17.10.2011, 10:00 Uhr
Der ehemalige Beauftragte für die Unterlagen der DDR-Staatssicherheit, Joachim Gauck, hält die derzeitige Finanzmarkt-Debatte für "unsäglich albern". Bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte er, der Traum von einer Welt, in der man sich der Bindung von Märkten entledigen könne, sei eine romantische Vorstellung.
Die aktuellen Bürgerproteste gegen die Banken und das Finanzsystem werden sich nach seiner Ansicht nicht zu einer dauerhaften Protestbewegung entwickeln. "Das wird schnell verebben", sagte Gauck, der bei der Bundespräsidentenwahl 2010 für SPD und Grüne angetreten war. "Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren." Es sei zu bezweifeln, dass die Bankeinlagen sicherer wären, wenn die Politiker in der Finanzwirtschaft das Sagen hätten.
Hunderttausende Menschen hatten am Wochenende weltweit gegen Macht und Auswüchse der Finanzmärkte demonstriert. Die Proteste erreichten am Samstag nach Veranstalterangaben 951 Städte in 82 Ländern. In Rom und in Lissabon gingen jeweils mehr als 100.000 Bankenkritiker auf die Straße. Dabei kam es in Rom zu Ausschreitungen autonomer Gruppen mit mehr als 100 Verletzten. Doch in den allermeisten Fällen blieben die Kundgebungen friedlich.
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte in der ARD, er beobachte die Demonstrationen "mit großer Aufmerksamkeit - ich nehme das sehr ernst". EU und G20 müssten "überzeugend darlegen können, dass die Politik die Regeln setzt. Und dass wir nicht von den Märkten nur getrieben werden", so Schäuble. Dies sei "der Eindruck, den die Menschen haben. Und diesen Eindruck müssen wir durchbrechen." Sonst komme zur Krise der sozialen Marktwirtschaft und der Finanzmärkte noch "eine Krise des demokratischen Systems".
Auch in Deutschland gehen etliche Menschen am weltweiten Aktionstag auf die Straßen. Bei den Protesten in Italien werden Autos in Brand gesetzt. zum Video
Quelle: dpa
Leipziger schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 08:54:58
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kein Bürgerrechtler
Bereits 2004 im Leipziger Zeitgeschichtlichen Forum hatte Gauck Klartext gesprochen als er das Volk als Pöpel
bezeichnete, dass keine Rechte haben sollte seine von der Obrigkeit angelegten Akten einzusehen. Es ging damals um das Akteneinsichtsgesetz.
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charly46 schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 08:54:25
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gauck
er mag etwas von der stasi und der ddr verstehen, aber von den finanzgeschäften und deren regeln versteht er einfach nichts. alles
wurde verschmolzen um so die haftung zu übertragen wegen notwendigkeit. wie eine badbank müssen die risiken ausgelagert werden, um eine insolvenz zu ermöglichen. gauck kann gerne mit seinem vermögen haften, aber ein rentner mit ca: 800,-- euro kann es nicht. über steuern muss er aber, an einen rentner mit 1600 euro zahlen. Herr Gauck lernen sie einmal gerechtigkeit.
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Tom1980 schrieb:
am 17. Oktober 2011 um 08:53:34
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Gauck
Schade, dass Herr Gauck sich zu solch einer Äußerung hinreißen ließ. Ich habe ihn immer sehr geachtet, muss aber jetzt
widersprechen. Nicht die Finanzwelt (die nicht demokratisch legitimiert ist), sondern die (hoffentlich demokratisch legitimierte) Politik sind zur Lenkung der Geschicke der Menschen aufgerufen. Die Verhältnisse müssen ins recte Lot gelangen. Dazu sind die Proteste richtig, auch wenn die unmittelbar nichts bewirken.
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