18.10.2011, 17:47 Uhr
Der sichtlich abgemagerte Ex-Häftling Gilad Schalid gab dem ägyptischen Staatsfernsehen sein erstes Interview.
Der israelische Soldat Gilad Schalit ist nach fünf Jahren Gefangenschaft frei. Unter dem Jubel hunderter Menschen erreichte der 25-Jährige am Dienstagabend seinen Heimatort Mizpe Hila. Er war an Bord eines Militärhubschraubers vom Luftwaffenstützpunkt Tel Nov bis in den Norden des Landes geflogen worden. Zuvor hatte die Hamas den entführten Schalit offiziell an Ägypten übergeben. Im Gegenzug ließ Israel 1027 palästinensische Gefangene frei.
Schalit wurde vom Hubschrauberlandeplatz durch ein Spalier singender und tanzender Menschen bis zum Haus seiner Eltern gefahren. Die meisten Menschen trugen Hemden mit dem Aufdruck: "Wie gut es ist, dich wieder zu Hause zu haben". Dieser Titel eines in Israel bekannten Liedes war auch das Motto der Freilassung.
Aus dem normalerweise ruhigen Ort mit wenigen hundert Einwohnern berichteten alle israelischen Fernsehkanäle und Dutzende Journalisten aus aller Welt. Die Medien wollen den Freigelassenen aber zunächst einige Zeit nicht mehr mit Interview-Wünschen bedrängen.
Dem ägyptischen Fernsehen hatte Schalit unmittelbar nach seiner Freilassung gesagt, er sei bei guter Gesundheit. Vor einer Woche habe er erfahren, dass er freigelassen werden solle. Während seiner Gefangenschaft habe er immer an seine Freilassung geglaubt. "Ich glaube, die Ägypter waren in ihrer Vermittlung erfolgreich, weil sie sowohl zur Hamas als auch zu Israel gute Beziehungen haben", sagte er. Schalit sah auf den Aufnahmen dünn und blass aus, schien aber wohlauf zu sein.
25-Jähriger war über fünf Jahre in palästinensischer Gefangenschaft. zum Video
Auf die Frage der Reporterin, auf was er sich am meisten freue, antwortete er: "Natürlich habe ich meine Familie am meisten vermisst, aber auch meine Freunde." Er habe Menschen vermisst, mit denen er über seine Zeit in Gefangenschaft habe sprechen können.
Schalit äußerte die Hoffnung, dass die Vereinbarung über den Gefangenenaustausch helfen werde, Frieden zwischen Israel und den Palästinensern zu bringen. Es würde ihn mit großer Freude erfüllen, wenn auch die rund 4000 palästinensischen Insassen in israelischen Gefängnissen frei kämen und zurück zu ihren Familien könnten. Schalits Freilassung war das erste Mal seit 26 Jahren, dass ein israelischer Soldat lebend aus der Gefangenschaft heimgekehrt ist.
477 palästinensische Gefangene wurden nach israelischen Angaben bereits an Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben. Sie sollen in den Gazastreifen und ins Westjordanland gefahren werden. In zwei Monaten sollen weitere 550 Palästinenser freikommen.
Drei Konvois standen bereit, um palästinensische Gefangene in den Gazastreifen zu transportieren. Mehr als tausend Polizisten sicherten nach Angaben des israelischen Rundfunks die Strecken der Konvois.
Der Austausch begann nur Stunden, nachdem der Oberste Gerichtshof vier Eingaben gegen die Freilassung von Palästinensern in einem Eilverfahren zurückgewiesen hatte. Die Antragsteller waren Hinterbliebene von Opfern palästinensischer Terroranschläge.
Der Vereinbarung über den Austausch war unter Vermittlung Ägyptens und Deutschlands zustande gekommen. Schalit war am 25. Juni 2006 als 19-Jähriger in der Nähe des Gazastreifens verschleppt worden.
Israel und die Hamas hatten am Dienstag vergangener Woche unter ägyptischer Vermittlung das Abkommen über den Gefangenenaustausch unterzeichnet. Von den 477 am Dienstag Freigelassenen darf nur ein Teil nach Hause zurückkehren: 133 in den Gazastreifen, 117 ins Westjordanland und 15 nach Ost-Jerusalem. Dagegen werden 204 Palästinenser verbannt, davon 164 in den Gazastreifen und 40 weitere in die Türkei, nach Katar und nach Syrien. Sieben israelische Araber, die der ersten Gruppe der Freigelassenen angehören, dürfen nach Hause zurückkehren, ebenso eine Palästinenserin mit jordanischer Staatsangehörigkeit.
Zwei Monate später soll eine zweite Gruppe von 550 Palästinensern freikommen. Mit diesem Austausch bezahlt Israel den bislang höchsten Preis für einen seiner Soldaten. Im Mai 1985 hatte Israel 1150 Palästinenser gegen drei Soldaten ausgetauscht.
Die palästinensischen Häftlinge wurden nach ihrer Freilassung durch Israel jubelnd in den Palästinensergebieten begrüßt. In Ramallah küsste Palästinenserpräsident Mahmud Abbas freigelassene Gefangene, die zu seinem Amtssitz gebracht wurden.
Der Gefangenenaustausch könnte die Hamas nach Einschätzung eines Nahost-Experten zu weiteren Entführungen ermuntern. "Ich glaube, das Modell hat sich als erfolgreich für die Hamas erwiesen", sagte der Leiter der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes, im ZDF-"Morgenmagazin". Nach seiner Einschätzung war der junge Mann möglicherweise bereits mit diesem Ziel gekidnappt worden. "Wenn man jemanden entführt in diesen Auseinandersetzungen im Nahen Osten, dann will man einen Preis dafür haben", sagte Perthes. Ein Zeichen für Entspannung in Nahost sei der Gefangenenaustausch daher eher nicht.
Auch der der israelische Historiker und Journalist Tom Segev nannte den Austausch eines einzelnen Soldaten gegen etwa 1000 Palästinenser nicht unumstritten. Die Hälfte der nun freigelassenen Palästinenser seien "wirklich üble Mörder", betonte der Historiker im Deutschlandradio Kultur. "Das ist nicht einfach für die Familien von den Terroropfern. Viele von ihnen, nicht alle, sind dagegen."
Quelle: dpa , dapd , AFP
Dede schrieb:
am 18. Oktober 2011 um 17:49:18
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Shalit
Erster flangranter Bruch des Abkommens seitens der Araber: die Auslieferung des Gilad Shalit, die minutiös nach verhandeltem Fahrplan
hätte erfolgen sollen, wurde durch ein Interview durch eine arabische TV-Station verzögert.. Es ist dabei klar das die Antworten erzwungen wurden. Sogar an einer solchen vermeintlichen "petitesse" halten sich die Araber nicht, was wird es bei gravierenden verhandelten Angelegenheiten sein?
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Schlangenzunge schrieb:
am 18. Oktober 2011 um 17:30:22
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Schalit
Willkommen in Freiheit Gilad Schalit. Hoffentlich hat dieses Signal der Humanität eine nachhaltige Wirkung auf die Konfliktparteien.
Ein Leben zu retten bedeutet die Welt. Sein Leben durch selbstmörderische Akte wegzuwerfen und das Leben anderer Menschen zu zerstören ist schändlich. Die von der Hamas organisierten Jubelfeiern für diese Mörder sind sehr selbstoffenbahrend.
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Pedro schrieb:
am 18. Oktober 2011 um 16:56:48
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Während
die Hamas-Faschisten wohlgenährte und gesunde Assis zurückbekommt, bekommen wir einen fürs Leben gezeichneten, blassen und
schwachen Menschen zurück. Diese Welt ist erbärmlich.
Wie auch immer, es ist gut Gilad lebend zurück in Israel zu haben.
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