
24.06.2011, 14:04 Uhr
Wissenschaftler haben eine gigantische Massenkarambolage im Weltall rekonstruiert. Der "Pandora Galaxienhaufen" sei offenbar das Ergebnis eines Zusammenpralles von mindestens vier einzelnen Galaxien, berichtete die Europäische Südsternwarte (ESO).
Ein internationales Astronomenteam untersuchte den Galaxienhaufen Abell 2744 - so seine offizielle Bezeichnung. Dazu nutzten die Forscher starke Teleskope wie das Very Large Telescope (VLT) der ESO in Chile und das Weltraumobservatorium Hubble. Ihr Ergebnis: Der Galaxienhauen mit vielen Billionen Sternen entstand in einer etwa 350 Millionen Jahre andauernden Serie von Kollisionen.
Der Leiter des Teams, der Heidelberger Forscher Julian Merten, verglich die Arbeit der Forscher mit der eines Unfallsachverständigen. Auch dieser setze Trümmerstücke wieder zusammen, um die Unfallursache zu finden. So sei es möglich, kosmische Massenkarambolagen nachzuvollziehen, die sich vor Hunderten von Millionen Jahren abgespielt hätten.
Die Astronomen entdeckten bei ihren Beobachtungen eine Reihe von Besonderheiten. Die einzelnen Galaxien machen den Angaben zufolge lediglich fünf Prozent der Gesamtmasse des entstandenen Galaxienhaufens Abell 2744 aus. Der Rest bestehe zu etwa 20 Prozent aus heißem Gas und zu etwa 75 Prozent aus sogenannter Dunkler Materie, die nicht sichtbar ist. Die ungleichmäßige Verteilung der verschiedenen Arten von Materie in dem Haufen sei sehr ungewöhnlich.
Die Zusammenstöße hätten offenbar einen Teil des heißen Gases und der Dunklen Materie voneinander getrennt, so die Forscher. In dem Galaxienhaufen könnten damit verschiedene Phänomene beobachtet werden, die bisher in anderen Systemen nur getrennt erforscht werden konnten. Die Astronomen erhoffen sich dadurch auch Hinweise auf die Eigenschaften der Dunklen Materie. Der Fachartikel erscheint in den "Monthly Notices" der Royal Astronomical Society.
Quelle: dpa
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