21.03.2011, 11:26 Uhr
Künstler in Deutschland pfeifen finanziell oft aus dem letzten Loch (Foto: Imago)
Wie brotlos Kunst tatsächlich ist, zeigt jetzt eine umfangreiche Untersuchung zur Lage freier darstellender Künstler in Deutschland: Sie sind hochflexibel, überdurchschnittlich gebildet, engagiert und kinderlos, organisieren sich zum großen Teil als selbstständige Kleinunternehmer - und stehen finanziell miserabel da. Ihr Durchschnittseinkommen ist lächerlich gering, soziale Absicherung so gut wie nicht vorhanden, fast allen droht die Altersarmut.
Wie viel erschreckende Wahrheit in der Redewendung von der brotlosen Kunst steckt, belegt jetzt der "Report Darstellende Künste" über die wirtschaftliche, soziale und arbeitsrechtliche Lage der Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland. Vorgelegt wird das mehr als 700 Seiten dicke Werk vom Fonds Darstellende Künste in Zusammenarbeit mit der Kulturpolitischen Gesellschaft.
Grundlage des Reports waren nationale und internationale Studien, die Ergebnisse eines Symposiums, eine Fragebogenaktion und Interviews. Die bilden die ernüchternden Arbeits- und Lebensbedingungen deutscher Tanz- und Theaterkünstler schnörkellos ab - in bemerkenswerten Aufsätzen über die Rolle der Künstler und ihre gesellschaftlichen Aufgaben, meistens aber in nackten Zahlen, die für sich sprechen.
Die Aussagen der empirischen Studie sind für die freien und selbstständigen professionellen Theater- und Tanzschaffenden repräsentativ, aber nicht für die an festen Häusern sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Trauriges Fazit: "Für die Mehrheit der Theater- und Tanzschaffenden hat sich die wirtschaftliche und soziale Lage in den letzten Jahren deutlich verschlechtert."
Weil etwa 50 Prozent der darstellenden Künstler von ihrer Kunst allein nicht leben können, müssen sie mit anderen Berufen Geld verdienen. Sie versuchen sich notgedrungen im freien Unternehmertum als Selbstständige, sind auf besser verdienende Partner angewiesen oder bekommen noch lange von den Eltern etwas zugesteckt - sofern die dazu in der Lage sind.
Selbstmanagement gehört dazu, wenn man wie 62 Prozent der darstellenden Künstler in anderen Orten als dem Wohnort tätig ist (davon 47 Prozent im Ausland). Und wenn man, in Zeiten kommunaler Finanznot bedroht von Subventionskürzungen oder Strukturreformen, jederzeit sozusagen von der Bühne gefegt werden kann. Wen wundert es da, dass 66 Prozent kinderlos sind.
Das durchschnittliche Einkommen eines freien darstellenden Künstlers beträgt rund 12.300 Euro - im Jahr, nicht im Monat. Damit liegt es etwa 40 Prozent unter dem aller Arbeitnehmer in Deutschland einschließlich geringfügig Beschäftigter. Aus der günstigen Künstlersozialkasse fallen viele heraus oder werden gar nicht erst aufgenommen, wenn sie zu wenig im rein künstlerischen Bereich verdienen. Geld für private Altersvorsorge ist da nicht vorhanden, Altersarmut programmiert. Wer die Selbstständigkeit wählt, muss sich dann auch selbst versichern, doch wovon?
Das geht heute vielen so? Stimmt. Auch die "Generation Praktikum" kämpft mit ähnlichen Problemen. "Prekäre Soloselbstständigkeit ist ein allgemeingesellschaftliches Problem geworden", sagt ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums. Immer mehr Menschen fallen durch die Maschen des sozialen Sicherungsnetzes. Eine Kommission werde sich daher ab April auf Bundesebene mit der Bekämpfung von Altersarmut und der Anpassung von Rentenversicherungen befassen.
Künstler jedoch klagen meistens nicht - jedenfalls nicht laut und leider auch kaum auf politischer Ebene. An den Mangelzustand, an Unsicherheit und Auftragsflauten sind sie gewöhnt - 63 Prozent sind laut Report vier bis fünf Monate im Jahr nicht mit Aufträgen eingedeckt.
Eine Neustrukturierung des Subventionssystems sowie ein Umbau der Theaterlandschaft sind nach Ansicht vieler Report-Autoren längst überfällig. Stetig sinkende Kulturhaushalte - mit den jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für Kunst und Kultur von 100 Euro rangiere die "Kulturnation Deutschland" im europäischen Vergleich nur im unteren Mittelfeld. Manche machen eine schwindende Solidarität unter den Künstlern aus.
Die Theatermacher Matthias von Hartz und Tom Stromberg wissen aus Erfahrung: "Theater jenseits der Stadttheater ist noch immer skandalös schlecht finanziert und medial unterrepräsentiert."
Quelle: dpa
tax schrieb:
am 21. März 2011 um 20:36:43
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Freischaffende Künstler in Deutschland: Flexibel, gebildet und arm"
Vielleicht sollten die Künstler tatsächlich Kunst machen und nicht
unverkäufliche Kritzeleien. Nur Picasso und dergleichen haben es geschafft, ihre "Werke" an den Mann zu bringen. Picasso konnta aber auch richtig malen.
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B. Büttner schrieb:
am 21. März 2011 um 18:59:25
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Arme Kunstschaffende
Genauso sieht es auch bei den Kunstmalern aus.
Es gibt zu wenige Kunstkenner und -erwerber.
Es werden leider oft nur
Kopien erworben, weil einfach kein Kunstverständ-nis in den Ausbildungen der Bevölkerung angeregt und verankert wurde.
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Ostern schrieb:
am 21. März 2011 um 17:11:45
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Eier
Es gibt mittlerweile Menschen die können noch nicht mal ein Osterei anmalen.
Weil sie es nicht können. Ihnen ist das künstleriche
abhanden gekommen.
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