01.11.2010, 11:46 Uhr
Nach der blutigen Geiselbefreiung in Bagdad trauern Menschen um die Opfer (Foto: AP) (Quelle: AP)
Bei einer blutigen Geiselnahme in einer irakischen Kirche sind in der Nacht zum Montag 55 Menschen ums Leben gekommen. 50 Christen seien in der Sajjidat-al-Nadscha-Kirche getötet worden, hieß es. Mit ihnen starben fünf Geiselnehmer.
Islamistische Terroristen hatten die Kirche am Sonntagabend während eines Gottesdienstes überfallen. Die Polizei versuchte vergeblich, die Christen zu befreien. Als sie die Kirche in Bagdads Karrade-Viertel stürmten, zündeten die Terroristen ihre Sprengstoffgürtel. Die Agentur Sumeria News meldete, 70 Menschen hätten Verletzungen erlitten. Unbestätigten Angaben zufolge sollen auch Angehörige der Sicherheitskräfte unter den Opfern sein.
Berichten zufolge begann der Alptraum für die Besucher der Abendmesse der syrisch-katholischen Kirche, als auf der Straße vor dem Gotteshaus eine Autobombe detonierte. Kurz darauf explodierte ganz in der Nähe ein weiterer Sprengsatz und mehrere schwer bewaffnete Geiselnehmer stürmten in die Kirche. In einigen Berichten war von fünf, in anderen von acht Geiselnehmern die Rede. Die Terroristen trieben die Gläubigen in ein kleines Zimmer, dessen Türen und Fenster sie verrammelten. Dann sei der Strom ausgefallen, hieß es.
Verteidigungsminister Abdel Kader al-Obeidi hatte die Befreiungsaktion zunächst als "erfolgreiche Operation" bezeichnet. Er sprach außerdem von einer "begrenzten Anzahl von Opfern". Der Minister betonte, es sei unbedingt notwendig gewesen, schnell zu handeln, da die Terroristen beabsichtigt hätten, möglichst viele Geiseln zu töten.
Kurz nach Beginn der Geiselnahme tauchte auf islamistischen Websites ein Bekennerschreiben im Namen der Gruppe Islamischer Staat im Irak auf, einem lokalen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Darin wird ein Zusammenhang zwischen der Geiselnahme und dem Fall einer jungen Ägypterin hergestellt, von der Muslime behaupten, sie sei zum Islam übergetreten und werde nun von der koptischen Kirche Ägyptens festgehalten. Für die Echtheit dieses etwas merkwürdig formulierten Bekennerschreibens gab es keinen Beweis.
Im Irak lebten vor der US-Invasion vom Frühjahr 2003 rund 1,5 Millionen Christen. Mehr als die Hälfte von ihnen ging seither ins Exil, um der Verfolgung durch Terroristen zu entgehen. "Wir Christen sind im Irak zu einer leichten Beute für die bewaffneten Gruppen geworden", klagt Samir Edward aus Bagdad. Wie der 47 Jahre alte Besitzer eines Handelsunternehmens fühlen sich viele Christen von ihrem Staat im Stich gelassen. Vor den Kirchen von Bagdad standen am Montag zahlreiche Polizisten Wache.
Quelle: dpa
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Dutzende Menschen sterben bei der Beendigung einer Geiselnahme in Bagdad. zum Video