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Gefräßige Karpfen gefährden Fischerei

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Gefräßige Karpfen gefährden Fischerei

04.12.2009, 08:38 Uhr

Asiatische Karpfen gefährden kleinere Fische in den Großen Seen Nordamerikas. (Foto: AP) Asiatische Karpfen in einem Aquarium in Chicago (Foto: AP)Eine Invasion großer gefräßiger Karpfen bedroht die Großen Seen in Nordamerika. Mit Strom und Gift versuchen die Behörden den Eindringlingen asiatischer Herkunft beizukommen, die die heimische Fischwelt und damit das Milliardengeschäft der Berufsfischer und Sportangler gefährden. Umweltschützer verlangen sogar, die Verbindung zwischen den Seen und dem Mississippi komplett dichtzumachen - was dem Frachtverkehr einen schweren Schlag versetzen würde.

Es droht ein Riesenstreit zwischen Wirtschaft, Fischerei und Umweltschutz. Asiatische Arten wie Silber- oder Marmorkarpfen werden gerne importiert, um übermäßigen Algenwuchs in Zuchtanlagen zu vertilgen. Bei Überschwemmungen in den 90er Jahren waren sie in Scharen aus Aquakulturen im Süden entkommen und arbeiten sich seither nordwärts voran.

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Karpfen fressen kleinen Fischen Nahrung weg

Die Gouverneurin des US-Staates Michigan, Jennifer Granholm, sieht schon eine "ökologische Katastrophe" heraufziehen. Die bis zu 1,20 Meter langen und 45 Kilogramm schweren Fische können täglich bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts an Plankton vertilgen. Sie fressen den kleineren und weniger aggressiven einheimischen Fischarten die Nahrung weg und gefährden damit die Fischerei an den Großen Seen, immerhin ein Sieben-Milliarden-Dollar-Geschäft.

 

Stromschlag sollen Karpfen aufhalten

Der Mississippi und die Großen Seen sind durch 400 Kilometer Wasserwege verbunden, ein Netz aus Flüssen und Kanälen, die vor über 100 Jahren angelegt wurden. Es erstreckt sich von Chicago an der Südspitze des Lake Michigan bis zu einer Stelle des Mississippi nördlich von St. Louis. Zwischen den Karpfen und dem Lake Michigan als Tor zu den vier anderen Seen steht bislang nur eine elektrische Unterwasserschranke in einem Kanal, die sie mit leichten Stromschlägen am Fortkommen hindern soll. Doch nun gibt es Hinweise darauf, dass die Fische die Hürde überwunden haben: Zwischen der Sperre und einer der Schleusen zum See wurden zwar keine leibhaftigen Karpfen, aber Spuren ihrer DNA entdeckt.

Schleusen vorerst nicht dicht

Die Umweltbehörden des Staates Illinois planten für die Nacht zum Donnerstag während einer Abschaltung der Elektrosperre für Wartungsarbeiten einen Giftangriff auf die Karpfen im Kanal. Sie rechneten damit, insgesamt rund 90 Tonnen tote Fische entsorgen zu müssen. Gouverneurin Granholm drohte im Einklang mit fünf Umweltschutzorganisationen, das Pionierkorps des US-Heeres per Klage dazu zu zwingen, drei Schleusen nahe Chicago vorläufig zu schließen. Der zuständige Kommandant erklärte, man schließe keine Optionen aus, werde aber die Schleusen nicht dicht machen, ohne vorher die möglichen Folgen geprüft zu haben.

 

Frachtschifffahrt warnt vor Teuerung

Der Verband American Waterways Operators warnte davor, dass die Schließung der Schleusen zu höheren Frachtkosten führen werde, da Güter dann auf Lkw oder Bahn umgeschlagen und über Land durch Illinois gekarrt werden müssten, bevor sie wieder auf Schiffe verladen würden. "Die Auswirkungen wären immens", erklärte Lynn Muench von der Frachtschifffahrtsvereinigung. "Das könnte sich definitiv auf das tägliche Leben auswirken." Durch die Kanäle und Schleusen in den Michigansee werden jährlich zig Millionen Tonnen Fracht transportiert - Eisenerz und Kohle, Getreide und Schrott, Salz, Zucker, Zement und Erdöl. Umweltschützer dringen sogar auf eine dauerhafte Trennung der Seen vom Mississippi, um eine Karpfeninvasion abzuwenden.

"Wir wissen nicht, wo die Karpfen stecken"

Vorgeschlagen wurden verschiedene Möglichkeiten, vom Bau zusätzlicher Schleusen bis zum Bau von Betonwänden. Nach dem DNA-Fund habe die Sache an Dringlichkeit zugenommen, findet Andy Buchsbaum vom der National Wildlife Federation. "Wir wissen nicht, wo die Karpfen stecken, und die Gefahr ist einfach zu groß, dass sie im Kanal sind." Begeisterte Angler wie Dan Thomas vom Verband der Sportfischer glauben allerdings nicht, dass die Behörden die Schleusen dicht machen würden: Davon wären zu viele Branchen und zu viele Arbeitsplätze betroffen.

 

Fremdlinge zuhauf

Die Asiatischen Karpfen wären nicht die ersten ungeliebten Einwanderer in den Großen Seen. Nach Angaben von Wissenschaftlern tummeln sich dort bereits über 180 Arten fremder Eindringlinge, vermehren sich rasch und ernähren sich von einheimischen Arten oder fressen ihnen die Nahrung weg. Versuche, etwa die Zebramuschel oder die Schwarzmund-Grundel - einen Brackwasserfisch - unter Kontrolle zu bekommen, haben bereits Millionen Dollar gekostet.


Quelle: dapd

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