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G8-Proteste - Hintergrund: Der "Schwarze Block"

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"Sie erfinden sich jedes Mal neu"

03.06.2007, 16:21 Uhr

Von Christian Kreutzer


Mitglieder des Schwarzen Blocks in Hamburg Mitglieder des Schwarzen Blocks in Hamburg"Es gibt kein Programm, keine Satzung und keine Mitglieder des Schwarzen Blocks. Es gibt jedoch politische Vorstellungen und Utopien, die unser Leben und unsern Widerstand bestimmen" lautet eine Selbstbeschreibung der autonomen Gruppen, deren "Nachfahren" am Wochenende in Rostock aufgetreten sind. Sie stammt aus der Zeitschrift "Vollautonom" vom September 1981. Damals traten Chaoten, wie die, die am Wochenende in Rostock randalierten, erstmals in Erscheinung - als Abspaltung der militanten Szene der Hausbesetzer und Kernkraftgegner. Wer jedoch verbirgt sich hinter den Gruppen und Einzelpersonen?

Kultureller Code, der sich in Gewalt ausdrückt
Die Antwort gibt Tim Laumeyer, Sprecher der "Interventionistischen Linken" - einem linksradikalen, antifaschistischen Bündnis. Laumeyer distanziert sich von den Ausschreitungen vom Wochenende. "Es gibt dort keine Strategie oder Konzeption", sagt der Berliner Student. Bei den Mitgliedern des Schwarzen Blocks beziehungsweise den Autonomen handele es sich meist um junge Leute zwischen 18 und 26 Jahren, die eher einem kulturellen Code wie schwarzer Kleidung und Punk-Musik folgten als einer politischen Zielsetzung. Sie vereine die Ablehnung von Staat und Herrschaft.

Kein Gefühl für politische Verantwortung
Ein großer Teil ihrer Motivation sei Abenteuerlust, erklärt Laumeyer. Dabei gehe es aber nicht nur um "Spaß": "Die sitzen schon zusammen und reden sich die Köpfe heiß", sagt Laumeyer. Was aber fehle, sei "ein Stück weit" das Gefühl für politische Verantwortung.

"Weil es spannend war"
Er selbst war, wie er sagt, früher auch "Autonomer", "weil es spannend war". Mittlerweile sei er aber in ein Alter gelangt, in dem er echte Politik mit strategischen Ansätzen verfolgen wolle, sagt der Anfang-Dreißiger. Angesichts der Gewalt von Rostock ist Laumeyer "ein bisschen ratlos". Auch er lehnt politische Gewalt nicht völlig ab. Allerdings sieht er grundsätzliche Unterschiede darin, gegen wen sich die Gewalt richtet: "Wenn jemand die Scheiben einer Bank einschmeißt, habe ich damit kein Problem", gibt er zu. Einzelne Polizisten in ihren Wagen anzugreifen oder Autos und Häuser von Privatpersonen zu demolieren, findet er dagegen "Scheiße".

Schwarz gekleidet und vermummt
Als "Schwarzer Block" werden die Gruppen wegen ihrer uniformen schwarzen Aufmachung bezeichnet. Oft sind auch ihre Gesichter mit schwarzen Tüchern verhüllt, was Laumeyer zufolge nicht immer ein Zeichen für Gewaltbereitschaft ist, sondern dem Wunsch entspringt, auf Polizeifotos nicht erkannt zu werden. Dabei handelt es sich nicht um eine einheitliche Gruppierung.

Keine feste Organisation
Vielmehr treffen sich in den Blocks anarchistische und kommunistische Gruppen, die eine feste Organisation und ein Programm ablehnen. "Sie erfinden sich eher jedes Mal neu", sagt Laumeyer. Ihre Anhänger fallen vor allem bei Demonstrationen wie jetzt in Rostock aber auch anlässlich des 1. Mais in Berlin regelmäßig durch Krawalle und Straßenschlachten mit der Polizei auf.

Zahl wird auf 6000 geschätzt
Ihnen gehören dem jüngsten Verfassungsschutzbericht zufolge allein in Deutschland rund 6000 Personen an. "Dabei zielen Autonome - wie alle Linksextremisten - im Kern auf die Überwindung des 'herrschenden Systems'", wie es in dem Bericht heißt.

Globalisierung der Anarchie
Die Globalisierung hat auch hier Einzug gehalten: Unter den festgenommenen Autonomen vom Wochenende waren Bulgaren, Österreicher, Ukrainer, Japaner, Schweden, Spanier, Franzosen, Polen, Belgier und Russen. Nur rund die Hälfte Festgenommen waren Deutsche.

Beispiel Genua
Seit Anfang der 80er Jahre tritt der Block immer wieder in Erscheinung - sei es bei Treffen von Staatschefs oder bei Nazi-Demonstrationen. Ein düsteres Kapitel sind in diesem Zusammenhang die Demonstrationen zum G8-Gipfel in der italienischen Hafenstadt Genua 2001: Auch hier trat der "Schwarze Block" in Erscheinung.

Gewalt eskalierte auf beiden Seiten
Damals lieferten sich Randalierer zwei Tage lang erbitterte Kämpfe mit der Polizei während 150.000 Menschen friedlich gegen die G8-Politik zu demonstrieren versuchten. Bei den Ausschreitungen wurde am 20. Juli 2001 ein Demonstrant tödlich von einer Kugel getroffen und anschließend von einem Polizeiwagen überrollt. Kritik zog damals aber auch das überzogen gewaltsame Vorgehen der Polizei auf sich: unter anderem stürmten Beamte am 21. Juli zwei Schulgebäude und prügelten zahlreiche schlafende G8-Kritiker und -Kritikerinnen aus pazifistischen Gruppen krankenhausreif.


03.06.2007



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Quelle: t-online.de

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