31.01.2008, 15:48 Uhr | Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa
Spanische Gärtner nennen ihn auch die "rote Plage": der Palmrüssler (Quelle: dpa)Er ist fast daumengroß, lebt versteckt und frisst meterlange Gänge durch seine Lieblingsspeise. Vor allem auf die kanarische Dattelpalme hat es der Käfer abgesehen, dessen Appetit für die Pflanzen tödlich ist. Tausende von Palmen sind im Urlaubsland Italien bereits das Opfer einer Käferinvasion geworden, die inzwischen von Ligurien bis Sizilien den Gemeinden und ihren Fachleuten für Pflanzen und Gärten Kopfzerbrechen bereitet. Vom "Palmen-Killer" ist die Rede. Und der landesweite Alarm ist besonders schrill, weil es bisher kein geeignetes Abwehrmittel gegen diesen Übeltäter zu geben scheint. Er trägt den hübschen Namen Roter Palmrüssler. Aber er ist ein Parasit - und ein tödlicher dazu. Italien bangt um sein mediterranes Image.
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Plage kommt von weit her
Botaniker, Gärtner und Landwirte sehen durch die "rote Plage" die stattlichen Palmen vor allem in Kampanien, in der Gegend um Rom und in Apulien in Gefahr. Wie weiland im Mittelalter die Pest komme das Übel mit dem lateinischen Namen Rhynchophorus ferrugineus von recht weit her. Der Rüsselkäfer ist in Südostasien beheimatet und hatte auch schon die Kanaren und Spaniens Süden heimgesucht. Sein Einfall in Europa hat mit der Globalisierung zu tun, denn der Käfer kommt mit Pflanzen-Importen in der Alten Welt an. Aus Melanesien im Pazifischen Ozean stamme das Tier, das in Italien ein "einzigartiges Naturerbe" bedrohe, hielt die römische Zeitung "La Repubblica" fest.
In Spanien hat es der Parasit besonders auf die Kanarische Dattelpalme abgesehen (Quelle: dpa)
Käfer frisst Palme von innen auf
Und so geht der Rüsselkäfer vor: Im Palmenstamm frisst er, oben beginnend, seine langen Gänge. Wenn man sieht, was er anrichtet, ist es meist zu spät. Die Palmwedel werden gelb, die Pflanze stirbt. Der gefräßige Käfer kann kilometerweit fliegen und dann in eine noch gesunde Palme Hunderte von Eiern legen. Die Larven bauen sich aus Palmfasern einen Kokon. Und das ist einer der wenigen Punkte, wo der Kampf gegen den "Palmen-Killer" ansetzen kann, denn bioakustischen Geräten gelingt es, die Fraßgeräusche der Larven zu entlarven. Dann muss die Palme gefällt und vernichtet werden, um andere zu schützen.
Höchste Alarmstufe
"Wir können es nicht zulassen, einfach so einen wichtigen Teil unserer Landschaft zu verlieren", klagt Claudio Littardi von dem in San Remo angesiedelten Palmen-Forschungszentrum - allein in Ligurien stehen mehr als 200.000 prächtige Bäume. Die höchste Alarmstufe hat bereits die "Eppo" abgekürzte Organisation zum Schutz mediterraner und europäische Pflanzen ausgerufen. Überall in den historischen und öffentlichen Parks, Alleen und Gärten werden Palmen besorgt geprüft.
Schon hunderte Palmen vernichtet
Ein richtiges Mittel gibt es nicht. "Wenn es die Palme erwischt hat, ist sie geliefert, wir können dann nur die weitere Ausbreitung eindämmen", erläutert der Forstwissenschaftler Stefano Colazza. So starben in Latium und in Apulien bereits jeweils Hunderte von Palmen als Opfer des roten Rüsslers. Schädlingsbekämpfungsmittel gegen den Rüssler einzusetzen, kommt einer chemischen Keule gleich, mit Folgen für die übrige Fauna. Röntgenstrahlen und Duftfallen werden erprobt, um dem Palmrüssler den Garaus zu machen. Italien hofft jetzt auf ein wirkliches Allheilmittel zur Rettung seiner stattlichen Palmen.