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Flugzeugabsturz in Smolensk: Letzte Funksprüche aufgetaucht

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Smolensk: Letzte Funksprüche aufgetaucht

14.04.2010, 08:02 Uhr

Das Wrack der bei Smolensk abgestürzten Tupolew Tu-154/ Der Pilot der polnischen Präsidentenmaschine, Arkadiusz Protasiuk  (Fotos: AP, dpa)

Das Wrack der bei Smolensk abgestürzten Tupolew Tu-154/ Der Pilot der polnischen Präsidentenmaschine, Arkadiusz Protasiuk (Fotos: AP, dpa)

In russischen Medien sind mutmaßliche Teile der letzten Funksprüche aufgetaucht, die die Crew der in Smolensk abgestürzten Tupolev mit dem Tower geführt haben soll. Demzufolge gab es keine Verständigungsprobleme zwischen Piloten und Fluglotsen.

Die Internetausgabe der russischen Zeitung "Gazeta" zitiert dabei aus vier Fragmenten, beginnend mit dem Funkspruch: "Drei, sechsundfünfzig, drei, 100. Passing." Vermutlich handele es sich bei dem Sprecher um den Piloten der polnischen Präsidentenmaschine, Arkadiusz Protasiuk, schreibt die Zeitung. Dieser wende sich an den Fluglotsen Pawel Pljusnin. In einem zweiten Funkspruch heiße es bruchstückhaft: "21 Meter. Nur Landung bei uns, vier Menschen."

"Alles nach Kommando"

Im dritten Fragment sei die Stimme einer zweiten Person zu hören, die Russisch ohne Akzent spreche: "48. Alles nach Kommando. Wir arbeiten weiter." Dabei handele es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die Stimme des Lotsen, so "Gazeta". Darauf folgt im vierten Fragment wieder ein Funkspruch aus dem Cockpit, der Sprecher ist vermutlich wieder Protasiuk: "Ok, 259. Magnetic Kurs. Und teilen Sie mir bitte die Sichtverhältnisse mit. Okay, Nebel acht Kilometer, sieben, vier, vier, sieben, null, drei, wir müssen runtergehen." Der Pilot spreche dabei Russisch, ruhig, mit leichtem Akzent.

Zeitung: Lotse bemängelt Sprachkenntnisse

Nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine in Russland war spekuliert worden, ob es möglicherweise sprachliche Probleme zwischen den beiden polnischen Piloten und den russischen Fluglotsen gegeben hatte. Der britische "Guardian" zitierte den Lotsen Pawel Pljusnin, das Bordpersonal habe schlecht Russisch gesprochen. "Sie konnten die russischen Zahlen schlecht verstehen, so dass ich ihre Höhe nicht bestimmten konnte", so Pljusnin.

Polnische Medien: Pilot sprach Russisch und Englisch

Dagegen berichten polnische Zeitungen nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax, dass der Pilot der verunglückten Maschine Russisch sprechen konnte und den Militärflughafen in Smolensk gut gekannt habe. Ein Kollege habe ausgesagt, er sei drei Tage vor der Katastrophe gemeinsam mit dem verunglückten Piloten nach Smolensk geflogen, als der polnische Ministerpräsident Donald Tusk nach Katyn reisen wollte. Dabei habe Protajiuk Russisch gesprochen. Zudem habe er auch Englisch sprechen und schreiben können.

Landung vom Präsidenten angeordnet?

Weitere Spekulationen gab es auch darüber, ob Präsident Lech Kaczynski vielleicht selbst die riskante Landung bei Nebel angeordnet hat. Darauf könnte möglicherweise der Satz "Wir müssen runtergehen" (Russisch: Nam nado snischatsja) hindeuten.

Cockpit: Hinweise auf Beeinflussung

Nach Ansicht der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit deutet beim Absturz von Smolensk viel auf eine Beeinflussung des Piloten hin. Bis zur Auswertung der Blackbox könne man zwar nur über die Absturzursache spekulieren, sagt Jörg Handwerg zu stern.de. "Doch dass vier Anflüge versucht wurden, legt nahe, dass hier Druck auf die Piloten ausgeübt wurde." Vier Landeanflüge seien "sehr ungewöhnlich", sagt Handwerg, selbst erfahrener Flugkapitän. Der frühere polnische Präsident Lech Walesa hatte bereits am Wochenende gesagt, eine Rücksprache zwischen Pilot und Staatschef sei in solchen Situationen durchaus üblich.

Kaczynski bedrängte Piloten im Georgienkrieg

Der verunglückte Präsident war dafür bekannt, dass er sich über Sicherheitsbedenken seiner Piloten gerne hinwegsetzte. So hatte der polnische Präsident im August 2008 einem anderen Piloten trotz des damals in Georgien geltenden Kriegsrechts befohlen, die Präsidentenmaschine in Tiflis zu landen. Der Pilot widersetzte sich und landete in Aserbaidschan. Kaczynski soll nach Medienberichten von damals über die lange Autofahrt so wütend gewesen sein, dass er den Piloten feuern wollte.

Stimmrekorder wird ausgewertet

Klarheit über die Vorgänge im Flugzeug können jedoch letztlich nur die Aufzeichnungen aus dem Cockpit liefern. Dazu muss erst der Stimmenrecorder der Blackbox ausgewertet werden. Die polnischen Ermittler haben diese noch nicht angehört. Dies soll aber geschehen, um herauszufinden, ob "den Piloten irgendwelche Vorschläge" gemacht wurden, wie es hieß. Nach russischen Angaben sind beide Flugschreiber gefunden worden und intakt, was eine detaillierte Analyse erlaubt.

Vier Landeversuche

Der Pilot hatte am Samstag trotz schlechten Wetters mit extrem geringer Sichtweite zum vierten Mal zur Landung in Smolensk angesetzt, als die Maschine abstürzte. Zuvor war er nach russischen Angaben von Fluglotsen auf die widrigen Verhältnisse aufmerksam gemacht und ihm geraten worden, einen Ausweichflughafen anzufliegen. Die russische Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Leichnam öffentlich aufgebahrt

Die sterblichen Überreste des polnischen Staatschefs Lech Kaczynski werden unterdessen öffentlich aufgebahrt. Im Präsidentenpalast in Warschau können die Polen ihm ab heute die letzte Ehre erweisen. Für die fast 100 Opfer der Flugzeugkatastrophe setzte der polnische Senat eine Gedenkfeier am Samstag an. An dem Tag soll voraussichtlich auch das Staatsbegräbnis Kaczynskis stattfinden, sagte Präsidialminister Jacek Sasin. Allerdings könne eine endgültige Entscheidung erst dann getroffen werden, wenn alle Opfer des Absturzes nach Polen übergeführt seien. Auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel wollen zur Trauerfeier für die Absturzopfer nach Polen reisen.


Quelle: t-online.de , AFP , dpa , dapd

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Kommentare (112)

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Thema: "Flugzeugabsturz in Smolensk: Letzte Funksprüche aufgetaucht"

Niro70 schrieb: am 13. April 2010 um 20:00:13
(1) (0) Smolensk
Mich hat das alles sehr betroffen gemacht; wer erklärt mir aber, dass keinerlei Explosionen stattfanden, wer sagt mir, ob der Nebel
nur kurzzeitig da war, wie lang ist dort die Landebahn wirklich, ein derart gut ausgebildeter Pilot soll einen Fehler gemacht haben? Ich warte bis man mehr erfährt als heute.
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Poland schrieb: am 13. April 2010 um 19:46:57
(0) (0) Danke
Wir danken für die Beileid und das Mitleid haben. Wir danken dass sie mit uns sind!!! Das kennzeichnet viel für uns. !!

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HB schrieb: am 13. April 2010 um 19:41:01
(0) (1) Kaczynski
Herrn K. weine auch ich keine Träne nach.Wer Wind säht erntet Sturm. Mitleid empfinde ich besonders mit den Familien des
Flugpersonals. Hoffentlich bleibt den Polen und uns, den übrigen Europäern nun der Zwillingsbruder von LK, JK. erspart.
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