07.07.2010, 12:55 Uhr | ak
Sakineh Mohamamadi e Ashtiani soll wegen Ehebruchs gesteinigt werden. (Foto: Screenshot CNN)
Erneut soll im Iran eine Frau gesteinigt werden. Die 43 Jahre alte Sakinah Mohamamadi-i-Ashtiani wird vorgeworfen Ehebruch begangen zu haben, berichtet der Nachrichtensender CNN. Ihr Sohn Sajjad Mohammedi-i-Ashtiani bittet jetzt an höchster Stelle um Gnade. Doch bisher muss er noch auf eine Antwort des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad oder dem politischen und religiösen Führer Irans, Ajatolla Ali Chamenei, warten.
Vor fünf Jahren wurde die damals verheiratete Frau bereits der "gesetzwidrigen Beziehung außerhalb der Ehe" für schuldig befunden. Damals wurde sie zu 99 Schlägen verurteilt. Sie ertrug die Strafe vor den Augen ihres damals 17 Jahre alten Sohnes Sajjad: "Die Obrigkeit hatte gefragt, ob ich draußen warten will, ich sagte, 'nein'. Ich konnte meine Mutter nicht alleine lassen", so der Sohn gegenüber CNN.
Nach den Schlägen wurde der Fall von einem Gericht in Täbris neu aufgerollt, weil Ashtiani angeblich etwas mit der Ermordung ihres Ehemannes zu tun gehabt haben sollte. Vom Vorwurf des Mordes wurde sie freigesprochen, doch der Fall des Ehebruchs wurde neu untersucht und nach dem "Wissen der Richter" eine neue Strafe festgesetzt. So wurde sie 2006 zusätzlich zur Steinigung bis zum Tod verurteilt.
"Zu dieser Zeit hätte es eigentlich vorbei sein sollen. Sie hätten sie nur einmal bestrafen sollen. Ihre Unterlagen belegen, dass sie unschuldig ist. Sie hat für die Tat bereits vor fünf Jahren bezahlt", so ihr Sohn gegenüber CNN.
Doch das Urteil ist rechtskräftig. Ashtianis Todesurteil kann nur durch eine Begnadigung von höchster Stelle verhindert werden. Menschenrechtsorganisationen protestieren gegen das Urteil und hoffen auf internationale Unterstützung.
"Rechtlich sind wir durch, da haben wir keine Chance. Sakinah kann jeden Moment gesteinigt werden", so die Menschenrechtlerin Mina Ahadi zu CNN. Sie selbst war vor rund 30 Jahren selbst vor einem Todesurteil im Iran geflohen und lebt heute in Deutschland. Ahadi hofft jetzt auf weltweiten Protest und Druck der europäischen Regierungen, auf das islamische Regime im Iran. So habe man manchmal eine Chance.
Mit einem offenen Schreiben wendete sich der Sohn Sajjad ebenfalls an die iranischen Staatsführung: „Sehr geehrter Herr Chamenei, sehr geehrter Herr Ahmadinedschad und Herr Larajani. Um alles, was ich erbitte, ist ein Brief. Ich möchte einen Brief für meine liebe Mutter. Bitte schreiben Sie dieses Begnadigungsschreiben, weil sie unschuldig ist."
Unterstützung erhält Ashtiani von einem bekannten iranischen Anwalt, Mohammed Mostafaei. "Das ist ein absolut illegales Urteil. Zwei von fünf Richtern, die Sakineh's Fall im Gefängnis von Täbris untersucht haben, kamen zu dem Ergebnis, dass es keinen juristischen Beweis für den Ehebruch gibt", so der Anwalt. "Nach dem Gesetz braucht aber ein Todesurteil und ganz besonders die Steinigung, explizite Beweise und Zeugen. Während in ihrem Fall überraschenderweise allein das 'Wissen der Richter' ausreichte."
Zusammen mit Ashtiani warten noch weitere Frauen im Iran auf ihre Steinigung. Mina Ahadi berichtet, dass sie noch von zwölf weiteren Frauen im Iran weiß, so "The Guardian". Allerdings schätzt sie die Dunkelziffer weit höher ein. "Steinigung ist nicht nur eine juristische Strafe. Es ist auch ein politisches Instrument in der Hand der iranischen Regierung, um den Menschen zu drohen", so Ahadi.
Jeden Montag darf Sajjad seine Mutter hinter einer Glasscheibe im Gefängnis für 15 Minuten sehen. Sie beide wissen nicht, wann es der letzte Besuch sein wird.
Quelle: t-online.de
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