10.02.2008, 11:38 Uhr | Von Manfred Präcklein, dpa
Gedeiht prächtig: Eisbärenmädchen Flocke im Nürnberger Zoo (Quelle: dpa)Das Nürnberger Eisbärenbaby Flocke wird am Montag zwei Monate alt. "Das Interesse ist nach wie vor riesig", weiß Alexandra Foghammer von der Stadt Nürnberg zu berichten. Rund 40.000 Menschen aus aller Welt besuchen täglich Flockes Homepage. Auch die mittlerweile über 60 Videos wurden bereits mehr als 1,3 Millionen Mal angeklickt.
"Flocke ist putzmunter, sie wächst und gedeiht prächtig", freut sich Tierarzt Bernhard Neurohr. Mittlerweile ist Flocke 65 Zentimeter groß und wiegt rund sechs Kilogramm. Vor wenigen Tagen brachen die ersten Zähne im Oberkiefer durch. "Auch ihre Tatzen werden immer größer."
Tagebuch wird geführt
Wachstum und Entwicklung der kleinen Eisbärin werden in einem Tagebuch festgehalten. Das Eisbären-Baby wurde am 11. Dezember geboren. Vier Wochen lang kümmerte sich Mutter Vera zunächst vorbildlich um ihren Nachwuchs. Vera verließ zwar regelmäßig ihre Wurfhöhle, um sich zu sonnen, war aber immer zur Stelle, wenn es galt, ihr Junges in ihrer Höhle zu säugen. Aus dem feinen Haarkleid bei der Geburt wurde schnell ein dichtes weißes Fell.
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Der Schock im Januar
Doch nach vier Wochen überschlagen sich die Ereignisse im Nürnberger Tiergarten. Am 7. Januar 2008 frisst Flockes Tante Vilma, die mittlerweile an den Rostocker Zoo abgegeben wurde, ihre beiden Jungen. "So ein Verhalten von Raubtieren ist bekannt, wenn der Nachwuchs krank ist, die Nahrung verweigert oder stirbt", erläutern die Zoologen.
Der Fall aus dem Maul
Tags darauf reagiert auch Mutter Vera nervös angesichts des Rummels rund um ihr Gehege. Mehrfach lässt sie ihren noch unbeholfenen Nachwuchs aus ihrem Maul fallen. Aus Sicherheitsgründen trennen die Verantwortlichen das Jungtier von seiner Mutter.
Das weiße Knäuel
Seither kümmern sich vier Pflegerinnen und Pfleger rund um die Uhr um das damals noch nicht einmal zwei Kilo schwere Eisbären-Mädchen. Liebevoll nennen sie das kleine weiße Knäuel Flocke. Alle vier Stunden bekommt das Jungtier ein Fläschchen. Die Handaufzucht läuft problemlos. Eine anfängliche leichte Magen-Darm-Infektion hat Tierarzt Neurohr mit einem Antibiotikum schnell im Griff.
"Ein kleiner Racker"
Seit 18. Januar heißt die kleine Eisbärin auch offiziell Flocke. Mehr als ein Dutzend Kamerateams drängen sich im Sitzungssaal des Rathauses, als Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) den Namen verkündet. "Flocke entwickelt sich mehr und mehr zum kleinen Racker", berichtet der Tierarzt eine Woche später. "Auf unserer Waage hat sie so gezappelt, dass es unmöglich war, ihr Gewicht abzulesen." Die kleine Eisbärin wird immer aktiver, macht erste Stehversuche, schreit laut, wenn sie Hunger hat. Aber die meiste Zeit des Tages schläft sie.
Freigehege im April
Um ihrem wachsenden Bewegungsdrang gerecht werden zu können, wird der Raum mit Flockes Kiste in dieser Woche zu einer begehbaren Box umgebaut. Die Pfleger nennen sie "Kinderstube". Noch zwei Monate soll Flocke von den Tiergarten-Besuchern ferngehalten werden. Erst Anfang April darf sie ins Freigehege.
Interessanter als die Kanzlerin
Bis dahin müssen sich ihre Fans mit Bildern, Videos und schriftlichen Informationen begnügen. Die Suche nach dem Begriff Flocke bringt im Internet mittlerweile rund 700.000 Einträge - doppelt so viele wie beim Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel.