25.02.2010, 12:58 Uhr | Von Sebastian Döring, dpa
Stark Bier zapfen ist zwar nicht unbedingt gleich Starkbier zapfen, aber wer das fränkische oder schottische Gebräu genießt, dürfte schnell eine solche Optik bekommen (Foto: imago) (Quelle: imago)
High Noon auf dem Bierboulevard: Um das stärkste Bier der Welt ist ein erbittertes Duell zwischen zwei kleinen Brauereien ausgebrochen. Franken, von den Bayern besetzt, und Schotten, von den Briten besetzt, reklamieren den Titel jeweils für sich. Was als Schnapsidee begann, hat sich zu einem bierernsten Kräftemessen hochgeschaukelt. Die Rivalen überbieten sich seit Monaten darin, wie viel Alkohol sie in den Gerstensaft pumpen können - und ernten von Behörden Unverständnis darüber, wie sie auf diese Weise verantwortungslosen Alkoholkonsum anheizen.
Das jüngste Gebräu der Schotten heißt "Sink the Bismarck" und ist eine Kampfansage an die Deutschen. Es ist nach dem Kriegsfilm "Die letzte Fahrt der Bismarck" aus dem Jahr 1960 benannt. Darin geht es um die Jagd der britischen Marine auf das deutsche Schlachtschiff "Bismarck", das 1941 im Atlantik versenkt wurde. Das schottische Bier hat 41 Volumenprozente, das ist derzeit ein Prozent mehr als die fränkische Konkurrenz namens "Schorschbock". Beide Biere können es so locker mit Whiskey oder Wodka aufnehmen.
Die Schotten wollen "Bier auf eine völlig neue Ebene heben", verkündet der Chef des Herstellers BrewDog, James Watt. Der "schreckliche Ruf" von Gerstensaft auf der Insel soll damit der Vergangenheit angehören. Eigentlich will Watt einen respektvollen Genuss und Exklusivität in den Vordergrund rücken. Die schottische Gesundheitsbehörde findet diese Art von "Braukunst" allerdings unverantwortlich gegenüber dem Säufer ... ähem ... Verbraucher.
Und damit nicht genug: Der fränkische "Schorschbock"-Braumeister Georg Tscheuschner zweifelt den neuen Weltrekord auch noch an. Er vermutet, dass die Schotten das Bier in Whiskyfässern gelagert haben und es dadurch zusätzlich Whisky-Alkohol aufgenommen hat. Er sei gerade dabei, dies zu überprüfen. "Ich möchte, dass es einen fairen Wettbewerb gibt", versichert der Chef der Brauerei Schorschbräu im fränkischen Gunzenhausen. Er wolle in Kürze gegenhalten und ein Bier mit 45 Volumenprozent Alkohol herausbringen.
Der wahnwitzig hohe Alkoholgehalt wird erreicht, erklärt Tscheuschner, indem man im sogenannten Eisbockverfahren das Bier gefriert und die Eiskristalle abtrennt. In der übriggebliebenen Flüssigkeit sei die Alkohol- und Zuckerkonzentration dann wesentlich höher.
Eine Massenproduktion ist in beiden Fällen aber nicht geplant. Eine 0,33-Liter-Flasche "Sink the Bismarck" gibt es für 40 Pfund (46 Euro). Schorschbräu produziert limitierte Auflagen von jährlich 1000 Flaschen. Von dem 40-prozentigen "Rekordbier" seien bisher 95 Flaschen hergestellt worden. Die Flasche kostet 99 Euro. Es handle sich um eine Spezialität für Sammler und Liebhaber.
Von Sebastian Döring, dpa
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