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Friedensnobelpreis geht an Chinesen Liu Xiaobo

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Chinese Liu Xiaobo erhält Friedensnobelpreis

08.10.2010, 12:53 Uhr

Liu Xiaobo sitzt wegen seines politischen Engagements in China im Gefängnis (Foto: dpa)

Liu Xiaobo sitzt wegen seines politischen Engagements in China im Gefängnis (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Das Nobelkomitee trotzt dem politischen Druck der chinesischen Führung und hat den inhaftierten Menschenrechtler Liu Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis 2010 ausgezeichnet. Komiteechef Thorbjørn Jagland begründete die Entscheidung mit dem "langen gewaltlosen Kampf" des Chinesen für die Menschenrechte in seinem Land. Im Vorfeld der Bekanntgabe war auch Altbundeskanzler Helmut Kohl als potentieller Preisträger genannt worden.

Kohl galt in den letzten Jahren wegen seiner Verdienste um die Deutsche Einheit immer wieder als aussichtsreicher Kandidat. Im Vorjahr war US-Präsident Barack Obama ausgezeichnet worden. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt für seine Ostpolitik. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert.

Zu elf Jahren Haft verurteilt

Der 54 Jahre alte Liu galt in diesem Jahr als Favorit auf den Nobelpreis. Er wurde wegen der Mitwirkung bei der Verfassung und Verbreitung der sogenannten Charta 08, einem Aufruf zu umfassenden politischen Reformen in China, zu elf Jahren Haft verurteilt.

"In China sind die Freiheitsrechte weiter eindeutig eingeschränkt", sagte Jagland. Er bestätigte, dass Diplomaten der Regierung in Peking Druck auf das Osloer Komitee ausgeübt hätten, den Preis nicht an Liu oder einen anderen chinesischen Dissidenten zu vergeben. Jagland stellte aber klar: "Wir sind völlig unabhängig in unseren Entscheidungen."

Peking erst verhalten, dann empört

Von der chinesischen Regierung kam zunächst die Meldung, man habe die Preisvergabe "zur Kenntnis genommen". Kurz darauf wurde die Auszeichnung Lius in einer Erklärung des Außenministeriums dann scharf verurteilt, auch das Nobelkomitee griffen die Chinesen an.

Liu sei "ein Krimineller", der wegen Gesetzesverstößen durch chinesische Justizorgane verurteilt worden sei, hieß es in der Erklärung. Die Vergabe durch das Nobelkomitee an solche Leute widerspreche völlig dem Ziel der Auszeichnung, es sei auch "eine Schmähung" des Preises. Die Verleihung werde den chinesisch-norwegischen Beziehungen schaden.

Menschenrechtler begrüßen Entscheidung

Chinesische Intellektuelle begrüßten die Auszeichnung Lius derweil als Ermutigung für die demokratischen Kräfte. "Die internationale Gemeinschaft zeigt, dass sie sich um jene sorgt, die in China in der Demokratiebewegung mitarbeiten und die Menschenrechte voranbringen wollen", sagte der langjährige Rechtsaktivist Yao Lifa.

"Er hat es verdient", sagte der Bürgerrechtler Teng Biao. "In den vergangenen 20 Jahren hat Liu Xiaobo friedlich für Demokratie und Menschenrechte gekämpft." Die Auszeichnung ehre symbolisch den gesamten Demokratisierungsprozess in China.

Amnesty International lobte ebenfalls die Entscheidung des Nobelkomitees. "Liu Xiaobo hat den Friedensnobelpreis mehr als verdient. Er steht stellvertretend für all diejenigen, die sich in China für die Menschenrechte einsetzen", erklärte die Menschenrechtsorganisation. Alle "gewaltlosen politischen Gefangenen in China" müssten freigelassen werden.

Lius Frau Liu Xia berichtete kurz vor der Verleihung, die geistige Verfassung ihres Mannes sei recht gut, doch leide er in der Haft immer wieder unter Magenproblemen. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er den Nobelpreis gewinnen würde", sagte sie. "Deswegen ist es umso schwerer, mir vorzustellen, wie sich alles entwickeln wird, nachdem er ihn bekommen hat."

In diesem Frühjahr war Liu von Peking in das weit entfernt gelegene Gefängnis Jinzhou in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang verlegt worden. Die Staatssicherheit hatte seine Frau am Abend vor der Vergabe des Friedensnobelpreises wegen des großen internationalen Medieninteresses aufgefordert, Peking zu verlassen. Liu Xia kam der Aufforderung aber nicht nach.

Wer nimmt den Preis entgegen?

Wegen der Inhaftierung Lius stellt sich die Frage, wer die Auszeichnung entgegennehmen wird. "Wir wissen es noch nicht. Das ist etwas, das wir außer acht lassen, wenn wir den Preisträger bestimmen", sagte Komiteechef Jagland. Die Preisverleihung findet am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, statt. Das Komitee habe bislang weder Liu noch seine Frau anrufen können, um ihnen die Entscheidung mitteilen zu können, fügte Jagland hinzu. "Wir werden die chinesischen Behörden bitten, die Nachricht Liu zu überbringen."


Quelle: dapd , AFP , dpa

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Kommentare (336)

zum Forum

Thema: "Friedensnobelpreis geht an Chinesen Liu Xiaobo"

Pete schrieb: am 8. Oktober 2010 um 19:11:02
(0) (0) blühende Landschaften
die ehemals versprochenen "blühenden Landschaften" von Herrn Kohl finden wir jetzt bei den Managern, den Bankern und
Banken, bei der Pharma-Lobby, den Krankenkassen, den Versicherungen etc. vor
mehr Kommentar melden

Berliner schrieb: am 8. Oktober 2010 um 19:03:41
(0) (0) Friedensnobelpreis
Makaber: "Demokraten" wie Merkel finden sowohl diese Verleihung als auch die von Mappus & Rech praktizierte "chinesische
Lösung" gut. Daß der Mappus nun auch noch nach Saudi-Arabien will, ist auch bezeichnend, denn dort prügelt ein Prinz einfach mal so seinen Diener tot. Sollte man mit seinen undankbaren Landeskindern vielleicht auch so machen, wenn sie nochmal aufmucken.
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FJS schrieb: am 8. Oktober 2010 um 18:52:48
(0) (0) Kohl als Friedensnobelpreisträger?
..für was? Und dann auch noch auf einer Stufe mit Willy Brandt? DAS wäre aber peinlich !!

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