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Forscher glauben an Intelligenz bei Pflanzen

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Pflanzen wehren Feinde ab und kommunizieren miteinander

24.07.2010, 08:43 Uhr

Die Venusfliegenfalle reagiert auf Beute, die auf ihren Blättern landet - und schnappt zu (Foto: imago)

Die Venusfliegenfalle reagiert auf Beute, die auf ihren Blättern landet - und schnappt zu (Foto: imago)

Pflanzen wachsen still vor sich hin? Nichts ist falscher als das! In Wirklichkeit reden sie miteinander, streiten sich, kämpfen um ihr Territorium - und verbrüdern sich wenn nötig mit ihren Verwandten. Manche Forscher glauben, dass Pflanzen eine eigene Intelligenz besitzen und sprechen schon vom "Wood Wide Web", dem Kommunikationsnetzwerk der Pflanzen.

Mit jeder entsprechenden Erkenntnis schrumpft der Unterschied zwischen Tier- und Pflanzenwelt, wie die Zeitschrift "Wunderwelt Wissen" in der Ausgabe 04/2010 berichtet. Ein eindrucksvolles Beispiel liefere die Venusfliegenfalle, die bekannteste fleischfressende Pflanze: Sobald ein Insekt eines der Härchen am Blattrand berührt, macht sich ein elektrisches Signal mit einer Geschwindigkeit von zehn Zentimetern pro Sekunde auf den Weg. Zum Vergleich: Menschliche Nerven bringen es in derselben Zeit auf bis zu 120 Meter. Ist der Reiz an der Blattmittelrippe angekommen, wo der Klappmotor sitzt, schnappt die Falle zu, und das Blatt umschließt seine Beute.

Die Venusfliegenfalle hat zwar eine lange Leitung - aber sie hat eine

Erstaunlich ist dabei, dass der Mechanismus erst anspringt, wenn die Härchen zweimal innerhalb von 40 Sekunden stimuliert wurden. So vermeidet es die Venusfliegenfalle, Energie zu vergeuden. Sie verfügt also über eine Datenverarbeitung, eine Art von Intelligenz. Fällt sie trotzdem mal auf einen falschen Reiz herein, öffnet sie das Blatt spätestens nach einer halben Stunde wieder, weil die Nahrung ausbleibt. Die Pflanze hat zwar eine lange Leitung, reagiert aber ziemlich clever.

Akazien rächen sich an Antilopen

Ob Grünzeug Grips hat, damit hat sich auch schon das Magazin "P.M." beschäftigt: Danach verendeten 1990 in Südafrika 3000 Antilopen, weil sich Akazienbäume "gerächt" hatten. Dem Magazin zufolge halten die Akazien ihre Fressfeinde fern, indem sie bei Gefahr die Konzentration des giftigen Bitterstoffs Tannin in ihren Blättern bis zu einer tödlichen Dosis steigern. Gleichzeitig setzen sie das farblose, süßlich riechende Gas Ethylen frei, das der Wind zu den anderen Bäumen trägt - die auf dieses Alarmsignal hin ebenfalls ihre Giftstoffproduktion erhöhen.

Antilopen kennen die Gefahr, wie "P.M." betont: Normalerweise fressen sie niemals länger als zehn Minuten von den Blättern ein und desselben Akazienbaums. Dann wechseln sie zu einem anderen Baum – und laufen dabei immer gegen die Windrichtung. Nur dort finden sie noch nicht gewarnte Akazien. Dass es dennoch zu dem Massensterben in Südafrika kam, hatte demnach diesen Grund: Als die Preise für Antilopenfleisch stiegen, wurden die Tiere in Gehegen gezüchtet. Und da die Zäune sie am Weiterziehen hinderten, fraßen sie weit länger von den Akazien als in freier Wildbahn. Das war ihr Tod.

Sparsame Schmarotzer-Pflanze

Der britische Pflanzenforscher Anthony Trewavas von der Universität Edinburgh glaubt an die Intelligenz von Pflanzen, wie die Schweizer Wochenzeitung "WoZ" berichtet. Sein Lieblingsbeispiel: die in der Schweiz wachsende Schmarotzer-Pflanze Quendelseide. Die Schlingpflanze gehe sehr berechnend in der Wahl ihrer Wirtspflanze vor. Die Quendelseide schätze offenbar vorher ab, welche Ausbeute an Nährstoffen und Wasser zu erwarten ist. Von dieser Prognose hänge ab, wie viele Windungen sie um die Pflanze legt, um sie anzuzapfen. Je mehr Windungen, desto mehr Sprossen. Wenn die Wirtspflanze dagegen nicht so viel zu bieten hat, spare die Quendelseide an Windungen und Sprossen, um keine unnötige Energie zu verschwenden.

Schlauer Rosenkohl

Die Biologin Monika Hilker von der Freien Universität Berlin untersuchte das Verteidigungsverhalten von Rosenkohl und publizierte ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Biological Review". Demnach ändere der Rosenkohl seine Blattoberfläche, falls ein Schmetterling seine Eier auf ihnen ablegt. Dadurch locke er parasitäre Wespen an, die dann ihre für den Rosenkohl ungefährlichen Eier in die der Schmetterlinge legen. Die Schmetterlingseier würden dann von den Wespenlarven gefressen, so Hilger.

Mais wehrt Raupen ab

Raupenalarm im Maisfeld! In seiner Not produziert der Mais einen Duftstoff, wie Susanne Billig und Petra Geist in einem Beitrag für "Deutschland-Radio Wissen" schildern. Das ganze Maisfeld sende SOS. Der Mais lockt damit die Schlupfwespe "Cotesia marginiventris" herbei. Ihre Larven verspeisen die Raupen - von innen.

Weltweites Kommunikationsnetz über Pilzfäden?

Pflanzen kommunizierten jedoch nicht nur über- sondern auch unterirdisch, heißt es weiter. Forscher sprächen bereits vom "Wood Wide Web" statt vom "World Wide Web". Dabei spielten Pilze eine entscheidende Rolle. Sie helfen den Pflanzen, die Nährstoffe zu erschließen. Das unterirdische System von Pilzfäden existiere für jeden Baum und sei eventuell über die ganze Erde verteilt, wie Forscher vermuten.


Quelle: t-online.de

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