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Fukushima: Flüchtlinge sollen in die erweiterte Evakuierungszone zurückkehren

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Fukushima-Flüchtlinge sollen in Evakuierungszone zurückkehren

09.09.2011, 15:18 Uhr

Die zweite Evakuierungszone, hier die verlassene Stadt Minamisoma, soll bald wieder bevölkert werden. Ob die Bewohner das Risiko in Kauf nehmen? (Quelle: dapd)

Die zweite Evakuierungszone, hier die verlassene Stadt Minamisoma, soll bald wieder bevölkert werden. Ob die Bewohner das Risiko in Kauf nehmen? (Quelle: dapd)

Die japanische Regierung bereitet die Aufhebung der Evakuierungszone im Katastrophengebiet rund um Fukushima vor. Außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone rund um das Atomkraftwerk sollen bald wieder Menschen wohnen. Doch die sind tief verunsichert.

Zwei Wochen ist es her, da erhielt Kimie Furuuchi ein Schreiben, das sie ermuntern sollte, nach Hause zu kommen. "Lieber Minamisoma-Evakuierter...", begann der vom Bürgermeister der in der Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima gelegenen Stadt unterschriebene Brief. "Wir versuchen ein Umfeld zu schaffen, in das alle evakuierten Personen so schnell wie möglich wieder zurückkehren können", schreibt er.

Zehntausende Japaner im Dilemma

Furuuchi hält das für voreilig. Regierungsstellen und Strahlenschutzexperten haben zwar immer wieder gesagt, dass ihre Heimatstadt wieder sicher werden könnte, aber niemand sagt, dass sie sicher ist. Wie Zehntausende andere Japaner lassen diese Aussagen Furuuchi in einem Dilemma zurück: auf die Rückkehr in die eigenen vier Wände verzichten oder eine Gefahr in Kauf nehmen, die niemand abschätzen kann?

Auch wenn die Aufhebung der zweiten Evakuierungszone außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone um Fukushima vorbereitet wird, hängt die langfristige Überlebensfähigkeit der Ortschaften dort von der Bereitschaft der Bewohner ab, das Risiko in Kauf zu nehmen. Für Städte wie Minamisoma werden die kommenden Monate darüber entscheiden, ob sie in ihrer alten Form fortbestehen können.

"Wir wissen nicht, ob die Stadt sicher ist oder nicht"

Deshalb schreibt der Bürgermeister seine Bürger schon an, bevor klar ist, ob die Dekontaminierungsarbeiten erfolgreich waren. "Unser Ziel ist es, die Stadt sicherer zu machen", erklärt Bürgermeister Katsunobu Sakurai. "Aber wir wissen nicht, ob sie sicher ist oder nicht." Selbst die Forschung ist uneins über die Langzeitfolgen niedriger Strahlung, besonders für Kinder und Schwangere.

Seit dem 3. April lebt Furuuchi mit ihren drei Kindern in Chiba, vier Zugstunden von Tokio entfernt. Als die Familie Anfang August Minamisoma besuchte, stellte sie fest, dass die Dinge, die sie an der Stadt besonders geliebt haben, weg waren. Niemand spielte mehr unter freiem Himmel, niemand war am Stand. Die Haupteinkaufsstraße ist nur noch eine trostlose Passage verrammelter Schaufenster.

Minamisoma bietet Furuuchi allerdings eine Sache, die Chiba nicht hat: einen Job. Ihr Krankenhaus bat sie bereits zurückzukommen. Allerdings zweifelt die Krankenschwester daran, dass es sicher ist. Im Gespräch mit ihren Kindern sucht sie nach einer Lösung.

Erst durch Schulkinder hat die Stadt eine Zukunft

In den Tagen nach dem 11. März hatte Minamisoma Glück im Unglück. Das Stadtzentrum liegt rund 25 Kilometer nordwestliche des Atomkraftwerks. Die Strahlenbelastung - 0,61 Mikrosievert pro Stunde Anfang September - beträgt dort nur einen Bruchteil dessen, was näher am Kraftwerk gelegene Städte abbekommen haben.

Eine Person, die sich ein Jahr in der Stadt aufhält, wird wohl nur einem Fünftel oder einem Viertel der von der Regierung erlaubten Strahlenhöchstdosis für Erwachsene von 20 Miliensievert pro Jahr ausgesetzt sein.

Obwohl das Verlassen des zweiten Rings der Evakuierungszone freiwillig war, flohen die Menschen in Scharen. Minamisoma, einst Heimat von 71.000 Menschen, verlor 85 Prozent seiner Einwohner. Nun sind es wieder knapp 40.000. Doch erst wenn die Schulkinder wieder da sind - einer der wichtigsten Indikatoren für die Normalisierung - hat die Stadt eine Zukunft.

"Ich glaube, ich werde zurückkehren"

Furuuchi will nicht zurückkehren. Sie fürchtet, dass in den kommenden Jahren Gesundheitsprobleme auftauchen könnten. Aber weg bleiben kann sie auch nicht. Falls sie kündigt, schuldet sie dem Krankenhaus Zehntausende Euro, die die Klinik in ihre Schwesternausbildung gesteckt hat. Das Geld hat sie nicht. Dabei habe sie die Ausbildung kurz nach ihrer Scheidung gemacht, um mehr Geld zu verdienen und unabhängiger zu sein, sagt Furuuchi.

Nun diskutiert die Familie das einst Unvorstellbare: Mikado, 16, und Tensei, 15, bleiben in Chiba und machen die Schule fertig. Ren, 13, kehrt mit seiner Mutter nach Minamisoma zurück. Dank der staatlichen Unterstützung können Mikado und Tensei fast kostenlos in Chiba wohnen und ein Onkel, der in der Nähe wohnt, passt auf sie auf.

Die Katastrophe habe ihr Leben auf den Kopf gestellt, sagte Furuuchi beim Essen mit ihren Kindern. "Aber ich glaube, ich werde zurückgehen", sagt sie. "Du kannst deine Stelle nicht kündigen", nickt Mikado.


Quelle: dapd

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Kommentare (3)

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Thema: "Fukushima: Flüchtlinge sollen in die erweiterte Evakuierungszone zurückkehren"

Risk schrieb: am 9. September 2011 um 18:55:54
(13) (2) Rückkehr
Kann man gut verstehen, aber ist es nicht ein Eingestehen der Verantwortliche nicht begriffen zu haben. Menschen in ihrer Not
alleine zu lassen im Geisteszustand der Verzweiflung eine Rückkehr zu fördern. Der totale Wahnsinn. Künftige Generationen mit dem Damoklesschwert schwerster Genschäden auszusetzen. Meine Meinung unmenschlich fast als Mord zu bezeichnen. Leute denkt nach das ist die schlechterste Lösung zwar die einfachste . Eure Zukunft gehört euch die Verantwotlichen leben sicher nicht
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Wasnun schrieb: am 9. September 2011 um 18:38:41
(14) (3) Atom-Gau
Der japanischen Regierung kann man nicht über den Weg trauen - das haben die letzten Monate hinreichend bewiesen. Jeder der zurück
geht, riskiert bleibende Gesundheitsschäden. Ist doch totale Verarschung, dieses verstrahlte Gebiet "als sicher" zu bezeichnen.
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Oderaber schrieb: am 9. September 2011 um 17:42:59
(12) (2) Fukushima
Ist zutiefst verständlich, dass die Bewohner, oder besser ehemaligen Bewohner, der Ortschaften rund um das hochverstrahlte Gebiet
des AKW verunsichert sind und Angst haben, gesundheitliche Schäden davonzutragen, wenn sie zurückkehren. Die Informationspolitik von Tepco und jap. Reg. waren auch nicht dazu angetan, diesbezüglich Vertrauen zu schaffen. Ich würde jedenfalls sehen, möglichst viel 'Abstand zwischen mir und dem Katastrophengebiet zu haben.
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