19.11.2010, 10:22 Uhr
Je beliebter ein Makakenmännchen, desto erfolgreicher ist es (Foto: dapd)
Richtige Männerfreundschaften sind ein Garant für sozialen Aufstieg und Erfolg - zumindest für Makaken ist dies jetzt wissenschaftlich erwiesen. Je geselliger ein Männchen ist, desto besser stehen seine Chancen, sich zu vermehren, hat ein deutsches Forscherteam entdeckt.
Das Prinzip dahinter: Die Beziehungen - und zwar sowohl mit verwandten als auch mit nicht verwandten Artgenossen - verhelfen den Primaten zum Aufstieg in der sozialen Hierarchie in ihrer Gruppe. Damit erhöht sich für die Affen die Wahrscheinlichkeit, dass sie Nachwuchs zeugen.
Bisher hatten die Forscher angenommen, dass es enge Beziehungen zwischen Männchen in der Tierwelt nur unter Verwandten gibt. Denn diese helfen bei der Weitergabe der eigenen Gene - und nur darum gehe es der gängigen Theorie nach, berichten die Wissenschaftler um Oliver Schülke von der Georg-August-Universität Göttingen im Fachjournal "Current Biology".
Über zwei Jahre hatten sich die Forscher auf die Lauer gelegt: Im Phu-Khieo-Naturschutzgebiet im Nordosten Thailands beobachteten sie eine 60-köpfige Gruppe freilebender Assam-Makaken, in der zwölf männliche Tiere lebten. Ziel war es, festzustellen, ob die Männchen untereinander freundschaftliche Beziehungen pflegten. Und wenn, ob und wie die Kontakte den Tieren Vorteile verschafften.
Um herauszufinden, welcher Primat mit wem verwandt war und wer wie viele Nachkommen gezeugt hatte, nahmen die Wissenschaftler zudem DNA-Proben aller Tiere und untersuchten sie im Labor.
Die männlichen Makaken bauten intensive Männerfreundschaften in der Gruppe auf, beobachtete das Forscherteam. Sie verbrachten viel Zeit miteinander und lausten sich häufig gegenseitig das Fell. Diese Beziehungen beschränkten sich aber nicht nur auf Verwandte, wie die Forscher zunächst erwartet hatten: Auch mit Blutsfremden knüpften die Affen intensive Kontakte.
"Anders als bei Weibchen geht es dabei nicht um den Zugang zu knappen Ressourcen, sondern um die Manipulation der eigenen und der Sozialbeziehungen anderer - also um Politik", sagte Oliver Schülke. Dabei sei nicht die Anzahl, sondern die Stärke der Bünde für die Koalition und den Aufstieg entscheidend. "Je enger die Bindung eines Männchens zu Geschlechtsgenossen ist, desto öfter geht es erfolgreich Koalitionen gegen andere Männchen ein."
Ein Makaken-Affe, der vor vier Jahren die engsten drei Bindungen in der Gruppe hatte, sei stetig im Rang gestiegen und stehe heute mit seinem besten Freund an der Spitze der Hierarchie. Mit dem Aufstieg stieg zugleich die Anzahl der gezeugten Nachkommen.
Bisher war von Schimpansen bereits bekannt, dass starke Bindungen zwischen männlichen Tieren den Zusammenhalt unter den Kameraden fördern, wenn es darum geht, hierarchische Stellungen zu verteidigen. Doch die Menschenaffen unterscheiden sich von Makaken, betonen die Forscher.
Während Schimpansen ihr ganzes Leben in der gleichen Gruppe verbringen, verlassen Makaken früher oder später die Gemeinschaft, in der sie geboren wurden. Schimpansen freunden sich demnach meist mit Brüdern und anderen Blutsverwandten an - Makaken dagegen vor allem mit Nichtverwandten.
Quelle: dpa , dapd
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