Der Galileo-Satellit GIOVE-B im All, wie ihn sich die ESA-Zeichner vorstellen (Quelle: ESA)Der Aufbau des europäischen Satelliten-Navigationssystems Galileo kann beginnen. Das Europaparlament gab am Mittwoch in Straßburg mit großer Mehrheit grünes Licht für die Ausschreibungen dieses größten Industrieprojekts Europas. Die EU-Kommission will zusammen mit der Raumfahrtbehörde ESA die Aufträge für das 3,4 Milliarden Euro teure Vorhaben noch vor der Sommerpause ausschreiben. Das Galileo-System - bestehend aus 30 Satelliten und mehreren Bodenstationen - soll bis zum Jahr 2013 betriebsbereit sein. Europa tritt damit gegen die Vormachtstellung des amerikanischen Navigationssystems GPS (Global Positioning System) an.
"Es ist geschafft. Europa macht jetzt Nägel mit Köpfen. Für die deutsche Industrie ergeben sich dabei breite Einsatzmöglichkeiten", sagte die Vorsitzende des Industrieausschusses des Europäischen Parlaments, Angelika Niebler (CSU). Das deutsche Unternehmen EADS Astrium hat gute Chancen auf den Zuschlag für den Satellitenbau. Profitieren könnte auch das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology.
Zweiter Test-Satellit
"Mit diesem System zur genauen Positionsbestimmung können Flugzeuge auch bei schlechter Sicht sicher landen", sagte der SPD-Europaparlamentarier Norbert Glante. Am Sonntag soll der zweite Test-Satellit für Galileo vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All geschossen werden.
"Vielzahl von Anwendungen"
Galileo liefert Ortungsinformationen, die im Straßenverkehr, von Justiz und Zoll, im Baugewerbe oder bei Not- und Rettungsdiensten genutzt werden können. Während Deutschland eine zivile Nutzung des Systems bevorzugt, will Frankreich es auch militärisch nutzen. "Es wird eine Vielzahl von Anwendungen geben, an die wir heute noch gar nicht denken", sagte Niebler.
Deutsche Bedenken zerstreut
Deutschland als großer Nettozahler der EU war im vergangenen Jahr noch entschieden gegen die EU-Finanzierung des Projekts. Es gab Bedenken, dass dann deutsche Unternehmen zu kurz kommen könnten. Die Kommission in Brüssel konnte die Bedenken zerstreuen, indem das Projekt in Auftragspakete aufgeteilt wurde. Dabei soll eine Firma maximal zwei Aufträge bekommen und verpflichtet werden, Subunternehmer zu beteiligen. Auf diese Weise könnten Chancen der deutschen Industrie gewahrt bleiben.