03.10.2011, 19:51 Uhr
Nobelpreisträger Ralph Steinman ist tot Der 68-Jährige starb drei Tage vor der offiziellen Bekanntgabe. Den Statuten zufolge darf der Nobelpreis nicht posthum verliehen werden.
Der kanadische Wissenschaftler Ralph Steinman, dem heute der diesjährige Medizin-Nobelpreis zuerkannt wurde, ist tot. Steinman starb bereits am Freitag an den Folgen von Krebs, wie sein Arbeitgeber, die New Yorker Rockefeller-Universität, mitteilte. Er hatte demnach seit vier Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gelitten.
Da der Preis nach den gültigen Statuten jedoch nicht Toten zuerkannt werden kann, prüften die schwedischen Juroren eine mögliche Änderung der Statuten für den diesjährigen Medizin-Nobelpreis. Am Abend entschied die Nobelstiftung dann, dass Steinman den Nobelpreis posthum verliehen bekommt, obwohl das gegen die Statuten verstößt.
In der Erklärung der Stiftung hieß es, das Verbot der posthumen Auszeichnung beziehe sich nur auf eine bewusst in diesem Sinne getroffene Wahl. Die Juroren hätten die Entscheidung am Freitag um 14.30 Uhr getroffen, ohne von Steinmans Tod um 11.30 Uhr etwas zu wissen.
Bei der Bekanntgabe des Preises am Morgen wussten die Juroren nicht, dass der Forscher aus Kanada bereits am 30. September im Alter von 68 Jahren an Krebs gestorben war. Die Rockefeller-Universität in New York hatte dies nach der Zuerkennung auf ihrer Internet-Seite mitgeteilt. Er habe mit einer selbstentwickelten Immuntherapie auf Basis der von ihm entdeckten dendritischen Zellen sein Leben noch verlängern können.
Der Präsident der Rockefeller Universität, Marc Tessier-Lavigne, sagte: "Die Nachricht ist bittersüß, da wir diesen Morgen von Ralphs Familie erfahren haben, dass er vor wenigen Tagen nach einem langen Kampf gegen den Krebs gestorben ist. Unsere Gedanken sind bei Ralphs Ehefrau, Kindern und Familie." Seine Tochter Alexis Steinman sagte: "Wir sind alle so berührt, dass die vieljährige harte Arbeit meines Vaters für den Nobelpreis ausgewählt wurde."
Steinman hatte den Nobelpreis zusammen mit dem US-Amerikaner Bruce Beutler und dem gebürtigen Luxemburger Jules Hoffmann zuerkannt bekommen. Die drei Wissenschaftler wurden für ihre Forschungen zum Immunsystem geehrt. "Die diesjährigen Nobelpreisträger haben unser Verständnis des Immunsystems revolutioniert, indem sie zentrale Prinzipien seiner Aktivierung entdeckt haben", hieß es zur Begründung.
Mit ihrer Forschung hätten die drei Wissenschaftler den Weg für neue Therapien bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Aids sowie gegen Krebs und Entzündungen bereitet. Der Nobelpreis für Medizin ist mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.
Beutler und der gebürtige Luxemburger Hoffmann entdeckten Rezeptorproteine, die Bakterien und andere Mikroorganismen bei ihrem Eintritt in den Körper erkennen und die erste Verteidigungslinie des Immunsystems aktivieren können. In der nächsten Phase der Reaktion des Immunsystems kommt die von Steinman entdeckte dendritische Zelle zum Einsatz.
Sie hilft bei der Regulierung des Auswurfs eingedrungener Mikroorganismen aus dem Körper. Durch die Entdeckungen der drei Immunologen konnten unter anderem Impfungen verbessert werden. Auch die Versuche, das Immunsystem beim Angriff auf Tumore zu unterstützen, hätten so verbessert werden können, teilte das Nobelkomitee mit.
Beutler wurde 1957 in Chicago geboren, seit kurzem arbeitet er an der Universität von Texas in Dallas. Jules A. Hofmann kam 1941 in Luxemburg zur Welt, hat aber inzwischen die französische Staatsbürgerschaft. Er soll sich zurzeit auf einem Kolloquium in China aufhalten. Er war auch an der Universität Marburg tätig. Steinman wurde 1943 in Montreal geboren.
Im vergangenen Jahr war der britische Forscher Robert Edwards mit dem Medizin-Nobelpreis geehrt worden. Edwards entwickelte gemeinsam mit seinem 1988 verstorbenen Kollegen Patrick Steptoe die Befruchtung im Reagenzglas.
Bis zum 7. Oktober werden auch die Preisträger für Physik, Chemie, Literatur und Frieden bekannt gegeben. Der Träger des erst später gestifteten Wirtschaftsnobelpreises wird am 10. Oktober bestimmt; diese Auszeichnung wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung geschaffen. Die Preisverleihung erfolgt alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.
Quelle: dpa , AFP , dapd
Dieter schrieb:
am 3. Oktober 2011 um 19:05:27
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Nobelpreis Zuerkennung
Wird der Preis einer Person zuerkannt, wird die Zuerkennung grundsätzlich !!! nicht mehr zurück genommen. Verstirbt
die Person, behält er die Ehrung, die Familie nimmt bei der Preisverleihung den Preis an.
Verweigert der Preisträger die Ehrung, ist er trotzdem "Nobelpreisträger" ( s. Sartre) und wird weiter in den Listen geführt. Sollte die Person durch einen Fehler des Komitees den Preis erhalten, so hat das Komitee ganz einfach "Pech" gehabt. Nachträglich wird ein Titel
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Werner schrieb:
am 3. Oktober 2011 um 19:04:38
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Mittsommer war schuld
da haben die schwedischen Juroren sicher zu viel Mittsommer gefeiert, kann mal passieren...
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Mariella schrieb:
am 3. Oktober 2011 um 18:57:11
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Dann ändert die Vorschriften!
Zeit seines Lebens hat sich dieser Mann der Wissenschat gewidmet. Eine Verleihung posthum an die Hinterbliebenen ist ja wohl das Mindeste!
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