21.02.2012, 12:19 Uhr | Ein Kommentar von Wolf-Christian Ulrich
Flattert einsam im Wind: die Bundespräsidentenflagge über Schloss Bellevue (Quelle: Reuters)
Altbundespräsident Wulff bekam erst einen Blumenstrauß - und dann seine Frühstücksbrötchen geliefert - an diesem Sonntagmorgen. Dann warf er noch einen Blick in seinen Briefkasten und verschwand wieder in sein Klinkerheim in Großburgwedel. Und Neubundespräsident Gauck erfährt am Tag seiner Bestimmung gleich seinen ersten Auftrag: die politische Kultur im Land.
Am Sonntagmorgen waren die Objektive längst auf den Nachfolge-Krimi in Berlin gerichtet. Von allen Seiten twitterte und kabelte es Informationen - Minutenprotokolle begleiteten diese Präsidentenauswahl. Indem die Beobachter alles durchleuchteten, lenkten sie einen kühlen Blick auf das hektische Geschacher, das am Ende mit einem Anruf im Taxi seinen emotionalen Höhepunkt fand. Würdig sollte das ablaufen, und vor allem: ohne Parteiengezänk. Ohne dieses nervige: Diese Partei hat einen Punkt über jene Partei gemacht und feiert das vor allen und macht high five with a million angels.
So kam es natürlich nicht. Stattdessen bekam der Bürger den gewohnten Parteienkleingeist vorgesetzt, von dem er schon lange die Nase voll hat. Alle haben wieder mitgemacht. Die SPD ("Eine schwere Niederlage für Frau Merkel" - Nahles), die FDP ("Union geradezu peinlich" - Kubicki), die Union ("Man sieht sich immer zweimal" - Bosbach), die Grünen ("Ein tiefer Riss geht durch die Koalition" - Özdemir) und auch die Linke ("FDP hat geputscht" - Ernst). Es war insgesamt traurig, vor allem war es schockierend stillos, und man kann Gauck nur wünschen, dass er sich so schnell wie möglich selbständig macht.
Am liebsten wäre mir, wenn Gauck sofort loslegte. Denn schon am Donnerstag ist ein enorm wichtiger Termin. Die umstrittene Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Terrors. Eingeladen hatte dazu noch Christian Wulff. Nun muss die Kanzlerin ran. (Wer sonst?, fragt man sich automatisch, denkt dabei natürlich nicht an Seehofer und hat gleichzeitig die Erklärung dafür, warum selbst die Personalie Wulff an Frau Merkel abperlt wie der Berliner Schneematsch an hyperimprägnierten Pumps.)
Wird sie deutliche Worte dafür finden, dass die Länder mit ihren Polizisten und Verfassungsschützern rechten Terror nicht als solchen erkannt haben? Dass die Opfer sich nicht als Opfer behandelt fühlten? Wird sie versprechen, dass die Polizei nicht auf dem rechten Auge blind ist? Wird sie dabei ihren Parteifreund Haseloff aus Sachsen-Anhalt ansehen? Wo die Polizei einen Rechts-Skandal nach dem anderen erlebte und das braune Volk durch Dörfer und Städte marodiert. Oder die Kollegin Lieberknecht aus Thüringen? Wo der Verfassungsschutz kläglich versagte.
Während sie spricht, überlegen die anwesenden Parteibuchinhaber vielleicht, woran es liegt, dass sich auch 2010 immer noch (oder schon wieder?) jeder zehnte Deutsche einen Führer wünschte, der das Land mit harter Hand regiert. Und dass 30 Prozent der Deutschen der Aussage zustimmen, dass Ausländer kommen, um den Sozialstaat auszunutzen. Dann schweifen die Gedanken eventuell ab, und der eine oder andere fragt sich, ob es nicht auch Zeit ist, über die politische Kultur im Land nachzudenken. Über eine politische Kultur, die die Bürger von unserer Demokratie überzeugt.
Es wäre gut, wenn wir an diesem Donnerstag einen einsatzbereiten Bundespräsidenten hätten. Der das tut, wozu er da ist: an die Verantwortung der Politik dort zu appellieren, wo sie ihrer Verantwortung nicht nachkommt. Politiker dort zu unterstützen, wo sie sich abseits vom elenden Gezänk und Nachtreten bemühen um das Gemeinwohl - auch bei unterschiedlichen Ansichten. Dort die Menschen zu unterstützen, wo sie sich für die Demokratie bei uns im Land stark machen. Es gibt viel aufzuräumen in der politischen Kultur..
Wolf-Christian Ulrich: Der Journalist moderiert die interaktive Talkshow "log in" auf ZDFinfo. Das ist ein neuartiges Format im deutschen Fernsehen, das jungen Menschen die Möglichkeit bietet, bei einer politischen Talkshow live an der Diskussion mit den Gästen teilzunehmen.
Mit Formaten wie "log in", "Erst fragen - dann wählen" und "Ulrich protestiert" möchte Wolf-Christian Ulrich Fernsehen für eine junge Generation machen, die mit dem Begriffen "Politik" und "Parteien" wenig anfangen kann - aber dennoch interessiert ist, die Gesellschaft mitzugestalten.
Ein Kommentar von Wolf-Christian Ulrich
vorwärts58 schrieb:
am 21. Februar 2012 um 21:12:15
(76)
(19)
Nochmal
Wenn er die Wahl ablehnt,ändere ich meine Meinung über die selbsternannten Bürgerechtler.Wenn doch bliebt alles bein Alten.Die
Opportunsten sind eben in jedem Staat oben!!
mehr
Kommentar melden
Konrad schrieb:
am 21. Februar 2012 um 20:43:42
(64)
(23)
Gauck Kandidatur
Herr Gauck,
ist schon jetzt der falsche Kanditat, denn wer auf zwei Hochzeiten aus welchen persönlichen Vorteilen auch
immer tanzt, kann nicht Aufrichtigkeit und ein Bundespräsident aller Deutschen sein.
mehr
Kommentar melden
BP schrieb:
am 21. Februar 2012 um 20:40:59
(37)
(11)
Brötchenlieferant
Immer schön aufpassen das auch bezahlt wird,der lässt sich gerne beschenken oder nimmt umsonnst
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Tolle Bildqualität & kleiner Preis: 94 cm Grundig-LCD-TV (EEK: C) jetzt nur 555,- €. bei euronics.de
Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special
Bildschöne Mai-Schnäppchen: Bücher, Tablet-PC, eBook-Reader und mehr. bei Hugendubel.de