
24.02.2011, 15:26 Uhr | Peter Finn
Libysche Soldaten im Zentrum von Tripolis (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Bei der Bekämpfung der Aufstände in Libyen stützt sich Staatschef Muammar al Gaddafi vor allem auf paramilitärische Verbände. Zu deren Verstärkung wurden außerdem ausländische Söldner angeheuert. Die regulären Streitkräfte scheinen dagegen gespalten zu sein zwischen ihrer Loyalität zu Gaddafi und Sympathie zu den Demonstranten.
Die ausländischen Söldner gehörten Berichten aus Libyen zufolge zu den regimetreuen Kräften, die am brutalsten gegen die Demonstranten in der Hauptstadt Tripolis und in anderen Städten vorgingen. Bei in libysche Uniformen gekleideten Toten in der Stadt Bengasi und an anderen Orten wurden Ausweispapiere aus Guinea, Niger, dem Tschad, Mauretanien und Sudan gefunden.
Die paramilitärischen Einheiten, die rücksichtslos auf Demonstranten geschossen haben, sind seit Langem ein wichtiger Teil der internen Sicherheitsarchitektur Libyens. Ihre Aufgabe war bislang vor allem Aufstände in den Streitkräften zu verhindern. Jetzt kämpfen sie gegen Zivilisten.
In Libyen gebe es die regulären Streitkräfte und parallel dazu weitere Militäreinheiten, sagt Noman Benotman, Analyst bei der Londoner Denkfabrik Quilliam, die sich der Extremismusbekämpfung widmet. "Die Streitkräfte sind schwach, sie sind keine entscheidende Größe. Die parallelen Einheiten werden von den loyalsten Leuten kontrolliert, die nicht nur dem Regime ergeben sind, sondern Oberst Gaddafi persönlich."
Anders als die ägyptischen Streitkräfte, die eine starke, unabhängige Institution sind, standen die libyschen Streitkräfte unter strenger politischer Kontrolle. Loyale Truppenteile wurden gut ausgestattet, während andere quasi eingemottet wurden. Im Zuge der aktuellen Krise erhielten die loyalen Truppen außerdem Verstärkung durch ausländische Kämpfer.
Die Geschichte zeige, dass Söldner sich von den lokalen Einflüssen freimachen könnten und ziemlich rücksichtslos vorgingen, sagt Juan Zarate, stellvertretender Sicherheitsberater unter dem früheren US-Präsidenten George W. Bush. Über wie viele Kämpfer Gaddafi in den paramilitärischen Einheiten verfügt, ist unklar. Laut einer Schätzung kann er auf rund 3000 Mann in den Revolutionsgarden plus eine unbekannte Zahl von Kämpfern in der Islamischen Panafrikanischen Legion, den Volkskavallerien und verschiedenen Volksmilizen zurückgreifen.
"Libyen ist bei der Unterdrückung im Inland besser als im Umgang mit Bedrohungen aus dem Ausland", schrieben Anthony Cordesman und Aram Nerguizian vom Zentrum für strategische und internationale Studien in Washington in einer Studie zur militärischen Machtbalance in Nordafrika. Darin schreiben sie auch, dass die paramilitärischen Kräfte als Gegengewicht zur Macht der regulären Streitkräfte und Gaddafis Sicherheit dienten.
Die Panafrikanische Legion wurde vor Jahrzehnten von Gaddafi gegründet und zieht traditionell Kämpfer aus ganz Afrika an. Sie wurde während des Kalten Krieges in mehreren kleineren Konflikten eingesetzt, wenn Gaddafi sich als Regionalmacht profilieren wollte.
Druck aus dem Ausland bewirkt in Libyen wenig. Die Streitkräfte haben es auch nicht geschafft, die Kontrolle über die Polizei und andere interne Sicherheitsdienste zu gewinnen. Libyen müsse "viele seiner Flugzeuge und über 1000 seiner Panzer" ungenutzt in den Kasernen stehen lassen, berichten Cordesman und Nerguizian. "Selbst die besten Kampfeinheiten sind unterbesetzt und weisen schwerwiegende Ausbildungs- und Führungsprobleme auf."
In einem in dieser Woche erschienenen Bericht zur Lage in Libyen kommt Quilliam zu dem Schluss, dass durch den schlechten Zustand vieler Einheiten der regulären Streitkräfte "Berichte über das Überlaufen von Militäreinheiten zu den Demonstranten deshalb an und für sich für das Regime nicht schlimm oder gar tödlich sein müssen."
Quelle: dapd
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