21.05.2010, 15:17 Uhr | AFP, APN
Räumt nach anhaltender Kritik seinen Posten: US-Geheimdienstkoordinator Dennis Blair (Foto: Reuters)
Unter dem Druck des Weißen Hauses hat der oberste Geheimdienstler der USA seinen Rücktritt angekündigt. Dennis Blair, der die 16 Geheimdienste des Landes koordiniert, teilte nach einem Treffen mit Präsident Barack Obama mit, dass er sein Amt niederlegen werde. Blair war vor allem nach dem versuchten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug Ende vergangenen Jahres in die Kritik geraten.
Er habe Obama mit "tiefem Bedauern" darüber informiert, dass er sein Amt als Nationaler Geheimdienstdirektor am 28. Mai niederlegen werde, teilte Blair nach einem Besuch im Weißen Haus in Washington mit. Es habe für ihn keine größere Ehre gegeben als die "außergewöhnlich begabten und patriotischen Männer und Frauen der Geheimdienste" zu führen. Blair, ein Admiral im Ruhestand, hatte das Amt seit Januar 2009 inne.
Aus Kreisen des Kongresses verlautete, bei dem Treffen mit Obama sei klar geworden, dass Blair das Vertrauen des Präsidenten verloren habe. Obama würdigte die Leistung von Blairs Behörde DNI, die unter seiner Leitung "bewundernswert und effektiv in Zeiten großer Herausforderungen für unsere Sicherheit" gearbeitet habe.
In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Spekulationen über das sinkende Vertrauen des Weißen Hauses in Blair gegeben. Um nach dem Anfang Mai nur knapp vereitelten Terroranschlag auf den New Yorker Times Square die geheimdienstliche Zusammenarbeit mit den pakistanischen Behörden zu verbessern, hatte Obama jüngst CIA-Direktor Leon Panetta und seinen Nationalen Sicherheitsberater, James Jones, nach Pakistan entsandt - nicht jedoch Blair, den nominell obersten Geheimdienstler des Landes. Zudem hatten US-Medien wiederholt über ein mutmaßliches Zerwürfnis zwischen Panetta und Blair berichtet.
Besonders in die Kritik geraten war Blair jedoch nach dem gescheiterten Anschlagsversuch des Nigerianers Umar Farouk Abdulmutallab auf ein US-Passagierflugzeug im Landeanflug auf Detroit am ersten Weihnachtstag des vergangenen Jahres. Obama hatte anschließend "katastrophale" Pannen seiner Sicherheitsbehörden eingeräumt und von "Fehlern im System" gesprochen.
Der Präsident kritisierte, dass die US-Geheimdienste die vorab vorliegenden Informationen zu dem Anschlagsversuch nicht richtig "verbunden und verstanden" hätten. Ihnen sei die extremistische Gesinnung des verhinderten Attentäters bekannt gewesen. Auch nach der Schießerei auf dem US-Stützpunkt Fort Hood Anfang November, bei der ein palästinensischstämmiger Major um sich geschossen und dabei 13 Menschen getötet hatte, sahen sich die US-Geheimdienste der Kritik ausgesetzt, Hinweise übersehen zu haben.
Die 16 Geheimdienste der USA gelten als ebenso gigantischer wie schwerfälliger Apparat mit insgesamt 200.000 Mitarbeitern. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde der Posten des Nationalen Geheimdienstdirektors (DNI) neu geschaffen. Der Geheimdienstkoordinator überwacht die Dienste und koordiniert vor allem Anti-Terror-Maßnahmen der US-Bundespolizei und des nach 2001 geschaffenen Heimatschutzministeriums. Dem Geheimdienstkoordinator direkt unterstellt ist das Nationale Zentrum für Terrorismusbekämpfung (NCTC), in dem alle Informationen über Terrordrohungen gesammelt und analysiert werden sollen.
Für die Nachfolge Blairs gab es offenbar bereits mit mehreren Kandidaten Bewerbungsgespräche. Mögliche Kandidaten seien unter anderen Obamas Heimatschutz- und Anti-Terror-Berater John Brennan sowie der Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium James Clapper. Aufgabe des Koordinators ist es, die Arbeit der insgesamt 16 US-Geheimdienste zu beaufsichtigen.
Quelle: AFP , dapd
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