14.12.2010, 15:22 Uhr | DAPD
Hannover (dapd-nrd). Die Geflügelmastbranche in Niedersachsen sorgt sich um ihren Ruf. Eine vom Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegebene, aber noch nicht veröffentlichte Studie zu den Haltungsbedingungen bei der Geflügelmast ist aus Sicht des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes fehlerhaft. Die Untersuchung der Tierärztlichen Hochschule Hannover gehe "von Voraussetzungen aus, die in Deutschland gar nicht gelten", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Wilhelm Hoffrogge, am Dienstag in Hannover. Die Grünen wiesen die Kritik an der Studie als "unsachlich" zurück. Diese belege einen klaren Zusammenhang zwischen der sogenannten Besatzdichte an Tieren und Erkrankungs- beziehungsweise Todesfällen, sagte Fraktionsvize Christian Meyer.
Derweil bekräftigten Vertreter der Branche, alles für die Gesundheit der Tiere zu tun. Nur wenn sich die Tiere wohlfühlten, könne man auch ein gutes Produkt für die Verbraucher sicherstellen, sagte Landwirt Jörg Lüschen, der in Neerstedt (Landkreis Oldenburg) eine Putenaufzucht betreibt. Er bedaure, dass von Tierschutzorganisationen gemachte Bilder die Presse dominierten. "Es gibt überall schwarze Schafe, aber die Normalität sieht anders aus", sagte Lüschen, in dessen Betrieb derzeit etwa 28.000 Tiere aufgezogen werden.
Tierschutz stehe im Mittelpunkt der Putenaufzucht, sagte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Putenerzeuger, Thomas Storck. Unabhängig von der Richtigkeit der Vorwürfe gegen Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) werde sein Verband alles dafür tun, um den durch die Negativberichterstattung entstandenen Imageschaden wieder wettzumachen. Man setze dabei auf Transparenz und Gesprächsbereitschaft.
An den Zuständen in Putenmastbetrieben hatte es in der Vergangenheit scharfe Kritik von Tierschützern gegeben. Betroffen waren auch Betriebe, zu denen die Familie der Landwirtschaftsministerin in engen wirtschaftlichen Beziehungen stand.
Hoffrogge forderte die Autoren der Studie auf, ihre Ergebnisse zu relativieren. Zwar hätten Verfahrensfehler beim Verfassen der Studie eigentlich auch vom Landwirtschaftsministerium kommuniziert werden müssen. Gleichwohl nahm Hoffrogge Grotelüschen in Schutz, die eine "gute Arbeit" mache. Die von der Studie festgestellten Mängel bezögen sich auf die von der EU vorgeschriebene Besatzdichte an Tieren von 42 Kilogramm pro Quadratmeter, obwohl in Deutschland nur Tiere im Gesamtgewicht von 39 Kilogramm pro Quadratmeter leben dürften.
Die agrarpolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Marianne König, warf Grotelüschen derweil vor, beim Tierschutz in Niedersachsen "auf der ganzen Linie versagt" zu haben. Mit dem Zurückhalten der Studie versuche sie, die "schlimmen Zustände" in Geflügelmastställen zu vertuschen. Es sei ein Skandal, dass die Studie im Landwirtschaftsausschuss nicht vorgelegt worden sei, sagte sie.
Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionsvize Meyer, der Grotelüschen vorwarf, zusammen mit der Geflügelwirtschaft alles zu versuchen, um die "Billigfleischproduktion zu leugnen". Er forderte Verbesserungen bei der Tierhaltung, ein Verbot des Schnabelkürzens und ein Ende der Subventionen für die Massentierhaltung.
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