
17.01.2011, 13:35 Uhr | pat
Auf US-Soldaten im Einsatz (hier ein Hauptquartier in Katar) prasselt oft eine Fülle von Informationen ein (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Im Hightech-Krieg sorgt die rapide anwachsende Flut von Information und Kommunikation für Stress. Das ist kein akademisches Problem, wie aktuelle US-Untersuchungen zeigen: In einem konkreten Fall verlor eine Drohnen-Crew den Überblick - und 23 afghanische Zivilisten ihr Leben.
Februar 2010, eine Airforce-Base im US-Bundesstaat Nevada: Ein Drohnen-Steuermann und sein Team beobachten eine Menschenansammlung in Afghanistan. Sind es feindliche Kräfte - oder Zivilisten? Die Mannschaft wertet die Bilder aus, der Stress nimmt zu. Der Mann und sein Team stehen unter kommunikativem Feuer: Neben der Evaluierung der Videobilder arbeiteten sie eine Fülle von Instant-Messenger-Nachrichten, Funksprüchen und Anrufen ab - von Vorgesetzten, von Bodentruppen vor Ort, angeblich auch private Nachrichten, möglicherweise sogar von ihren Kindern.
Gleichzeitig treffen sie ihre Entscheidung. Nach bisherigem Kenntnisstand ist es eine Fehleinschätzung, die 23 Zivilisten ihr Leben kostete. Der Fall wird noch untersucht und könnte zu einem Militärgerichtsverfahren führen.
Inzwischen beginnen die US-Streitkräfte, die potentiell tödlichen Nebenwirkungen ihres selbstverursachten Information Overload zu erfassen. Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 und den darauf folgenden Konflikten in Afghanistan und Irak, berichtet die "New York Times" in einem bemerkenswerten Artikel zum Thema, sei allein die Datenfülle, die durch elektronische Spähtechnik in jedem Augenblick zusammengetragen wird, um 1600 Prozent gestiegen. Parallel dazu wachse mit der immer besseren kommunikativen Vernetzung auch das Kommunikationsaufkommen.
Das Problem dabei: Ausgewertet werden muss diese Datenfülle am Ende von Menschen, die darauf basierend Entscheidungen zu treffen haben, die Menschenleben kosten können. Und dabei, berichtet die "Times", könne es zu fatalen Fehleinschätzungen kommen.
Die Drohnen-Crew im Kommunikationsgewitter gehört wohl zu den krassesten Beispielen für ein Phänomen, das den US-Strategen zunehmend Kopfschmerzen bereitet: Die schädlichen Nebenwirkungen der aus militärischer Sicht segensreichen Informationsflut und der wachsenden Multitasking-Mentalität einer mit Digitalmedien sozialisierten Soldatengeneration. Anders als erhofft zeigt die sich aber zwar zunehmend Multitasking-bereit, aber nicht unbedingt besser als frühere Generationen in der Verarbeitung solcher Informationsfüllen.
Was im Auftrag der US-Militärs tätige Forscher zu dem Thema beizutragen haben, stimmt nicht unbedingt optimistisch. In mehreren Studienprogrammen versucht das US-Militär zurzeit, den Effekten und Konsequenzen des Multitasking beizukommen. Zum einen stelle man dabei fest, dass heutige Soldaten durchaus in der Lage seien, verschiedene, sich eigentlich widersprechende Aufgaben zeitgleich zu erledigen. Zum anderen gelinge das aber nur in Maßen: Mit Digitalmedien sozialisierte, an Multitasking gewöhnte Soldaten zeigten auch eine eingeschränkte Fähigkeit zur Konzentration auf das Wesentliche. Sie sprängen zwischen Aufgaben und Kommunikationen hin und her, statt Priorisierungen vorzunehmen und sich inmitten des Kommunikations-Chaos auf bestimmte Informationsflüsse zu konzentrieren.
Manche der Experten gehen davon aus, dass jüngere Soldaten gerade deshalb mehr Probleme mit dem Information Overload hätten, weil sie von klein auf daran gewöhnt gewesen seien, ihre Aufmerksamkeit ständig neu auf andere Dinge zu fokussieren. Ihr Aufmerksamkeitsverhalten sei sprunghaft, zugleich zeigten Hirnstrom-Messungen, dass ihre Überforderung durch zu viel Information nicht kleiner sei als bei älteren Semestern. In klinischen Tests sähen kommunikativ überforderte Soldaten mitunter Ziele und Gefahren nicht, die sie direkt vor der Nase hätten.
In einem Trainingsprogramm auf Hawai erprobt das US-Militär nun Methoden, jungen Soldaten die konzentrierte Fokussierung auf Einzelreize beizubringen - autogenes Training lässt grüßen. Die US-Marines haben inzwischen einen Auftrag erteilt, die anfänglich akademische Studie in ein Trainigsprogramm zu überführen, das in die Marines-Ausbildung einfließen soll. weiterlesen ...
pat
Tannenbaum schrieb:
am 17. Januar 2011 um 18:59:22
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Thema: "Tod durch Multitasking: Flut von Informationen überfordert US-Soldaten"
Jeder Tote ist ein Toter zuviel ,ob Überforderung oder nicht!
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Nachdenker schrieb:
am 17. Januar 2011 um 18:45:08
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Thema: "Tod durch Multitasking: Flut von Informationen überfordert US-Soldaten"
Eine Drohne, ein Mann sowie der notwendige Kontakt zu den
Dienststellen, mehr geht nicht. Der Soldat muß doch permanent das Drohnenvideo beobachten. Der Untershied zwischen Kalaschnikov und Kamera mit Teleobjektiv ist deutlich, kann aber übesehen werden. Siehe Journalistenmord im Irak durch US-Hubschraberbesatzung. Welch ein Wahnsinn, um Sold zu sparen werden Zivilisten abgeschlachtet. Wieviel unschuldige Menschen werden die sparsamen Ökonomen noch ermorden, bis ihnen das Handwerk gelegt wird.
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Deppendorfer schrieb:
am 17. Januar 2011 um 13:26:54
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Zu viele Daten = zu viele unschuldige Tote !
Das Problem als solches ist nicht neu, denn wann immer ein Soldat geistig überfordert wurde,
mussten das bisher jedes Mal Zivilisten bezahlen - oft mit ihrem Leben ! Das Klügste wäre also wohl, mit aller Kraft daran zu arbeiten, Kriege samt Soldaten abzuschaffen ! Kriege anfangen kann jeder Idiot, aber Kriege wieder beenden schaffen nur Genies !
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