Drucken
Polizei nimmt Terrorverdächtige im Flugzeug fest
26.09.2008, 16:34 Uhr
Der Flughafen Köln-Bonn im Nebel (Quelle: dpa)Die Polizei hat am Freitag wegen Terrorverdachts zwei Passagiere in einem Flugzeug auf dem Flughafen Köln-Bonn festgenommen. Das bestätigte das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Die beiden sollen auf dem Weg in ein pakistanisches Ausbildungslager für Islamisten gewesen sein.
Die Beamten nahmen die Männer um 6.55 Uhr vorläufig fest, bestätigte auch eine Sprecherin der Fluglinie KLM gegenüber t-online.de. Die Maschine war mit rund 40 Passagieren besetzt und sollte nach Amsterdam fliegen. Die Festnahme sei völlig unspektakulär abgelaufen, hieß es beim LKA. Die beiden Terrorverdächtigen waren bei der Festnahme unbewaffnet. Sie sollen ohne Auffälligkeiten durch die Sicherheitsschleusen gelangt sein. Das teilte ein Sprecher des Flughafens mit.
HintergrundGeplante Terroranschläge in Deutschland
VideoTerrorverdächtige am Flughafen festgenommen
Somalier und Deutscher
Bei den Männern soll es sich um einen 23 Jahre alten Somalier und einen 24-jährigen Deutschen handeln, der im somalischen Mogadischu geborenen wurde. Beide sollen in Nordrhein-Westfalen wohnen. Nach der Festnahme mussten alle Passagiere aussteigen, um ihr Gepäck zu identifizieren. Dies sei aber immer üblich, wenn ein Passagier unmittelbar vor dem Start ein Flugzeug verlasse, sagte der Flughafensprecher. Die KLM-Maschine sei dann mit rund 80-minütiger Verspätung in Richtung Amsterdam gestartet.
Bundesanwaltschaft nimmt keine Ermittlungen auf
Nach den Festnahmen sieht die Bundesanwaltschaft bisher keinen Ansatzpunkt für eine Übernahme der Ermittlungen. Das teilte ein Sprecher am Freitag in Karlsruhe mit. Bei dem Zugriff auf dem Flughafen handele es sich um eine Aktion in der Zuständigkeit der dortigen Polizei und Staatsanwaltschaft.
TerrorverdachtJugendliche schießen auf Polizisten in KölnTerrorverdächtige Saarländer im Visier der ErmittlerSie wollten vermutlich im "heiligen Krieg" sterben
Die beiden Männer sollen Abschiedsbriefe hinterlassen haben, berichtete Frank Scheulen vom LKA dem Nachrichtensender ntv. Nach Medienberichten fanden Ermittler die Briefe in der Wohnung der Männer. Beide wollten offenbar im "heiligen Krieg" sterben und sich an möglichen Anschlägen beteiligen. Die beiden Männer sollen nach Medienberichten seit Monaten beobachtet worden sein. Für einen möglichen Anschlag im Flugzeug gäbe es bisher keine Hinweise, sagte eine Sprecherin des LKA Nordrhein-Westfalen gegenüber t-online.de.
Festgenommene wollten vermutlich nach Pakistan
Die beiden Terrorverdächtigen wollten nach einem Zeitungsbericht des Berliner "Tagesspiegel" über Amsterdam und Uganda nach Pakistan reisen. Vermutlich hätten sich der Deutsch-Somalier Omar D. und der Somalier Abdirazak B. zur Islamischen Dschihad Union (IJU) begeben wollen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die IJU steckte hinter dem Versuch der sogenannten Sauerland-Gruppe um den Deutschen Fritz G., in der Bundesrepublik mehrere Anschläge mit Autobomben zu begehen. G. und zwei weitere Mitglieder der Gruppe wurden im September 2007 im Sauerland überwältigt.
Keine konkrete Gefahr für Deutschland
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht auch nach der Festnahme von zwei islamistischen Terrorverdächtigen auf dem Flughafen Köln-Bonn keine konkrete Anschlagsgefahr in Deutschland. "Es bleibt bei der Einschätzung, dass wir im Fadenkreuz des Terrorismus stehen", sagte eine Ministeriumssprecherin am Freitag in Berlin. Es gebe aber derzeit "keinen konkreten Hinweis auf ganz konkrete Anschlagsvorbereitungen".
Rechts der 20-jährige Eric Breininger, links sein 23-jähriger Begleiter Houssain al-Malla (Quelle: ddp)
Öffentliche Fahndung
Unterdessen fahndet das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden weiter nach zwei islamistischen Terrorverdächtigen. Die Polizei habe in diesem Fall schon mehr als 20 Hinweise erhalten. Die Informationen müssten nun ausgewertet werden, sagte eine BKA-Sprecherin
Keine direkte Verbindung zwischen Fällen
Nach bisherigen Erkenntnissen haben die Festnahmen am Flughafen Köln-Bonn nichts mit der Fahndung nach dem Deutschen Eric Breininger und dem Libanesen Houssain al-Malla zu tun, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft.
Kontakt zu Drittem gestanden
Auch Sicherheitskreise machten deutlich, dass beide Fälle klar getrennt werden müssten. Es gebe keine direkte Schnittstellen. Nach Angaben des "Tagesspiegel" sollen die beiden Festgenommenen aber in Kontakt zu einem Islamisten in Bonn gestanden haben, der seinerseits eine Verbindung zu dem gesuchten deutschen Islamisten Eric Breininger unterhalten haben soll. Nach diesem und dem Libanesen Houssain al-Malla hatte das Bundeskriminalamt am Donnerstag eine öffentliche Fahndung eingeleitet.
Wohl auf dem Weg ins Saarland
Breininger ist möglicherweise auf dem Weg zurück in seine Heimat im Saarland. "Wir gehen davon aus, dass er den Kontakt zu seinen alten Personenbeziehungen sucht", sagte der Staatssekretär im Landes-Innenministerium, Gerhard Müllenbach, am Freitag im Saarländischen Rundfunk. "Er braucht logistische Unterstützung, wenn er hier etwas vorhaben sollte." Müllenbach sagte weiter, die saarländische Polizei habe vor rund einer Woche den Hinweis bekommen, dass sich Breininger und Al-Malla auf dem Balkan befänden, mutmaßlich mit dem Ziel Deutschland.
Geheimes Schreiben beschreibt mögliche Reiseroute
Breininger soll nach einem internen Schreiben des BKA, über mehrere gefälschte Pass-Dokumente verfügen und diese zur Reise nutzen. Es lägen keine Erkenntnisse zur Reiseroute, zum Reiseziel in Deutschland, zum mutmaßlichen Anschlagsziel und über weitere mögliche Begleiter vor. "Es ist aber zu vermuten, dass die Einreise auf dem Landweg über den Iran und die Türkei erfolgt", heißt es in dem Schreiben.
Saarländer im Visier des BKA
Nach der öffentlichen Fahndung des BKA gingen mittlerweile mehr als 20 Hinweise ein. Die Informationen müssten nun ausgewertet werden, sagte eine BKA-Sprecherin in Wiesbaden. Die Sicherheitsbehörde hatte am Donnerstag den 21 Jahre alten Deutschen Eric Breininger und den 23-jährigen gebürtigen Libanesen Houssain al-Malla zur Fahndung ausgeschrieben. Der aus dem Saarland stammende Breininger hatte vor wenigen Monaten in einem Internet-Video mit einem Selbstmordanschlag gedroht.
Anschlag auf Polizei: Jugendliche im "heiligen Krieg"
Bei einem Anschlag auf Polizisten von türkischstämmigen Jugendlichen in Köln erhärtete sich unterdessen ebenfalls der Verdacht auf einen islamistischen Hintergrund. Die drei Jugendlichen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren, die die Polizisten in einen Hinterhalt gelockt und beschossen hatten, sagten aus, sie führten einen "Heiligen Krieg". Der Kölner Oberstaatsanwalt Rainer Wolf sagte Freitag: "Sie haben ausgesagt, sie wollten Märtyrer sein, sich am Dschihad beteiligen und all so Sachen."
Täter wollten Waffen stehlen
Nach Informationen von "rp-online.de" hätten die Jugendlichen die Beamten mit Schreckschusspistolen beschossen. Sie hätten Waffen der Polizisten stehlen und damit amerikanische Einrichtungen überfallen wollen, sagte Wolf. Sie hätten die Beamten aber mit Messern töten könnten. Der 38-jährige Beamte und seine 26-jährige Kollegin schlugen die Angreifer jedoch in die Flucht. Wolf vermutete, dass die drei Islamistische Videos im Internet gesehen hätten und dadurch zu der tat animiert wurden.
Verdacht des versuchten Mordes
Alle drei seien nicht vorbestraft, hätten regelmäßig die Schule besucht und kämen aus liberalen Elternhäusern, schreibt "rp-online.de". Die Jugendlichen befinden sich nun wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Untersuchungshaft.
Quelle: dpa
, AFP
, t-online.de