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China und Indien attackieren G8 scharf
09.07.2008, 10:04 Uhr
China und Indien können über die vagen Klimaziele nur lachen (Quelle: AFP)Mit ihren vagen Klimazielen werden die reichen Industrienationen ihrer "historischen Verantwortung" keineswegs gerecht. Zumindest konnten Chinas Präsident Hu Jintao und Indiens Premier Manmohan Singh auf dem G8-Gipfel von einer Führungsrolle der "führenden Industrienationen" nichts erkennen.
Kühl und selbstbewusst forderten die Führer der Schwellenländer die wohlhabenden Staaten auf, ihre Treibhausgase bis 2050 nicht nur um 50 Prozent, sondern vielmehr um 80 bis 95 Prozent verringern: "Die Menschheit steht an einem kritischen, historischen Scheideweg." Es sei entscheidend, dass die G8-Staaten mit ihren technischen und finanziellen vorangingen, um "ambitionierte Ziele" zu erreichen und den armen Ländern beim Klimaschutz zu helfen.
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WWF lobt China und Indien
Beide Führer sind es auch offensichtlich satt, von anderen als Ausrede für eigene Untätigkeit benutzt zu werden. Umweltorganisationen bescheinigten Hu Jintao und Singh anerkennend, sie seien im Gegensatz zu US-Präsident George W. Bush keineswegs untätig gewesen. In ihren Ländern gebe es längst umfassende nationale Programme zum Kampf gegen die globale Erwärmung, die viel Lob finden. "China und Indien sind schon dabei, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", sagte Kathrin Gutmann vom World Wide Fund for Nature (WWF). "In beiden Ländern gibt es gute Pläne, auf die aufgebaut werden kann." Bei der Umsetzung hapere es zwar manchmal, doch seien die Bemühungen beeindruckend.
Den USA "um zehn Jahre voraus"
Greenpeace findet Chinas Umweltgesetzgebung "sehr progressiv". Pekings Pläne für erneuerbare Energien kämen den Zielen der Umweltorganisation sehr nahe. Bei den Abgasstandards für Autos sei China den USA um mehr als zehn Jahre voraus. "Das ist beeindruckend", sagte Daniel Mittler von Greenpeace. Auch in den laufenden internationalen Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen spielten beide Länder "eine sehr konstruktive und positive Rolle". Aktiv formulierten China und Indien in dem Prozess die Notwendigkeiten für die finanzielle und technische Unterstützung der Entwicklungsländer. "So sollte es sein", sagte Mittler.
Die Folgen der Erwärmung vor Augen
Vor zwei Wochen erhob Chinas Führung den Klimaschutz zum nationalen Ziel. Bis tief in die Provinzen müssen Bemühungen zur Verringerung der Treibhausgase in alle Entwicklungspläne aufgenommen werden, nach denen das Land in alter planwirtschaftlicher Tradition regiert wird. Der Aktivismus in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Erde hat auch damit zu tun, dass sie besonders stark von den Folgen der globalen Erwärmung betroffen sind. Eine Klimastudie der Pekinger Regierung sagt Dürren im Norden und Überschwemmungen im Süden voraus. Die Getreideernte werde bis 2050 um bis zu zehn Prozent zurückgehen. Mit jedem Grad Erderwärmung, so warnen Experten, geht der Ertrag bei Weizen, Reis und Mais um zehn Prozent zurück.
Wassermangel fördert Nahrungsmittelkrise
Die Gletscher im Himalaya, welche die großen Flüsse in China und Indien speisen, schmelzen heute viel schneller als bisher angenommen. Wenn diese Quelle versiegt und Flüsse wie der Ganges oder Jangtse in der Trockenzeit kaum noch Wasser führen, ist die Landwirtschaft bedroht. 80 Prozent des Getreides in China und 60 Prozent in Indien wachsen auf bewässerten Flächen. "Was mit dem Wasser in diesen Flüssen passiert, hat starke Auswirkungen auf die Getreideernten in beiden Ländern", warnte Lester Brown. Der Gründer des Earth Policy Instituts in Washington sagte dann eine weltweite Verknappung der Nahrungsmittel voraus, die weit über die jüngste Krise hinausgeht.
Quelle: dpa