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Frösche bedroht: Tödlicher Pilz könnte die ganze Amphibienart auslöschen

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Mikroskopisch kleiner Pilz könnte Frösche auslöschen

12.02.2008, 09:39 Uhr | Von Wolfgang Runge, dpa

Wie lange noch? Europäischer Laubfrosch sonnt sich auf einem Blatt (Foto: Imago) Wie lange noch? Europäischer Laubfrosch sonnt sich auf einem Blatt (Foto: Imago)Noch quaken die Frösche. Experten befürchten jedoch, es könnte schon bald an unseren Teichen, Seen und auf den Wiesen gespenstisch still werden. Denn ein tödlicher Hautpilz wütet unter den Amphibien: Der mikroskopisch kleine Chytridpilz löscht in kürzester Zeit ganze Bestände aus. Die Tierschutzorganisation Amphibian Ark (Amphibien-Arche) spricht sogar vom größten Artensterben seit dem Tod der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren.

Pilz vernichtet zehn Froscharten pro Jahr

Zurzeit leben weltweit noch rund 5500 Arten von Kröten, Unken und Fröschen. Doch jedes Jahr sterben nach Überzeugung von Amphibian Ark zehn Froscharten allein durch den Chytridpilz aus. Weltweit sind derzeit ein Drittel bis die Hälfte aller Amphibien unmittelbar vom Aussterben bedroht.

Erstickungstod durch verstopfte Hautporen

Zur Rettung der Amphibien seien Aufklärung und Information wichtig, sagt der Geschäftsführer des Wildpark Eekholt bei Großenaspe (Schleswig-Holstein), Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck. "Die Bedrohung durch Chytridpilze kommt fast überall vor. Sie greifen die Haut der Frösche an und verstopfen die Poren. Da die Tiere auch durch ihre Haut atmen, verursacht der Hautpilz Atembeschwerden bis hin zum Tod durch Ersticken." Der Wildpark beteiligt sich an den weltweiten Aktionen zur Rettung der Amphibien.

Nicht anfassen

Für den Laien ist der Pilz oft nur schwer zu erkennen. Die Tiere seien träge, erläutert Kevin Zippel. Ihre Haut verfärbe sich und die obere Hautschicht schäle sich vor allem an den Klauen ab. Keinesfalls solle man die Tiere anfassen. Der Mensch erkranke zwar nicht an dem Pilz, könne ihn aber auf Amphibien übertragen.

Import in den 1930er Jahren?

Über die Herkunft des tödlichen Pilzes gibt es bislang noch keine gesicherten Erkenntnisse. Vermutlich wurden sie jedoch seit den 1930er Jahren durch den weltweiten Export afrikanischer Krallenfrösche in Forschungslabors eingeschleppt. Der Krallenfrosch hat nämlich den Pilz auf seiner Haut, ist selber jedoch gegen dessen tödliche Wirkung immun. Der Pilz könnte aber auch durch den Menschen verbreitet worden sein.

Auch andere Amphibien bedroht

Ist der Chytridpilz erst einmal in einem Gebiet eingeschleppt, bedeutet das binnen weniger Monate für 80 Prozent der Amphibien den Tod - beziehungsweise das Aus für die Hälfte der dort lebenden Amphibienarten. Auch in Deutschland konnte der Pilz schon bei Salamandern und Erdkröten nachgewiesen werden.

Frösche sind wichtig für den Menschen

Frösche, Kröten und Unken haben jedoch nicht nur eine große Bedeutung für die Ökosysteme, sie sind unter anderem auch wichtig für die medizinische Forschung. Zum Beispiel produziert eine Froschart eine chemische Substanz, die ein Schmerzmittel für Menschen sein könnte. Bei einer anderen Art hoffen die Mediziner auf ein Medikament zur Behandlung Aids-Kranker.

"Jahr des Frosches"

Um auf die Bedrohung aller Amphibien hinzuweisen, hat die Weltnaturschutzorganisation IUCN gemeinsam mit dem Weltzooverband WAZA die Amphibian Ark gegründet und das Jahr 2008 zum "Jahr des Frosches" ausgerufen. Im Rahmen dieser Kampagnen werden unter anderem Erhaltungszuchtprojekte koordiniert sowie Aus- und Weiterbildungsangebote zur Haltung und zum Zuchtmanagement angeboten. Auch der Wildpark Eekholt will mit diversen Veranstaltungen informieren und motivieren, sagt von Schenck.


Von Wolfgang Runge, dpa  

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