Eine Fahrradfahrerin hält sich im Smog von Peking eine Hand vor Mund und Nase (Foto: dpa)
Gleich zu Beginn des G8-Gipfels in Italien gibt es offenbar erste wichtige Entscheidungen in Sachen Klimaschutz. Bei Verhandlungen hätten die Schwellenländer wichtige Zugeständnisse gemacht, sagte Umweltminister Sigmar Gabriel der ARD. Danach haben Staaten wie China, Indien und Brasilien erstmals anerkannt, dass die globale Durchschnittstemperatur nicht über zwei Grad Celsius steigen dürfe. Sie hätten zudem akzeptiert, dass nicht nur die Industrieländer den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren müssten, sondern auch sie selber.
Gabriel nannte dies den Angaben zufolge die "beiden großen Erfolge" der Beratungen, die der Vorbereitung der Klimaverhandlungen am Rande des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila dienten. Der Umweltminister räumte allerdings ein, dass es trotz intensiver Bemühungen der Industrienationen nicht gelungen sei, konkrete Maßnahmen zur Treibhausgas-Reduktion festzuschreiben.
Erler spricht von "Durchbruch"
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, sprach im rbb-Inforadio von einem "Durchbruch der Verhandlungen". Es sei lange unklar gewesen, ob man es wirklich schaffe, die Schwellenländer an Bord zu kriegen. Diese müssten akzeptieren, dass es auch in ihrem Sinne sei, bis 2050 den Ausstoß von Kohlendioxid zu halbieren. "Es sieht so aus, dass man sich hier auf dieses Ziel verständigen kann, und das wäre dann ein bedeutender Fortschritt für das G8-Treffen", sagte der SPD-Politiker.
Klima-Experte: Keine Langfristziele
Greenpeace bestätigte, dass die Schwellenländer zugesagt hätten, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde um nicht mehr als zwei Grad steigen dürfe. Klima-Experte Tobias Münchmeyer sagte, er könne aber die Einschätzung nicht teilen, dass es sich um einen Durchbruch handele. Nach seinen Informationen seien keine Langfristziele zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes abgesteckt worden.
Klimaschutz ist zentrales Thema
Kanzlerin Angela Merkel will bei dem Gipfel vor allem erreichen, dass die Beschlüsse zum Klimaschutz möglichst weit über die des letzten G8-Treffens in Japan hinausgehen. Damals hatten die G8 zwar die Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 als gemeinsame Vision festgeschrieben, in den Beratungen mit den Schwellenländern kam es dagegen zu keinen konkreten Zielsetzungen. Mittelfristige Klimaschutzziele bis 2020 oder 2030 wurden nicht formuliert.
Gipfel im Erdbebengebiet
Am Mittag beginnen im italienischen L`Aquila die eigentlichen Gespräche, wobei die G8-Nationen zunächst unter sich bleiben. Neben dem Klimaschutz ist die Weltwirtschaftskrise Thema. So wollen sich die Staatenlenker für eine verlässliche weltweite Finanzordnung stark machen. Bis Freitag werden in L'Aquila 28 Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt erwartet. Der chinesische Präsident Hu Jin Tau flog allerdings wegen des Uigurenkonflikts wieder zurück nach Peking. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte das Spitzentreffen von Sardinien in die Abruzzenregion verlegt, die im April von einem schweren Erdbeben getroffen wurde.