - anstatt die für ein verdächtiges Schiff vorgeschriebene Prozedur zu befolgen.

Unerklärliche Entscheidung

Zudem habe Burnett gewusst, dass ein getarntes deutsches Kriegsschiff in seiner Nähe sein könnte. Auch habe es im Umkreis von 500 Kilometern keine nicht-feindlichen Handelsschiffe gegeben. Das mache Burnetts Entscheidung, das gesichtete Schiff als "anscheinend unverdächtig" zu behandeln, "nahezu unerklärlich", sagte Cole am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts. Burnett hatte demnach allerdings kaum Zeit, seinen Fehler zu bereuen: Er sei vermutlich unter den ersten Toten des Gefechts gewesen, als die "Kormoran" die Brücke der "Sydney" in Stücke schoss. Wahrscheinlich seien 70 Prozent von Burnetts Mannschaft gefallen, ehe die "Sydney" schließlich sank.

Torpedo traf den Bug

Die Fotos, die ein Tauchroboter im März 2008 vom Wrack der "Sydney" schoss, hatten die Angaben der überlebenden Deutschen bereits untermauert. Zu sehen war unter anderem ein Einschussloch in einem der Geschütztürme an Deck. Ein weiteres Bild zeigte Beschädigungen an einem weiteren Geschützturm. Die Kanonen der "Sydney" zeigten noch immer nach Backbord - wie zu dem Zeitpunkt, als sie die "Kormoran" im Visier hatten. Ebenfalls gut zu erkennen war auf den Fotos, dass die Brückensektion der "Sydney" stark beschädigt wurde. Vom Bug fehlte ein Stück von 25 Metern Länge - ungefähr an der Stelle, wo nach den Berichten der "Kormoran"-Besatzung ein Torpedo eingeschlagen sein soll.

Keine Hinweise auf Nachlässigkeiten

Trotz seines schwer nachvollziehbaren Verhaltens wollte die Kommission nicht den Stab über Burnett brechen. "Auch wenn ich überzeugt bin, dass Captain Burnett Fehler in der Beurteilung der Lage begangen hat, konnte ich keine Hinweise auf Nachlässigkeit finden", erklärte Cole. "Man kann nicht sagen, wie sich andere in der gleichen Situation verhalten hätten.


mbe/AP, Spiegel Online  

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