Im August 2007 machte Angela Merkel sich auf diesem Boot in Grönland selbst ein Bild vom schmelzenden Eis. (Foto: Reuters)
Der Klimawandel schreitet schneller voran als gedacht. "In fast allen Bereichen verlaufen die Entwicklungen schneller als bisher angenommen", sagte der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber der "Saarbrücker Zeitung". Der Forscher warnt vor einer dramatischen Beschleunigung der Erderwärmung.
"Wir sind auf dem Weg zur Destabilisierung des Weltklimas viel weiter fortgeschritten, als die meisten Menschen und ihre Regierungen denken", sagte der Klimaschutzbeauftragte der Bundesregierung. So deute vieles darauf hin, dass derzeit einige globale Klima-"Kipppunkte" aktiviert würden.
Das arktische Meereis etwa schmelze schneller als erwartet, zudem gebe es Anzeichen, dass das gesamte Klimamuster am Nordpol "bereits in einen neuen Zustand umgeschlagen ist". Für die Arktis sei bei der jetzigen Erderwärmung von 0,8 Grad die Grenzlinie offenbar überschritten.
Auch das Grönlandeis schmelze schneller als erwartet. Bei "der Achilles-Ferse des Planeten schlechthin" liege die Grenze bei etwa zwei Grad Erderwärmung. Wenn das Grönlandeis komplett kollabieren sollte, würde der Meeresspiegel laut Schellnhuber um sieben Meter ansteigen. "Dann gäbe es die heutigen Küsten nicht mehr, auch nicht in Deutschland". Es gebe rund ein Dutzend Kipp-Element im globalen Klimasystem, darunter auch der Amazonas-Regenwald und die Himalaja-Gletscher.
Nur wenn die Erderwärmung bei zwei Grad gehalten werde, könne man die meisten dieser Kipp-Vorgänge vermeiden, "möglicherweise aber nicht alle". Dazu müsse der globale CO2-Ausstoß bis 2050 halbiert werden, was für die Industrieländer ein Minus von 80 bis 90 Prozent bedeute. Bis 2020 müsse dieser Prozess eingeleitet sein. "Wenn nur eine Seite versagt, Industrieländer oder Schwellenländer, dann ist ein desaströser Klimawandel unvermeidbar", sagte Schellnhuber der "Saarbrücker Zeitung".