Eine Seite aus einer erhaltenen Gutenbergbibel, die in Kalifornien aufbewahrt wird (Archivfoto: AFP)
Im Einband eines alten Gebetsbüchleins hat eine Bibliothekarin im elsässischen Colmar zwei Fragmente einer Gutenberg-Bibel gefunden. Wie ein Sprecher der Stadtbücherei am Freitag erläuterte, handelt es sich um Ausschnitte aus dem Buch des Propheten Maleachi, gedruckt auf pergamentartigem Velinpapier.
Die Seiten wurden den Angaben zufolge offenbar im Jahre 1510 für die Restaurierung des handgeschriebenen Gebetsbuches verwendet - rund 60 Jahre nach dem Druck der Gutenberg-Bibel.
Das Gebetsbuch gehörte einem elsässischen Adeligen und gelangte während der französischen Revolution in den Besitz der Stadt Colmar. Gefunden wurden die Fragmente von einer Assistentin, die für einen Forscher nach Ausschnitten alter hebräischer Texte suchte. Dazu durchforstete sie in der Stadtbibliothek den Einband von Büchern aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Damals war es üblich, zur Verstärkung des Einbands von Manuskripten Seiten beschädigter Bücher zu verwenden.
Fachleute lösen Fragmente von Einband
Ihr seien die für die Gutenberg-Bibel typischen gotischen Satztypen und die beiden Spalten mit jeweils 42 Zeichen ins Auge gefallen, berichtete die Bibliothekarin. Dank einer Kopie der Bibel habe sie die fraglichen Fragmente zuordnen können. Sie sollen nun von Fachleuten vom Einband gelöst werden. Die Bibliothek von Colmar besitzt rund Tausend Manuskripte aus dem Mittelalter und an die 2200 Inkunabeln.
Nur noch rund 50 Exemplare der Original-Bibel
Johannes Gutenberg, der Erfinder der Buchdruckkunst, druckte seine berühmte Bibel zwischen 1452 und 1454 in Mainz in 180 Exemplaren - 150 auf Velinpapier und 30 auf Pergament. Weltweit sind noch rund 50 Exemplare und Fragmente der Original-Bibel erhalten. Das zweibändige Werk umfasst insgesamt 1282 Seiten.