02.06.2007, 16:05 Uhr | Von Helmut Reuter, dpa
Es waren die Bilder, die alle befürchtet hatten: Brennende Autos, zertrümmerte Schaufensterscheiben, Vermummte, die Steine und Flaschen auf Polizisten schleudern und mit Stangen auf Einsatzautos einprügeln. Auf der Gegenseite: Mit Helmen und Schlagstöcken ausgerüstete Polizisten, die versuchen, der Lage Herr zu werden. Gezielt holen sie Störer aus dem "schwarzen Block".
Bis zum Abend Über 300 verletzte Polizisten
Tränengas wird eingesetzt. Vier Tage vor dem G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm befindet sich die rund 25 Kilometer nordöstlich liegende Hansestadt Rostock im Ausnahmezustand. Die traurige Bilanz allein bis zum frühen Samstagabend: Über 300 verletzte Beamte und zahlreiche verletzte Demonstranten.
Foto-Serie
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Zwei Demonstrationen mit unterschiedlichen Zielen
Die Protestzüge hatten sich am Samstagmittag an zwei unterschiedlichen Ausgangspunkten gesammelt, um zum Stadthafen am Warnowufer zur Abschlusskundgebung zu ziehen. Während der Zug aus Richtung Stadtautobahn weitgehend friedlich gegen die Globalisierung protestiert, zeichnet sich beim zweiten Zug schon früh die Gewaltbereitschaft einiger Teilnehmer ab. In der Innenstadt kommt es zwischen Einsatzkräften und Randalierern zu Szenen, die an Straßenschlachten erinnern.
"Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen"
Zahlreiche Rostocker Geschäftsleute hatten vorsichtshalber ihre Schaufenster mit dicken Brettern vernagelt. Ungeschützte Scheiben gingen zu Bruch. Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: "Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts." Und dann beschwört er noch den Geist von Genua. Die italienische Hafenstadt ging 2001 mit einem zweifelhaften Eintrag in die G8-Annalen ein, als sich militante Demonstranten zwei Tage lang erbitterte Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten.
Mindestens 25.000 Menschen
In Rostock herrscht bis zum frühen Abend völlige Unklarheit darüber, wie viele Demonstranten eigentlich den Weg in die größte Stadt Mecklenburg-Vorpommerns gefunden hatten. Die Polizei spricht von 25.000 bis 30.000. Demonstrationsveranstalter Monty Schädel nennt die Zahl von 70.000 bis 80.000. Angemeldet waren 100.000. Die weitaus meisten Demonstranten protestieren friedlich. Sie nehmen das Veranstaltungsmotto ernst, das aber von den Randalierer ad absurdum geführt wird: "Eine andere Welt ist möglich."
Das Ende des Konfliktmanagements
Im Stadthafen eskaliert die Situation gegen 17.45 Uhr weiter. Es kommt zu tumultartigen Szenen. Mehrere Wasserwerfer werden eingesetzt, viele Teilnehmer, darunter Schaulustige und Rostocker Bürger, verlassen fluchtartig den Platz. Unweit des Veranstaltungsortes steigen dicke, schwarze Rauchschwaden in den grauen Himmel. "Wenn Gewalt gegen Polizisten passiert, hört Konfliktmanagement auf. Da helfen keine Worte mehr", begründet der Sprecher der G8-Polizeieinheit, Axel Falkenberg, das Vorgehen gegen die rund 2000 gewalttätigen Autonomen. Dutzende von ihnen werden festgenommen.
Rostock wieder in den Schlagzeilen
Die Polizei erlebt in Rostock und Heiligendamm mit rund 16 000 Beamten den größten Einsatz in der Geschichte der Bundesrepublik. Am Samstag kam es zur ersten Kraftprobe mit den Autonomen, und die Nacht stand erst noch bevor. Die Bilder von randalierenden G8-Gegnern und brennenden Autos in Rostock gehen schon jetzt um die Welt. Viele Rostocker befürchten einen Imageschaden für die Urlaubsstadt an der Ostsee wie im Jahr 1992. Damals geriet die Stadt in die Schlagzeilen, als Rechtsradikale im Stadtteil Lichtenhagen unter dem Beifall von Demonstranten ein Haus, in dem Asylbewerber lebten, in Brand setzten.
Foto-Serie Der Club der Mächtigen
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Quelle: t-online.de
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