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Geiselnahme im Taj-Mahal-Hotel beendet

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Geiselnahme im Taj-Mahal-Hotel beendet

28.11.2008, 07:45 Uhr

Indische Sicherheitskräfte vor dem Taj-Mahal-Hotel in Bombay (Foto: Reuters) Indische Sicherheitskräfte vor dem Taj-Mahal-Hotel in Bombay (Foto: Reuters)Die Geiselnahme im Luxushotel Taj Mahal in Bombay ist nach mehr als 24 Stunden gewaltsam zu Ende gegangen. Die letzten drei Extremisten in dem Gebäude seien erschossen worden, teilte ein Behördensprecher mit. Die Zahl der Toten bei den Terrorangriffen in der indischen Metropole sei inzwischen auf mindestens 119 Menschen gestiegen. Unter den Toten seien acht Ausländer. Andere Quellen berichten von 125 Toten. In dem ebenfalls von Terroristen besetzten Hotel Oberoi-Trident war die Situation am späten Donnerstagabend noch unklar.

Nach Einbruch der Dämmerung führten Soldaten mehrere Dutzend Gefangene aus dem Oberoi-Trident ins Freie. Ein polnischer Hotelgast sagte, er habe in dem Hotel viele Tote gesehen.

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Von Zimmer zu Zimmer

Nach Angaben des Nachrichtensender NDTV sollen sich im Oberoi-Trident weiterhin rund 100 Menschen aufhalten, von denen 35 in der Gewalt der Terroristen seien. Elite-Einheiten würden Zimmer für Zimmer durchkämmen, um die Geiseln zu befreien.

Feuer im Oberoi-Trident

Polizisten und Soldaten hatten über den ganzen Tag versucht, die beiden von Terroristen besetzten Hotels unter Kontrolle zu bringen. Es kam zu mehreren schweren Explosionen. Im Oberoi-Trident brach zudem ein Feuer aus. Aus beiden Gebäuden waren immer wieder Schüsse zu hören.

Auch Israelis in der Gewalt der Terroristen

Indische Medien berichteten, eine weitere Gruppe Terroristen habe sich derweil im Nariman-Gebäude verschanzt und eine vierköpfige jüdische Familie als Geiseln genommen. In dem Gebäude ist ein jüdisches Gemeindezentrum. Die israelische Botschaft in Neu Delhi teilte mit, insgesamt seien zehn bis 15 Israelis in der Gewalt von Terroristen, zu weiteren 25 habe man keinen Kontakt herstellen können. Nach Angaben indischer Sicherheitsbehörden seien am Abend sieben Geiseln aus dem Gebäudekomplex befreit worden. Über die Nationalität der befreiten Geiseln war zunächst nichts bekannt.


Quelle: dpa Quelle: dpa

Deutscher unter den Toten

Derweil wurde bekannt, dass bei den Anschlägen auch ein Deutscher ums Leben kam: Der Münchner Medienunternehmer Ralph Burkei sei unter den Toten, teilte am Donnerstag sein Mitgesellschafter Ralph Piller in München mit. Er bestätigte damit einen Bericht der Münchner "Abendzeitung". Burkei sei bei dem Versuch, sich aus dem Hotel Taj Mahal zu retten, abgestürzt und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Burkei war ehemaliger Vizepräsident des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München und ehemaliger Schatzmeister der Münchner CSU.

"Ich habe mir alle Knochen gebrochen"

Piller sagte der Zeitung: "Der Ralph wollte über die Hotel-Fassade flüchten und ist dann abgestürzt. Burkei hat dann noch auf dem Vordach liegend (einen Freund in München) angerufen und ihm gesagt: 'Ich habe mir alle Knochen gebrochen. Wenn mir jetzt keiner hilft, dann schaffe ich es nicht mehr." Außenminister Frank-Walter Steinmeier konnte weitere Deutsche unter den Opfern bis zum Abend noch nicht ausschließen.

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Dschihadisten suchten Briten und Amerikaner

In der Nacht zum Donnerstag hatten Gruppen schwer bewaffneter Angreifer nicht nur die zwei Hotels gestürmt, sondern auch ein beliebtes Restaurant, Krankenhäuser und den Hauptbahnhof angegriffen. Augenzeugen zufolge suchten die Angreifer gezielt Briten und Amerikaner. Im Taj Mahal hätten sie gerufen: "Wer hat amerikanische oder britische Pässe?" sagte der Brite Ashok Patel, der aus dem Hotel entkam.

Deutsche Abgeordnete unverletzt

Im Taj Mahal wohnte auch eine europäische Parlamentariergruppe - darunter die deutschen Abgeordneten Daniel Caspary (CDU) und Erika Mann (SPD). Sie entkamen wie ihre Parlamentskollegen unverletzt. Caspary sagte, alle seine Kollegen und Mitarbeiter seien in Sicherheit, einige seien auf "abenteuerlichen Wegen" aus dem Hotel entkommen. Die Menschen seien durch Küchen und Keller geflohen, in unmittelbarer Nähe habe es Schießereien gegeben.

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Bislang unbekannte Terrorgruppe

Zu den Angriffen hat sich eine bislang nicht in Erscheinung getretene muslimische Gruppe namens "Deccan Mudschaheddin" bekannt. Für mehrere Anschläge unter anderem in der Hauptstadt Neu Delhi hatte in den vergangenen Monaten eine Gruppe namens "Indische Mudschaheddin" die Verantwortung übernommen. Unklar ist, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Gruppen gibt. Polizeichef Roy sagte: "Wir werden die Terroristen entweder lebend fangen oder sie erschießen." Die Terrorserie sei von langer Hand geplant gewesen und beispiellos. "Dies ist ein Angriff auf das ganze Land."

Freilassung aller Islamisten gefordert

Die Attentäter haben die Freilassung aller in Indien inhaftierten Islamisten gefordert. Die Muslime in Indien sollten nicht länger verfolgt werden, sagte einer der im Hotel "Oberoi Trident" verschanzten Angreifer in einem Telefongespräch mit dem Fernsehsender India TV. Im Namen der Organisation "Deccan Mujahedeen" forderte er, alle in indischen Gefängnissen sitzenden radikalen Muslime freizulassen.

Tophoven: Bislang unbekannte Professionalität

Der Terrorexperte Rolf Tophhoven sagte t-online.de, ein direktes Ziel der Aktion sei nicht zu erkennen. Die Forderung, alle inhaftierten Islamisten freizulassen, könne die indische Regierung gar nicht erfüllen. Das wahre Ziel sei wohl vor allem die Verunsicherung der indischen Gesellschaft. Angriffe in "dieser Perfektion und Professionalität" seien in Indien neu. Die taktische Vorgehensweise der Terroristen - vor allem die Gleichzeitigkeit der Anschläge - deute zwar auf eine militärische Ausbildung der Täter hin, wie sie das Terrornetzwerk Al-Kaida anbiete. "Es ist aber mit Sicherheit nicht Al-Kaida", sagte Tophoven.

Al-Kaida-Beteiligung nicht ausgeschlossen

Der Heidelberger Politikwissenschaftler und Indien-Experte Subrata K. Mitra betonte, Aktionen wie die in Bombay hätten Terroristen schon öfter versucht. Im Gegensatz zu Tophoven wollte Mitra weder eine Beteiligung von Al-Kaida, noch von Teilen des pakistanischen Geheimdienstes ISI ausschließen.

Premier Singh warnt Nachbarstaaten

Der indische Premierminister Manmohan Singh geht davon aus, dass die Terroristen ihre Basis im Ausland haben. Er warnte die Nachbarländer der Atommacht, man werde es nicht dulden, wenn von ihrem Territorium aus Anschläge auf Indien verübt würden. "Wenn keine angemessenen Maßnahmen von ihnen ergriffen werden, wird das seinen Preis haben", betonte er in einer Ansprache an die Nation.

Vorwürfe gegen Pakistan

Ein ranghoher Militär-Vertreter des Landes erklärte, dass die Angreifer aus Pakistan stammten. Wie die Nachrichtenagentur Press Trust of India am Abend unter Berufung auf amtliche Angaben meldete, nahmen Sicherheitskräfte im Taj-Mahal-Hotel drei Männer fest, darunter einen Pakistaner. Sie sollen der in Pakistan ansässigen Rebellengruppe Lashkar-e-Taiba angehören, die für die Unabhängigkeit Kaschmirs kämpft. Ein Sprecher bestritt aber eine Beteiligung seiner Gruppe.

Indien stoppt pakistanische Handelsschiffe

Pakistan forderte Indien auf, sich mit Schuldzuweisungen zurückzuhalten. "Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass man mit voreiligen Schlussfolgerungen vorsichtig sein muss", sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi. Am Abend stoppte die indische Marine Berichten zufolge zwei pakistanische Handelsschiffe. Die Marine vermutet, dass die Angreifer auf dem Seeweg nach Bombay gekommen sind.


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Quelle: t-online.de , AFP , dpa , dapd

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